SCHLESWIGER NACHRICHTEN

 

Archäologisches Fundarchiv

Gottorf: Umzug mit 130 000 Kartons

29. Dezember 2009 | 05:00 Uhr | Von Ove Jensen

Das ehemalige Kontor eines Obsthändlers: Hier lagert Magazin-Leiterin Dr. Ingrid Ulbricht wertvolle archäologische Funde. Foto: Jensen

Rund 150.000 Kartons sollen in der neuen Magazinhalle Platz haben, 130.000 werden bereits beherbergt: Das archäologische Fundarchiv des Landesmuseums zieht in einen Neubau nach Busdorf.

Schleswig. Dr. Ingrid Ulbricht sitzt in einem dicken Wollpullover an ihrem Schreibtisch, neben der Gasheizung läuft ein Elektro-Radiator. Im archäologischen Fundarchiv auf der Gottorfer Schlossinsel pfeift der eisige Wind durch die Ritzen. Dass der Leiterin der Einrichtung und ihren Mitarbeitern kalt wird, ist nicht das einzige Problem. Hier lagern empfindliche Fundstücke vom Faustkeil aus der Steinzeit bis zum mittelalterlichen Schwert - in einem Wirtschaftsgebäude aus dem Jahr 1856, dem einzigen Haus auf der Schlossinsel, das niemals saniert wurde, seit vor bald 60 Jahren das Landesmuseum hier einzog. Im Untergeschoss ist noch das hölzerne Kontor aus den Zeiten erhalten, als der Obsthändler Olff Köpke hier seine Bananen lagerte.

Das Magazin ist Schleswig-Holsteins "Archiv für die vorschriftliche Zeit", so beschreibt es Ingrid Ulbricht und zieht damit automatisch einen Vergleich zum hochmodernen Gebäudekomplex des Landesarchivs wenige hundert Meter weiter. Ein halbes Jahr noch, dann werden die Archäologen wenigstens annähernd ähnliche Arbeitsbedingungen haben wie ihre Kollegen mit den Urkunden und Akten aus Papier. Vor wenigen Wochen haben in Busdorf die Bauarbeiten für eine 510 Quadratmeter große Magazinhalle begonnen. An der Bundesstraße 76 kurz vor Haithabu werden bis zu 150 000 Kartons in zwei Etagen Platz haben. Das Passivklima in dem Stahlbau soll Heizkosten sparen und die archäologischen Fundstücke schonen. 130 000 Kartons beherbergt das Magazin schon jetzt. Die neue Halle ist so konstruiert, dass sie problemlos erweitert werden kann. Das dürfte in absehbarer Zeit aber nicht erforderlich sein, denn nach einer Sanierung soll auch das bisherige Gebäude auf der Schlossinsel wieder archäologische Fundstücke beherbergen.

"Besonders gefragt sind Schmuck und Waffen"

Für die Investition in Busdorf hat die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Mittel aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung erhalten. Die Baukosten betragen 1 364 000 Euro. Allein das ausgefeilte Regalsystem kostet eine halbe Million Euro. "Wir müssen jederzeit problemlos an alle Fundstücke herankommen können", beschreibt Ingrid Ulbricht die Anforderungen. Nicht nur Wissenschaftler aus dem In- und Ausland nutzen die Bestände des Magazins rege für ihre Forschung. Auch zahlreiche Museen interessieren sich für Sonderausstellungen insbesondere für Funde aus Haithabu. "Besonders gefragt sind Schmuck und Waffen", sagt Ulbricht. Keramik laufe eher nicht so gut.

Zuletzt gab es eine große Wikingerausstellung im österreichischen Leoben mit 105 000 Besuchern. Die Exponate kamen zu einem beträchtlichen Teil aus dem Schleswiger Fundus. Natürlich bedienen sich auch die Schleswiger Ausstellungsmacher auf Schloss Gottorf und im Wikinger-Museum in Haithabu aus dem Magazin.


 

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