SCHLESWIGER NACHRICHTEN
Polizei-Finderlohn Heils-Bringer Minister-Kälte
Wenn die Polizei Finderlohn geben muss - dann geht das mit einer Korrektheit zu, die ungeahnte Ausmaße annehmen kann. Was ist geschehen? In der Flensburger Straße hatte es eine Prügelei zwischen jungen Leuten gegeben. Anwohner riefen die Polizei, die nun ihrerseits einige Mühe hatte, die Streithähne auseinander zu bringen. Bei dem Gerangel verlor einer der Beamten sein Funkgerät - quäkend blieb es auf der Straße liegen. Netterweise hob es einer der Anwohner auf und brachte es persönlich zur Wache in der Friedrich-Ebert-Straße.
Der Beamte dort freute sich noch. Doch da hielt der Mann auch schon seine Hand auf - und bat um Finderlohn. Präziser: Er wollte seinen Finderlohn für das Funkgerät einklagen. Oh Mann, verkehrte Welt. Finderlohn von der Polizei. Da startet ein Beamtenapparat voll durch. Unsere Schleswiger Polizei reagierte jedoch gelassen. "Selbstverständlich steht Ihnen der gesetzliche Finderlohn in Höhe von fünf Prozent zu", schrieb Polizei-Hauptkommissar Rolf Bumann wenig später in einem freundlichen Brief zurück.
Nun wurde das Ganze zu einem "aktenkundigen Vorgang". Und das bedeutet: Der aktuelle Zeitwert des Funkgerätes wurde ermittelt - von einem Sachbearbeiter der Polizeidirektion Flensburg. Und der stellte folgende Rechnung auf: Das Funkgerät wurde vor drei Jahren gekauft, zu einem Neupreis von 677 Euro. Heute ist das Funkgerät nur noch 482 Euro wert, davon gibt es fünf Prozent als Finderlohn.
Am Ende hatte der Finder also seinen Trumpf in der Hand. Von der Polizei bekam er die schriftliche Bestätigung: "Ihnen steht ein Finderlohn von 24,11 Euro zu." Unantastbar korrekt berechnet, bis hinter das Komma.
Obwohl sie Gutes für die Stadt bewirken möchte: Nicht überall findet die "Zukunftswerkstatt Schleswig" Freunde vor. In der Sozialausschuss-Sitzung, in der es darum ging, welche Vereine und Initiativen die Stadt zu dem Thema Sozialraumplanung einladen sollte, platzte Claus Tempel (SPD) der Kragen, als er unter den Beteiligten auch die Zukunftswerkstatt mit aufgelistet sah. Er warf die Frage nach der demokratischen Legitimation dieser "selbst ernannten Heilsbringer" auf. Die Frage blieb unbeantwortet.
Anke Spoorendonk vom SSW muss manchmal frieren. Insbesondere bei Außenterminen und bei Außentemperaturen, die weit im Minus-Bereich liegen - so wie Mitte Januar. Obwohl sie privat gern mit dem Fahrrad unterwegs ist, steht ihr im Dienst als Vertreterin der Landesregierung natürlich ein Dienstfahrzeug mit Fahrer zu.
Und was passierte ihr, als sie neulich in ihrer Eigenschaft als Justizministerin das Schleswiger Amtsgericht aufsuchte, wo es um die Einführung des zentralen Schuldnerregisters für Schleswig-Holstein ging?
Bekleidet mit einer recht dünnen Strickjacke im blauen SSW-Look, hatte sie vor dem Betreten des Amtsgerichts ihren Mantel beim Fahrer im Auto deponiert, trotz der Eiseskälte. Es waren schließlich nur ein paar Schritte bis zum Eingang. Doch nach dem Termin, als alle in ihrem dicken Wintermantel nach Hause strömten, musste Anke Spoorendonk vor der verschlossenen Autotür ausharren. Bibbernd. Ihr Fahrer war nicht zu sehen, offenbar, weil er sich die Beine vertreten wollte.
Vor lauter Kälte erschien ihr blauer In-door-Blazer nun fast noch polar-blauer als ohnehin schon. In diesen Minuten mag sie diejenigen neben ihr beneidet haben, die eigenständig ins Auto steigen, den Motor starten, gern auch die Sitzheizung - und losfahren. Das einfache Leben hat eben manchmal Vorteile.
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