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Flensburg als Schrittmacher

02. September 2010 | 06:15 Uhr | Von sh:z

Ausgezeichnet: Der Flensburger Professor Roland Trill

Flensburg. Die Gesundheitsminister der Europäischen Union haben in einer gemeinsamen Tagung auf die große Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologien für das Gesundheitswesen der Zukunft hingewiesen. Die Kommissarin für digitale Medien, Neelie Kroes, prophezeit, dass die Gesundheitssysteme zusammenbrechen werden, wenn man das Potenzial von "eHealth", also der Einsatz elektronischer Medien bei der medizinischen Versorgung, nicht ausschöpft. Diese Voraussagen bringen Rückenwind für den Masterstudiengang eHealth an der Fachhochschule Flensburg. Der Leiter des Studienganges, Prof. Dr. Roland Trill, sieht sich in der Ausrichtung des Studienganges und seiner Projekte voll bestätigt.

FH Flensburg hofft auf

politischen Rückenwind


Trill: "Mit Freude stellen wir fest, dass unsere damals sicher mutige Entscheidung für diesen Studiengang goldrichtig war." Der Professor hofft, dass sich dieser politische Rückenwind auch im Land fortsetzt. Überzeugungsarbeit will er am Freitag leisten, wenn der Kieler Staatssekretär Heinz Maurus zu Besuch an die FH kommt und sich über die Arbeit des Studiengangs informiert.

Gerade in einer ländlichen Region wie dem Norden Schleswig-Holsteins sieht Trill e-Health als eine unverzichtbare Voraussetzung, um auch in Zukunft die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Eine weitere Ausdünnung der ambulanten ärztlichen Versorgung in den ländlichen Räumen zeichne sich ab. "Wir müssen uns fragen, wie wir insbesondere chronisch Erkrankte, die einer koordinierten und kontinuierlichen Versorgung bedürfen, zukünftig versorgen wollen."

Die Fahrt in die Stadt sei meistens beschwerlich und verursache nicht unerhebliche Kosten. Oft werde sie gar nicht notwendig sein, wenn der Kranke selber feststellen könne, ob ein Arztbesuch erforderlich ist oder nicht. Hier nennt Trill als Beispiel das "Telemonitoring". Ein Patient mit chronischer Herzinsuffizienz etwa braucht dazu eine digitale Waage, ein einfaches EKG-Gerät und ein Telefon. Er kann die Werte an seinen Arzt, einen Kardiologen oder ein Krankenhaus übermitteln und erhält sofort eine Antwort, ob eine ärztliche Behandlung notwendig ist oder nicht.

Das sei nicht nur für den Patienten sicher und einfach, sondern für das Gesundheitssystem sogar kostengünstiger. Ein zweites Beispiel: CTG@Home. Dabei bekommen Risikoschwangere ein Gerät mit nach Hause, mit dem sie die Signale aufnehmen und an den Spezialisten in der Geburtsklinik übermitteln können. So werden auch hier unnütze Wege verhindert, das Sicherheitsgefühl der Schwangeren erhöht sich. Zu sehen sei dies auch in im Diakonissenkrankenhaus Flensburg.

Trill verweist auf die "Gesundheitsregion Nord", die mit dem Ziel der medizinischen Versorgung in ländlichen Räumen gegründet wurde. "Mit den aufgezeigten Kompetenzen haben wir alle Chancen, um zu einer Vorzeigeregion zu werden."

Nach Einschätzung Trills sind andere Bundesländer in dieser Entwicklung weiter. In Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen sei eHealth ein zentrales Thema. Dort gebe es eHealth-Kompetenzzentren und entsprechende Wachstumsstrategien. "Mir sind solche Überlegungen in Schleswig-Holstein nicht bekannt. Ich befürchte, dass wir diese so wichtige Entwicklung verschlafen könnten."

Dabei sei der Weg dorthin weder schwierig noch aufwendig. "Wir brauchen einen Moderator dieser Entwicklung, einen, der selber kein ökonomisches Interesse hat, ein internationales Netzwerk besitzt und auch den wissenschaftlichen Hintergrund." Nach Trills Auffassung eine ideale Rolle für die FH. Der Flensburger Studiengang habe dieses Feld bestens bestellt, sei das einzige Fachgebiet in Schleswig-Holstein, das dieses Thema wissenschaftlich behandele und über Projekte mit anderen Regionen und Ländern vernetzt. "Der Studiengang eignet sich hervorragend als Moderator und wissenschaftliche Basis, als Kompetenzzentrum eHealth für Schleswig-Holstein. Und der Region würde es gut tun, denn als erste Adresse in Schleswig-Holstein würde sie intensiver, auch bei Unternehmen der IT-Branche, wahrgenommen."


 

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