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Schleswig

Fassadengestaltung stößt auf Kritik

10. Februar 2012 | 04:50 Uhr | Von Frauke Bühmann

Es bröckelt überall an der einstigen Prachtfassade des traditionsreichen Hotels. Foto: Bühmann

Nach dem Abriss des ehemaligen Hotels Stadt Hamburg will Schubyer Baufirma an gleicher Stelle einen neuen Gebäudekomplex errichten

Schleswig. Gestern früh, kurz vor acht, rollte ein Kran vor das ehemalige Hotelgebäude Stadt Hamburg an: Eine hohe unübersehbare Stellwand wurde installiert - gewissermaßen als Vorbote für das, was an dieser Stelle kommen soll: "Moderne Eigentumswohnungen in offener und hochwertiger Bauweise mit Schlossblick". Das Werbeplakat auf dem Schild zeigt den Gebäudekomplex, den die Firma Stoll-Haus GmbH aus Schuby, Eigentümerin des Areals, dort errichten will. Der Abriss des einst repräsentativen Hotelgebäudes aus dem Baujahr 1818 soll noch im Februar sein.

Obwohl die von der Schubyer Baufirma vorgenommene architektonische Gestaltung des Baus auf dem historischen Platz vor Gottorf bereits vielfach kritisiert wurde in der Stadt, scheint das Projekt nun in trockenen Tüchern zu sein. Stadtsprecherin Dr. Antje Wendt bestätigte gestern auf SN-Nachfrage: "Dem Bauamt der Stadt liegt eine Abrissanzeige vor. Ebenfalls eine Bauvoranfrage, die vom Bauamt geprüft wurde." Mit dem Bauantrag rechnet die Verwaltung in nächster Zeit. Der geltende Bebauungs-Plan für dieses Areal (B-Plan 74 b) wurde bereits im Jahre 2003 beschlossen. Das Plakat auf der Stellwand vor der Bauruine wirbt für den Neubau mit "individuellen und freundlichen Appartments am Schlossgraben". Die Überschrift lautet: "Leben in schönster Lage im Herzen Schleswigs."

Bei vielen Schleswigern, darunter auch Kommunalpolitikern, stößt das Bauprojekt in der geplanten Ausführung auf wenig Begeisterung. Befragt, warum denn seinerzeit im Bebauungsplan keinerlei Vorschriften für Fassadengestaltung, Dachneigung und Materialauswahl festgeschrieben worden seien, räumte ein Kommunalpolitiker gestern gegenüber den SN ein: "Ja, es ist richtig, wir hätten in der Ratsversammlung den Bebaungsplan für den Bereich ändern müssen, eben mit Rücksicht auf die historische Umgebung. Das haben wir gemeinsam versäumt."

Und die Denkmalschützer? Das Landesamt für Denkmalschutz verneinte gestern auf SN-Nachfrage die Zuständigkeit für das Stadt-Hamburg-Gebäude: Nach dem neuen, erst 14 Tage alten Denkmalschutzgesetz sei nur die Untere Denkmalschutzbehörde zuständig. Also der Kreis. Fachbereichsleiter Wilhelm Jähde verweist jedoch darauf, dass in dem neuen Gesetz noch gar keine klaren Zuständigkeiten geregelt seien. Deshalb könne der Kreis noch nicht zu dem Thema Stellung beziehen.

Enttäuscht zeigt sich der unmittelbare Nachbar auf Schloss Gottorf, die Stiftung Schleswig-Holsteinischer Landesmuseen. Sprecher Frank Zarp bedauert, dass die Firma Stoll-Haus sich nicht vor der Projektentwicklung mit dem Gottorfer Stiftungsvorstand in ausreichender Weise zusammengesetzt habe, um gestalterische Aspekte zu besprechen: "Schließlich setzt die Baufirma das Schloss doch auch als Zugpferd in ihrer Werbung ein."

