STORMARNER TAGEBLATT
Expedition in die Vergangenheit
Schürensöhlen. Jetzt rücken die Wissenschaftler in Schürensöhlen an, um mit Bodenradar auf Spurensuche zu gehen nach Überresten der im Mittelalter nachgewiesenen Katharinenkirche. Mit dem Gerät im Format eines Schuhkartons können Bodenstrukturen bis zu einer Tiefe von drei Metern aufgezeichnet werden. Die Analyse von Verdichtungen erlaubt Rückschlüsse zum Beispiel auf Fundamente, Gehpfade und andere von Menschenhand vorgenommene Anlagen.
Das Gerät mitgebracht haben vier Studenten der Geophysik der Universität Hamburg. Ihre Sprecherin ist Hanna Blanck, die im benachbarten Ahrensfelde zuhause ist. Sie hat im Stormarner Tageblatt von der Kirche erfahren, die 1296 gegründet worden war, aber wenig mehr als zwei Jahrhunderte überdauert hat. Für Bodenkundler eine spannende Expedition in die Vergangenheit. Geophysiker untersuchen Erdschichten, um Bodenschätze aufzuspüren oder auch die Qualität von Baugrund zu beurteilen. Daher ist den Studenten im 5. Semester der Umgang mit Bodenradar vertraut. Das Gerät wird normalerweise nur für Übungen an der Universität eingesetzt, "unser Professor war aber gleich zur Ausleihe bereit, als ich ihm von dem Projekt in Schürensöhlen berichtete", erzählt Hanna Blanck.
Für die Untersuchung des Ackers am Putteich führen die angehenden Geophysiker ihr Gerät in Bahnen von jeweils einem Meter Abstand über den durch Funde bereits eingegrenzten Standort der Kirche. Eine 400-Megahertz-Antenne überträgt die Daten auf einen Computer. Nach einer ersten Sichtung der Rohdaten an der Uni sind die jungen Leute ernüchtert: "Leider lassen sich daraus noch keine verwertbaren Erkenntnisse gewinnen", berichtet Blanck. "Wir werden auf jeden Fall noch einmal anrücken müssen, auch um Vergleichsdaten von anderen Teilen des Ackers zu ermitteln."
Dem Bodenradar war im Spätsommer in Schürensöhlen der Besuch einer Gruppe von Detektorgängern vorausgegangen, die mit ihren Geräten Metallfunde aufspüren können. Interessanteste Ausbeute war dabei ein silberner Hohlpfennig aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. Die Schatztruhe der Fundstücke enthält inzwischen Keramikfragmente, Blei-, Zinn- und Bronzestücke, Pfeilspitzen sowie eine Karneolperle. Jeder neue Fund stachelt den Ehrgeiz der Heimatforscher an, die im Kirchspiel Siebenbäumen die Arbeitsgruppe "Katharinenkreis" gegründet haben.
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