SCHLESWIGER NACHRICHTEN
Geplatzte Versteigerung
Schleswiger Bahnhof wieder zu haben
Das Bahnhofsgebäude mit 1000 Quadratmetern Wohn- und Nutzfläche steht unter Denkmalschutz. Foto: oje
Schleswig. Beim Höchstgebot von 193.000 Euro fiel im vergangenen Dezember der Hammer. Ein anonymer Bieter am Telefon hatte auf einer Auktion im Borsigsturm in Berlin-Tegel den Zuschlag für das Schleswiger Bahnhofsgebäude erhalten. An der Schlei träumte man schon von einer leuchtenden Zukunft für das seit Jahren vernachlässigte Bauwerk.
Jetzt zeichnet sich ab: Die Versteigerung ist geplatzt. Der vermeintliche Käufer springt ab. Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis bestätigte, dass es bisher zu keiner Einigung gekommen ist. Der Höchstbietende, ein Immobilienkaufmann, der nicht aus Schleswig-Holstein stammt, spricht von "Unstimmigkeiten", weshalb er noch keinen Kaufvertrag unterzeichnet habe. Er hatte von den Rahmenbedingungen des Verkaufs offenbar andere Vorstellungen als die Bahn AG. Worum es dabei im Detail geht, ist nicht bekannt. Klar ist jedoch, dass der neue Eigentümer sich hätte verpflichten müssen, der Bahn auch für die Zukunft umfangreiche Rechte einzuräumen. So sollten Bahnreisende weiterhin die Wartehalle nutzen und auch von der Straße durch das denkmalgeschützte Gebäude zu den Gleisen gelangen können. Auch das Reisecenter der Bahn soll erhalten bleiben. Die Bahnsteige und die hölzerne Überdachung vor Gleis 1 sollten ohnehin im Eigentum der Bahn verbleiben.
Bahn will nur an Knotenpunkten Bahnhöfe behalten
Nach Angaben von Meyer-Lovis rechnet man bei der Bahn AG nicht mehr damit, dass es zu einer Einigung kommt. "Wir planen, den Bahnhof im April erneut in die Vermarktung zu geben", sagte der Unternehmenssprecher. Es sei gut vorstellbar, dass bald ein neuer Versteigerungstermin anberaumt werden. Denn grundsätzlich hat die Bahn mit diesem Verfahren gute Erfahrungen gemacht. Der Verkauf der Empfangsgebäude von Glückstadt und Preetz, die im November ebenfalls unter den Hammer kamen, ist inzwischen in trockenen Tüchern. Dasselbe gilt für Dutzende andere Bahnhöfe in ganz Deutschland.
Die Bahn ist seit Jahren damit beschäftigt, den Großteil ihrer Bahnhöfe zu veräußern. Der Konzern möchte nur Gebäude an wichtigen Knotenpunkten behalten. Dazu zählen in Schleswig-Holstein die Bahnhöfe in Kiel, Flensburg und Neumünster, aber nicht in Schleswig.
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