"Ein langweiliger Funktionsbau, qualitativ völlig unzureichend" - so lautet das Urteil von Professor Rainer Winkler von der Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte über das Neubau-Projekt. Dabei brauche der Lollfuß an dieser Stelle einen "hochwertigen Abschluss und Blickfang".


 

Leserkommentare

 
JØRAN-NJÅL SOLBAKKEN 10.02.2012 19:29
Der Bürger bekommt, was er verdient hat.

In der kleinen hässlichen Schleistadt wurden doch schon so viele alte und stadtprägende Gebäude abgerissen. Da fällt doch ein neuer, hässlicher Neubau nun auch nicht mehr auf. Schleswig will halt die kleine, hässliche Schleistadt auch in der Zukunft bleiben, und damit das auch so bleiben kann, werden halt keinerlei Vorschriften im Bebauungsplan für Fassadengestaltung, Dachneigung, Materialauswahl etc. festgeschrieben.
Der Bürger will das so und die Kommunalpolitiker erst recht. Sonst hätte
sich diese Einstellung sich ja schon vor Jahren geändert.
Und das der Denkmalschutz dazu nichts mehr sagen kann, war auch gewollt. Hauptsache der Norden wird schön einbetoniert.

WERNER LORENZEN-PRANGER 10.02.2012 20:22
@Solbakken

Die Schleswiger scheinen zu glauben, es schaffe Arbeitsplätze wenn man einen Architekten, der bis heute zuviel mit Lego gespielt hat, etwas planen läßt, was dann polnische Gastarbeiter für wenig Geld als "Subunternehmer" schnell hochziehen.
So als ehemaliger und gebürtiger Schleswiger rollen sich einem die Fußnägel auf!

JAN BRUNSHAUPT 10.02.2012 23:40
Unrealistische Ansichten

Die obigen Beiträge sind leider alles andere als von Realismus geprägt. Die Chance, das Gebäude Hotel Stadt Hamburg zu übernehmen, bestand mindestens 8 Jahre lang. Aber niemand hat zugegriffen, aus gutem Grund. Ein Erhalt der Fassade oder zumindest ein Neubau mit ähnlichen Merkmalen ist an diesem Standort unrentabel. Jeder, der so ein Geschäft aus Idealismus eingeht, riskiert bei dieser Gebäudegröße die Pleite. Traurig, aber wahr. Die obigen Autoren würden als Betroffene nicht anders handeln.
Wenn man die Stadt nun flächendeckend mit Gestaltungssatzungen zupflastert, erreicht man nur eines: dass Ruinen wie das Stadt Hamburg noch weiter vor sich hin gammeln. Das schließt nicht aus, dass man z.B. am Holm eine Gestaltungssatzung erlässt, aber niemals überall.
Ich war mittelbar beteiligt, als in den 90ern der Wiederaufbau eines 300 Jahre alten Hauses nach einem Brand (nicht in Schleswig) geprüft wurde. Der Wiederaufbau war 2,3mal teurer als ein Neubau gleicher Größe, der zudem viel besser nutzbar war. Wer so etwas macht, muss sehr idealistisch sein (und macht so etwas vermutlich nur einmal in seinem Leben).
Werner Lorenzen-Pranger schafft es natürlich, in seinem Beitrag auch noch auf die mutmaßlichen Arbeitsverhältnisse beim Investor einzugehen und Vorurteile zu pflegen. Natürlich werden dabei noch die Staatsangehörigen eines Nachbarlandes beleidigt. Herzlichen Glückwunsch.

