SCHLEI-BOTE
Twedt
Nandus balzen auch bei Schnee und Eis
Twedt. Wenn man in Twedt an der alten Meierei von der B 201 abbiegt und hartnäckig genug immer weiter fährt, gelangt man in den Ortsteil Buschau, der im Telefonbuch sinnigerweise im Verzeichnis von Taarstedt geführt wird. Dort glaubt man dann seinen Augen nicht zu trauen, wenn einem in der noch schneebedeckten Landschaft straußenähnliche Laufvögel über den Weg laufen, die man eher in Staub und Wüstensand unter brennender Sonne erwartet.
Künstlerin Heidi Hoesch betreibt hier auf zirka 3,5 Hektar eine Hobbyhaltung zum Teil exotischer Tiere. Sie legt großen Wert darauf, dass ihre Nandus mit einer Kopfhöhe von etwa 1,50 Meter keine Straußenvögel sind. "Nandus sind große Laufvögel und haben drei Zehen, während Strauße nur zwei haben", doziert sie. Es seien pflegeleichte Tiere aus den Hochanden, die auf dem Gelände in Buschau mit Wasserstellen, Hügeln und Wald eine Pampa-ähnliche Umgebung und ein für sie angenehmes Klima vorfänden. "Der lange Winter in diesem Jahr ist für sie pillepalle", antwortet sie auf die Frage nach Problemen durch die momentane Witterung. Nandus hätten eine natürliche Ausstattung, die für wesentlich extremere Winter und Sommer ausgelegt sei. Im Sommer würden sie die Federn aufrecht stellen, um dem Wind möglichst große Angriffsfläche für die Kühlung zu bieten. Und im Winter würden sie das Federkleid so dicht anlegen, dass mehrere Schichten isolierender Luft eingeschlossen würden. "Wenn man die Hand unter einen Flügel schiebt, ist es dort richtig heiß", schildert sie deren tierisches Körperklima. Die Nandus seien das ganze Jahr draußen und würden den Unterstand nur sehr selten nutzen. Selbst bei hohem Schnee lägen sie mitten im Gelände und würden beim Aufstehen schneefreie Mulden hinterlassen, so Hoesch.
Der verlängerte Winter hält die Nandus auch nicht von ihrem normalen Fortpflanzungsverhalten ab. Sie haben bereits mit der Balz begonnen. Sie beginnt nicht in Abhängigkeit von der Temperatur, sondern richtet sich nach der Tageslänge. Wenn die Rangfolge der Hähne nach vielem Flügelschlagen und Tanzen klar ist, gibt es eine strikte Arbeitsteilung. Der Chef kümmert sich um die drei Hennen und die anderen Hähne übernehmen das Brüten und die Aufzucht der Küken.
Die zwei Lamas, die ebenso wie die beiden Ponys auf dem Freigelände stehen, haben den gleichen klimatischen Hintergrund wie die Nandus und kommen mit dem Witterungsverhältnissen ähnlich gut zurecht.
Bemerkenswerterweise sind es die heimischen Esel, die die größten Probleme mit dem Wetter haben. Sie haben keine Unterwolle im Fell und dürfen nicht nass werden. Doch sie sind clever. Bei Regen oder Schnee sind sie die Ersten im Unterstand.
Die zwei Minischweine "Gerhard" und "Lilo" fahren zweigleisig. Tagsüber wollen sie nach draußen - unabhängig vom Wetter. Nachts fühlen sie sich im Stall am wohlsten. Und die elf Island-Schafe sind genetisch so an lange Winter gewöhnt, dass sie nicht einmal zum Lammen in den Stall müssen. Bleiben die zwei Schildkröten, die das tun, was auch alle Menschen bei schlechtem Wetter gerne täten: Sie verschlafen es in einer warmen und für sie gemütlichen Umgebung.
"Die größten Probleme mit dem Winter hatten nicht die Tiere, sondern die Menschen", erklärt die Tierhalterin. Ihr Portemonnaie leide schwer unter den zusätzlich benötigten Futtermengen, denn in "normalen" Wintern fräßen die Tiere schon seit einem Monat Gras und Rinde von der Weide. Außerdem seien die Tiere gefräßiger, um die Kälte auszugleichen.
Zudem bereitete die Wasserversorgung Probleme. Weil die Leitungen eingefroren waren, musste es per Hand herbei geschafft werden. "Wenn es dann im Trog war, wollten die Tiere nicht trinken. Und wenn sie dann Durst hatten, war es schon wieder eingefroren", beschreibt Hoesch das Dilemma. Bei einem dieser Versorgungsgänge stürzte sie unglücklich, brach sich einen Arm und ist jetzt bei der Versorgung ihrer Tiere selbst auf Hilfe angewiesen.
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