SCHLESWIGER NACHRICHTEN
Süderbrarup
Gemeinsam für mehr Sicherheit
"Spendenstark" ist das aktuelle Projekt des Kriminalpräventiven Rates. Vorsitzender Friedrich Bennetreu (l.), sein Stellvertreter Volker Boldt (r.) und Stephan Hamann, Mitglied des Spendenbeirats, präsentieren die Spendendose, die in vielen Geschäften Süderbrarups zu finden ist. Foto: Ql
Amt süderbrarup. Der Kriminalpräventive Rat (KPR) des Amtes Süderbrarup ist eine Institution, die eher im Hintergrund agiert. Aber die Projekte, die grundsätzlich langfristig angelegt sind, haben das Lebensgefühl und das Gesicht des Amtes bereits verändert. Generator und konstanter Stützpfeiler dieser aus 20 Institutionen bestehenden Einrichtung ist Volker Boldt.
Zur Zeit der Gründung des KPR im August 2007 war Boldt Polizeibeamter in Süderbrarup. "Dieser Beruf bringt es leider mit sich, dass wir immer erst dann gerufen werden, wenn bereits etwas passiert ist - auch im Bereich der Jugendkriminalität", weiß er. Die sich dann anschließende Ermittlungsarbeit führe häufig zu Gesprächen mit Eltern, Partnern und Institutionen wie Schule, Jugendpflege und Jugendamt. In diesen Gesprächen stelle man immer wieder fest, dass die betroffenen Jugendlichen bereits lange vor der Tat auffällig geworden waren und manchmal eine negative Entwicklung vorauszuahnen war. Dieser Umstand habe ihn animiert, dem Amt Süderbrarup die Gründung eines kriminalpräventiven Rates vorzuschlagen.
Seit der Gründung ist Boldt stellvertretender Vorsitzender des KPR. Der Vorsitz ist dem Bürgermeister Süderbrarups vorbehalten - damals Johannes-Peter Henningsen, heute Friedrich Bennetreu, der viele eigene Ideen einbrachte.
Paten gesucht
Parallel startete das erste Projekt "Plan haben". Die Idee ist, Kindern und Jugendlichen, die abweichende Verhaltensweisen an den Tag legen und deren Lebenssituation von einer Vielzahl von Problemen bestimmt ist, für ein Jahr eine Patin oder einen Paten an die Seite zu stellen. Bisher wurden elf Patenschaften geschlossen, von denen sieben noch aktuell und eine weitere in Vorbereitung ist. Weitere Patenschaften seien am Tag der Zusammenführung geplatzt, weil die Patenkinder "kalte Füße" bekamen, verrät Boldt. "Ich habe nach wie vor hohen Respekt vor Menschen, die sich darauf einlassen - sowohl für die Paten, die Zeit freischaufeln, sowie für die Kinder und Eltern, die auch viel von sich preisgeben, wenn sie ihre Kinder in diese Patenschaften geben", bekennt Boldt. Das könne man gar nicht hoch genug anrechnen. Nach einem Patenüberschuss würden jetzt wieder Paten gesucht, die sich an einem Nachmittag pro Woche ein Jahr lang als verlässliche Partner anbieten.
Eine konzertierte Aktion des KPR war das Problemfeld "Bahnhof Süderbrarup". In einer Umfrage hatten die Süderbraruper sich beklagt, dass sie sich dort nicht mehr sicher fühlen. Örtliche Polizei und Bundespolizei hatten daraufhin ihre Präsenz verstärkt und bei Bedarf zuständige Jugendorganisationen hinzugezogen. Doch nach dem Besitzerwechsel ist der Bahnhof kein Sicherheitsthema mehr in Süderbrarup.
Zur Behandlung von Jugendproblemen wurden auf Initiative des KPR 2008 der "Runde Tisch der Kinder- und Jugendorganisationen" gegründet, der sich auch heute noch alle vier bis sechs Wochen trifft. Man stellte Gemeinsamkeiten, aber auch Konkurrenzsituationen fest - und erarbeitete Lösungen. "Es wurde festgestellt, dass regelmäßig miteinander reden und versuchen, etwas zu bewegen, deutlich besser ist, als immer nur übereinander zu reden", sagt Boldt.
Im gleichen Jahr startete die Aktion "Jugend und Alkohol" mit Informationsveranstaltungen für Eltern in der Gemeinschaftsschule und Partys mit alkoholfreien Mixgetränken im Jugendzen trum. Leider sei es nicht gelungen, einen Stand mit alkoholfreien Getränken auf dem Brarupmarkt publikumswirksam zu präsentieren, so Boldt. "Aber für dieses Jahr haben wir einen neuen Anlauf geplant", verspricht er.
Faustlos durchs Leben
2009 stellte der KPR das Arbeitsmaterial für "Faustlos" vor. Bis auf einen praktizieren heute alle Kindergärten des Amtes das Gewaltpräventionsprogramm mit den Handpuppen "Wilder Willi" und "Ruhiger Schneck". Finanziert wurde "Faustlos" dadurch, dass die Mitglieder des Amtsausschusses für ein Jahr auf ihre Sitzungsgelder verzichteten.
2010 begann der "Moonlightsport". An jedem zweiten Sonnabend im Monat wird abends in der Süderbraruper Sporthalle "Sport nach Belieben" für 15 bis 30 Jugendliche angeboten. "Wenn Jugendliche Sport machen und sich auspowern, haben sie keine Zeit, Unsinn zu machen", bringt Boldt es auf den Punkt. Als Betreuer fungieren vor allem Trainer der Sportvereine - aber auch die Mitarbeiter der Hypo-Vereinsbank und Vertreter der Jugendeinrichtungen. Ein ähnliches Konzept ist für Mohrkirch angedacht. Das Projekt "Schutzhütte", bei dem 2011 Kindern auf dem Schulweg sichere Rückzugsgebiete oder Hilfeleistungen angeboten werden sollten, versandete im Lizenz-Dschungel.
2012 wurde das Projekt "Spendenstark" aus der Taufe gehoben. "Ab sofort kann man nicht nur für Projekte spenden, sondern man kann auch in einen größeren Topf einzahlen, aus dem Einzelpersonen, bestehende oder neue Projekte unterstützt oder auf den Weg gebracht werden", erklärt Boldt. In vielen Geschäften in Süderbrarup wurden dafür Spardosen aufgestellt, oder Pfandgutscheine können bei Edeka in den dafür vorgesehenen Kasten eingeworfen werden.
Für dieses Jahr ist das Programm "Stopp dem Diebstahl" geplant, das sich gegen Ladendiebe richtet. Insbesondere Senioren sollen über ihre Rolle als bevorzugte Opfer aufgeklärt werden. "Außerdem schwebt mir ein Projekt vor, bei dem - ähnlich wie bei ,Plan haben’ - Jugendliche einen Nachmittag pro Woche in einem Handwerksbetrieb mitarbeiten können", so Boldt. Erste Gespräche seien auf positive Resonanz bei Handwerksbetrieben gestoßen.
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