STORMARNER TAGEBLATT
Bad Oldesloe
Für Stromtrassen darf kein Ackerland geopfert werden
Drei Bauernverbandspräsidenten in Bad Oldesloe: (v. l.) Hans-Joachim Wendt (Stormarn), Gerd Sonnleitner (Deutschland) und Werner Schwarz (Schleswig-Holstein). Foto: Blase
Bad oldesloe. "Unverschämtheit" rief der ehemalige Präsident des Landesbauernverbands, Karl Eigen, aus dem Publikum, als Kreisvorsitzender Hans-Joachim Wendt den EU-Vorschlag kritisiert, sieben Prozent der Flächen unter ökologischen Vorrang zu stellen. "Das mag für eine Region vielleicht hinnehmbar sein, aber nicht für den einzelnen Betrieb", so Wendt beim Kreisbauerntag in der Stormarnhalle.
Natürlich griff auch der Hauptredner des 65. Treffens, der Präsident des Deutschen und des Europäischen Bauernverbands Gerd Sonnleitner, dieses Thema auf: "Schon wenn es heißt, öffentliches Geld gibt es nur für öffentliche Leistungen, ist das eine Diskriminierung." Die Landwirtschaft handele seit Generationen nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit. Dass Deutschland Gästen aus dem Ausland oft vorkomme wie ein einziger Landschaftspark, sei das Verdienst der Bauern.
Deshalb brauche man hierzulande auch keine ökologischen Vorrangflächen. "Das bedeutet nichts anderes als Stilllegung, und das auf einem der besten Produktionsstandorte der Erde. Für jeden Hektar Vorrangfläche bei uns werden woanders auf der Welt drei bis fünf Hektar gerodet. Damit versündigt man sich", so Sonnleitner.
Die deutschen Landwirte würden schon heute viel für Umwelt und Artenvielfalt tun. Das habe ihm auch EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos bestätigt, der aber trotzdem an seinen Reform-Plänen festhalte, die zudem einen Wust neuer Vorschriften nötig machten. Sonnleitner: "Jeder hat bisher versprochen, dass die Bürokratie abgebaut wird, und jeder hat sie verdoppelt. Dacian Ciolos wird sie verdreifachen."
Felder und Äcker sind aber nicht nur von der EU bedroht. Ausgleichsflächen für Gewerbe- und Wohngebiete, Straßen und Bahnlinien gehen zu Lasten der landwirtschaftlichen Produktionsflächen. Im Zuge der Energiewende droht das nun auch für Windräder und Stromtrassen. Von einer geplanten Leitung von Lübeck nach Norderstedt ist Stormarn direkt betroffen, so Wendt. Logische Forderung des Bauernverbands: Wenn alternative Energien der Ausgleich für Atomkraftwerke sind, braucht es keinen zweiten ökologischen Ausgleich.
Bei aller Kritik sind die Landwirte aber grundsätzlich optimistisch. "Ich sehe uns auf einem guten Weg. Die Akzeptanz ist viel größer geworden", so Sonnleitner. Eine Erfahrung, die er auch auf der Grünen Woche gemacht habe: "Das Klima war ganz anders als früher. Landwirtschaft wird wieder als unverzichtbar und als Zukunftsbranche gesehen".
Die sich den neuen Fragen aber stellen muss, so Werner Schwarz, Wendts Vorgänger und Präsident des Bauernverbands Schleswig-Holstein. Er kündigte eine Bio sicherheits-Strategie an, die sich mit Themen von der Nager-Bekämpfung bis zu Überprüfung der Lieferanten reichen soll: "Wir werden in dieses Themen einsteigen. Wir wollen glaubwürdig bleiben, und vielleicht ist das eine Chance."
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