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Taschengeld für Haiti

13. März 2010 | 06:45 Uhr | Von swi

Spendensammler: Jonas Kähler und Pia Clasen. Foto: Wieschowski

Schleswig. Über 200 000 Tote, mehr als 300 000 Verletzte und 800 000 Obdachlose - es sind Zahlen, die den 14-jährige Jonas Kähler sprachlos machen, als er die ZDF-Spendengala zugunsten der Erdbebenopfer von Haiti - und das Leid der Menschen, die praktisch alles verloren haben, will er nicht tatenlos hinnehmen. Als in der Fernsehsendung auch Schüler zu Wort kommen, die spontan an ihrer Schule ein paar Euro gesammelt haben, denkt sich der Lornsenschüler: Das kann ich auch.

In seiner Klasse sucht er nach Mitstreitern - kurz darauf stößt die 14-jährige Pia Clasen zu der Ein-Mann-Hilfsorganisation dazu. Gemeinsam stellen die Schüler einen Spendenstand in der Pausenhalle auf die Beine. Manch dummen Spruch müssen sie sich anhören. Noch glaubt kaum ein Mitschüler, dass viel Geld zusammenkommt. Und tatsächlich: Nur ein paar Euro landen in der Spendenbox. Zu wenig, finden Pia und Jonas. Also rücken sie ihren Mitschülern etwas energischer auf den Leib. Zwei Tage lang gehen sie in den ersten beiden Schulstunden durch jede Klasse, erinnern ihre Altersgenossen an das Leid in der Ferne - und jetzt rollen die Euros: Eltern geben ihren Kindern extra Geld für die Spendenaktion mit, in manchen Klassen kommen über 20 Euro zusammen. Als Jonas Kähler wenig später das Geld im Schulsekretariat zählt, werden die Münzen- und Geldscheinstapel deutlich größer als geplant: 460 Euro landen in der Box.

Bei einem Spendenaufkommen von über 24 Millionen Euro ist das Ergebnis der spontanen Schülerspende rein zahlenmäßig ein Tropfen auf den heißen Stein. Dennoch ist Siegfried Hoefer sichtlich gerührt: "Sowas habe ich in den letzten sechzehn Jahren nicht erlebt", sagt der Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes. Kurz zuvor hatte bereits eine Grundschule aus Nübel für die Erdbebenopfer gespendet. Hoefer freut sich auch, dass die Schüler das Geld nicht einfach anonym auf ein Spendenkonto eingezahlt haben, sondern es persönlich vorbei bringen. "Den direkten Kontakt zu den Hilfsorganisationen vor Ort hat so mancher aus den Augen verloren", sagt er.

Wohin das Geld fließt, zeigt Siegfried Hoefer den jungen Spendensammlern dann auch ausführlich: Das DRK betreibt in den Erdbebengebieten mobile Krankenhäuser, die bis zu 700 Menschen ambulant behandeln können - und sogar dafür ausgerichtet sind, Geburtshilfe zu leisten. Doch die Zeit drängt: Bereits im April beginnt die Regenzeit in Haiti. "Eure Spende kommt also gerade zur richtigen Zeit", sagt DRK-Geschäftsführer Hoefer zu Jonas Kähler und Pia Clasen. Und die beiden versprechen: Wenn irgendwo auf der Welt wieder die Erde wackelt, wollen sie erneut auf die Suche nach Spenden gehen.


 

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