SCHLESWIGER NACHRICHTEN
Fahrradtour mit Bürgermeister
Bürgerverein fordert strengere Regeln bei Altstadt-Neubauten
Bürgermeister Thorsten Dahl (Mitte) musste während der Fahrradtour des Bürgervereins eine Fülle an Fragen beantworten. Foto: Jennert
Schleswig. Unter sportlichen Gesichtspunkten darf man die jährliche Fahrradtour des Schleswiger Bürgervereins mit Bürgermeister Thorsten Dahl nicht betrachten. Nur 3,6 Kilometer legten die 25 Teilnehmer am Mittwoch Abend innerhalb von knapp zweieinhalb Stunden zurück. Allerdings ging es dem Bürgervereinsvorstand um Wolfram Weiss und Hartmut Petersen nicht um lange Strecken und sportliche Rekorde. Das Fahrrad diente lediglich dazu, schnell und unkompliziert an Orte zu gelangen, die aus Sicht des Bürgervereins Fragen aufwerfen. Und davon gab es zwischen Rathaus und Holm mehrere. Dabei schälte sich ein Hauptkritikpunkt heraus: Wer Neubauten in der Altstadt errichtet, muss zwar Grundregeln zur Bauhöhe oder zu Gebäudegrenzen beachten, die Gestaltung der Fassade jedoch ist - zum Entsetzen des Bürgervereins - vollständig den jeweiligen Investoren überlassen.
"Jeder kann hier bauen, wie er lustig ist", kritisierte Vorsitzender Weiss vor dem Grundstück des früheren Dom-Cafes, das nach einem Brand mittlerweile abgerissen ist. 200 Meter weiter, an der Ecke Fischbrückstraße / Hafengang, wird bereits an einem neuen Gebäude gearbeitet. Nach Meinung des Bürgervereins ist es zu hoch geraten und passe sich optisch nicht ins Umfeld ein. Wolfgang Clausen vom Friedrichsberger Bürgerverein merkte an: "Die Stadt müsste doch eigentlich ein Interesse daran haben, ihren historischen Stadtkern zu erhalten."
Bürgermeister Dahl entgegnete, dass es für die Altstadt weder einen Bebauungsplan noch eine Gestaltungssatzung gebe. Entsprechend müssten sich Bauherren nur an der Landesbauordnung orientieren. Das bedeute beispielsweise: Um die erlaubte Höhe eines Neubaues zu ermitteln, müsse man sich an den Gebäudehöhen der näheren Umgebung orientieren - dies habe man an der Ecke Fischbrückstraße beachtet. Grundsätzlich, so Dahl, begrüße er es, dass auch in der Altstadt investiert werde und keine Brachen entstünden. Der Bürgerverein gab sich damit nicht zufrieden. Er will das Thema Bebauungsplan für die Altstadt weiter verfolgen.
Nach einer Stippvisite auf der Freiheit stattete der Bürgerverein dem Stadthafen einen Besuch ab. Die Neugestaltung der Anlagen und der Bereiche für die Gastronomie fand ein positives Echo. Mitglied Hartmut Bräuer vermisste jedoch eine ausreichende Anzahl an öffentlichen Toiletten. Das konnte Dahl nicht nachvollziehen. Er verwies auf öffentlich zugängliche sanitäre Einrichtungen im Holm-Museum und an der Touristinformation. Das, so Bräuer, sei doch viel zu weit weg. Auch Norbert Maaß sah hier ein Defizit: Der Hafen sei ein touristischer Anziehungspunkt, öffentliche Toiletten seien daher erforderlich. Man hätte den Hafengastronomen aufgeben können, entsprechende öffentlich zugängliche Anlagen vorzuhalten.
Letzte Station auf der Fahrradtour war die neue Skater-Anlage auf den Königswiesen. Der Bürgermeister betonte, dass die Anlage nur von Skatern benutzt werden dürfe, die einen Helm und Schutzkleidung tragen. Ein entsprechendes Hinweisschild solle demnächst aufgestellt werden. Den Bürgervereinsmitgliedern fiel etwas anderes auf: Sie entdeckten meterlange Haarrisse im frisch verbauten Beton.
Lust auf mehr? Die Schleswiger Nachrichten jetzt
2 Wochen kostenlos testen.







