SCHLESWIGER NACHRICHTEN
Haithabus spannende Welt
"Kochst Du eine Suppe?" - Christoph Wagner bereitet einen Sud aus der äußeren Schale von Walnüssen zu. Das Ergebnis ist allerdings keine Suppe, wie einige Kinder vermuteten, sondern ein Färbemittel für Kleidung. Fotos: Jennert
Schleswig / Busdorf. Es dampft, raucht und klirrt - und alle sind mit Spaß und Ernsthaftigkeit bei der Sache. Die 30 Handwerker, die für acht Tage in die Wikingerhäuser am Haddebyer Noor eingezogen sind, verbreiten eine Lebensfreude, die ansteckend ist. Noch bis Sonntag leben und arbeiten sie in Haithabu unter den gleichen Umständen wie die Menschen vor 1000 Jahren - abgesehen von kleinen Annehmlichkeiten der modernen Zeit.
Ute Drews, Leiterin des Wikingermuseums und "Erfinderin" der "Sommerzeit unter den Dächern von Haithabu", ist glücklich. Denn das Leben ist so überzeugend nach Haithabu zurückgekehrt, wie es sich die Wikingerexpertin kaum erträumt hätte. Die sorgfältig ihren Vorbildern nachgebauten Häuser werden nicht nur besichtigt und bestaunt, sondern sie werden derzeit vor allem intensiv genutzt. Sie dienen als Schlaf- und vor allem Kochstätte - natürlich mit wikingertypischen Rezepten wie Hirsebrei mit Äpfeln und Nüssen, zubereitet in einem Kessel über einer offenen Flamme. "Köstlich, finden Sie nicht?", sagt Ute Drews, die sich die Gelegenheit zum Probieren nicht entgehen lässt.
Das Projekt schöpft seinen Reiz aus der Authentizität. "Qualität statt Klamauk", lautet die Devise der Museumschefin. Die Handwerker, die nach Haithabu eingeladen wurden, sind handverlesen. Sie sind Spezialisten, die ihre Kunst beherrschen und die ihre Töpferwaren, Schnitzarbeiten und Schmiedeerzeugnisse auf eine Weise anfertigen, wie es die Wikinger taten. Einer von ihnen ist Christoph Wagner, der Färber. Er rührt einen Sud aus der äußeren Schale von Walnüssen an. Bis zu zwei Stunden dauert es, bis sich die Farbstoffe aus der Schale herauslösen. Und noch eine Stunde muss man warten, bis die in den Sud gegebenen Kleidungsstücke einen warmen Braunton angenommen haben. Wagner weiß alles über sein Handwerk, beantwortet gern die Fragen der Besucher. Der Kontrast zu seinem Beruf könnte kaum größer sein: Er ist stellvertretender Produktionsleiter in einem Luft- und Raumfahrtunternehmen.
Das Interesse der Besucher ist für Ute Drews und ihre haupt- und ehrenamtlichen Kräfte ein "riesiger Motivationsschub". Das Projekt in Haithabu sei "Erlebnispädagogik pur", noch dazu perfekt verzahnt mit dem nur wenige hundert Meter entfernten Museum. "Was wir drüben im Museum zeigen, kann man hier in der Entstehung sehen", sagt sie. Mehr noch: Kinder und Erwachsene dürfen aktiv mitmachen. Sie können sich ihr eigenes Wikingerbrot backen oder eine Fahrt mit dem Wikingerschiff "Sigyn" unternehmen, das in Haithabu eine Woche lang zu Gast ist.
Die "Sommerzeit in Haithabu" dauert noch bis Sonntag, ist aber für das Museum schon jetzt ein Erfolg. Seit Sonnabend lösten mehr als 3500 Besucher eine Eintrittskarte - üblich wäre die Hälfte gewesen.
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