SCHLESWIGER NACHRICHTEN
Helios
Nach Klinikverkauf: Verdi befürchtet Stellenabbau
Erwarten harte Verhandlungen: Verdi-Vertreter Elke Lunkeit, Dr. Oliver Dilcher und Ute Dirks (v.l.). Foto: Bühmann
Schleswig. Nach der Übernahme der Damp-Gruppe durch die Helios Kliniken GmbH stellt sich die Verdi-Gewerkschaft auf eine härtere Gangart ein. "Wir erwarten heftige Auseinandersetzungen mit dem neuen Eigentümer", erklärte Dr. Oliver Dilcher von der Verdi-Bundesverwaltung. Er ist Fachmann für Tarifverhandlungen für Klinik-Mitarbeiter in Deutschland. Einen drohenden Konflikt sieht er insbesondere im Service- und Verwaltungsbereich des Schlei-Klinikums. "Um die rund 200 Arbeitsplätze dort mache ich mir große Sorgen, auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt noch keine seriöse Aussage über deren Zukunft gemacht werden kann", sagte er gegenüber den SN.
Doch zeige die Erfahrung mit der Helios-Kliniken GmbH, die dem weltweit operierenden Fresenius-Konzern angehört, dass deren Gesundheitsmanager bundesweit die Servicebereiche "gnadenlos ausgegliedert" oder streng "optimiert" hätten. Das Ziel dabei: die Arbeitsleistungen auf diesem Sektor sollten vom billigsten Anbieter auf dem freien Markt eingekauft werden. "Das läuft dann so, dass der Gesundheitskonzern Helios demjenigen den Zuschlag erteilt, der am günstigsten etwa 2500 Essensportionen für das Schlei-Klinikum liefern könnte. Mitarbeiter des Billiganbieters bekämen dann meist nur Hungerlöhne", ergänzte Ute Dirks, Bezirksgeschäftsführerin von Verdi.
In dieses Bild passe, dass Dr. Francesco De Meo, Vorsitzender der Helios-Geschäftsführung, in der Mitarbeiterversammlung im Schlei-Klinikum kürzlich selbst gesagt habe, dass die Zentrale Servicegesellschaft "sich im allgemeinen Wettbewerb mit Externen messen lassen muss". Dazu Ute Dirks: "Jede von Helios übernommene Klinik steht vor einer Rosskur - mit Stellenabbau und zunehmender Arbeitsverdichtung."
Das Martin-Luther-Krankenhaus und die Fachklinik verfügen über eine eigene Großküche, die dem Servicebereich zugerechnet wird. Insgesamt gibt es in der Servicegesellschaft der Damp-Gruppe derzeit 900 Arbeitsplätze, davon 200 in Schleswig. Dilcher verdeutlichte die Forderung von Verdi: "Für den massiv gefährdeten Service-Bereich fordern wir eine nachhaltige Bestandssicherung, damit es nicht zu Kündigungen kommt."
In diesem Zusammenhang begrüßt er die Aussage der Helios-Geschäftsführung, nach der Damp-Übernahme keine Kündigungen aussprechen zu wollen. Dies habe auch für Servicekräfte zu gelten, sagte der Verdi-Mann.
Mit "harten Bandagen" wird es nach Dilchers Meinung in den Tarifauseinandersetzungen zugehen, die im kommenden Jahr beginnen. Derzeit gilt noch der hauseigene Tarifvertrag der Damp-Gruppe. Und den gilt es laut Verdi zu verteidigen. Dilcher: "Der Helios-eigene Tarifvertrag für die Mitarbeiter im klinischen Bereich ist gut, aber der Damper Vertrag ist besser."
In die kommenden Verhandlungen trete Verdi "mit viel Selbstbewusstsein" ein. Dilcher nennt den Grund: "Wir sind als Gewerkschaft in den Damper Kliniken äußerst gut vertreten." So seien im Schlei-Klinikum fast 90 Prozent der Mitarbeiter bei Verdi organisiert, in Damp 80 Prozent - "eine sehr gute Basis für Verhandlungen."
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