WERNER LORENZEN-PRANGER 11.02.2012 12:47
@Brunshaupt

Lustig, ihre ständigen aus der Luft gegriffenen Angriffe gegen mich. Natürlich haben sie meinen Text eben so wenig verstanden, wie den Text aus der Wikipedia, den sie neulich zitierten. Aber schön fleißig üben, dann wird das schon (vielleicht) noch! :o)

UDO DAMERAU 11.02.2012 14:46
@ Jan Brunshaupt

.
Sie könnten einmal hier reinsehen:
www.shz.de/nachrichten/lokales/der-inselbote/artikeldetails/article/111/wenn-der-meeresspiegel-steigt.html
Sie haben dort behauptet:
"Weil diese armen 'Wissenschaftler' so gemobbt werden, erscheinen ihre Bücher leider nur bei Bastei-Lübbe und nicht in einem Wissenschaftsverlag."
Ich habe das dort widerlegt und Sie etwas gefragt; Ihre Antwort steht noch aus.
(Hat zwar nichts mit diesem Thema hier zu tun, aber da haben Sie sich nicht mehr gemeldet)

JØRAN-NJÅL SOLBAKKEN 11.02.2012 17:45
@Jan Brunshaupt

Ich kommentiere ungerne die Kommentare von anderen Lesern.

Schleswig hat genug negative Beispiele, wo stadtprägende Gebäude für stilllose Neubauten, zum Teil reine Funktionsbauten abgerissen worden sind. Eine Stadt lebt auch von ihrer eigenen, persönlichen Geschichte. Werden diese Spuren entfernt, dann entwickelt sich die Stadt zu einer Jedermannstadt ohne einer eigenen Identität, die man austauschen kann. Städte, die noch viel historische Bausubstanz besitzen, haben das zum Teil erkannt und gehen daher einen anderen Weg. Und ein Erhalt der Fassade ist nicht unrentabel, wenn dahinter auch ein Konzept steht. Das haben zahlreiche erhaltene Fassaden in andern Städten bewiesen. Aber wer natürlich aus wenig Aufwand den maximalen Gewinn herausholen möchte, der wird auch keine alten Gebäude erhalten, bzw. dafür Konzepte vorlegen. Aber zumindest wird aber mit einem alten Gebäude (hier das Schloss Gottorf) geworben "und mit einmaligem Blick auf Schloss Gottorf!". Was wäre, wenn dort nun ein Betonfunktionsbau stehen würde?

OTTO THOMS 11.02.2012 18:12
Und nun Solbakken

Wer ist denn bis jetzt bereit gewesen stadtprägende Gebäude zu erhalten ?
Die Schleswiger Gesellschaft ?
Die sind wie ich froh wenn Schandflecke wie das Hotel Stadt HH endlich von
der Bildfläche verschwinden.
Es kann nur besser werden, egal wer nun was dort baut.
Schloss Gottorp wird übrigens vom Steuerzahler unterhalten, also bitte ein wenig mehr Realitätssinn.

JAN BRUNSHAUPT 11.02.2012 22:33
Kein Denkmalschutz

Man darf bei der ganzen Angelegenheit nicht vergessen: Der Denkmalschützer hat sich nach der Aufgabe des Hotelbetriebs in den SN zweimal zum Gebäude geäußert. Beide Male hat er erklärt, dass das Gebäude NICHT denkmalschutzwürdig ist. Er hat es als "Massenware" bezeichnet. Das war übrigens vor der Lockerung des Denkmalschutzes durch schwarz-gelb.
Diese harten Worte teile ich nicht. Natürlich ist es auch traurig, wenn dieses Gebäude verloren geht. Aber wenn es 1. von fachlicher Seite eine so deutliche Aussage gibt, 2. das Haus seit 8 Jahren vor sich hin rottet, 3. die Größe des Gebäudes die Wirtschaftlichkeit jedes Rettungsversuchs in Frage stellt, dann sollte man vielleicht zustimmen, dass es das Beste ist, jetzt einen Schlussstich zu ziehen und Stoll-Haus machen zu lassen.
Über jede sachliche Diskussion freue ich mich. Mit Solbakken kann man reden, ohne dass Vorurteile und schrille Angriffe formuliert werden. Das ist schön und sollte Standard sein.

UDO DAMERAU 11.02.2012 23:39
@ Jan Brunshaupt

Wat is, Herr Brunshaupt?
Hier nix, und da
www.shz.de/nachrichten/lokales/der-inselbote/artikeldetails/article/111/wenn-der-meeresspiegel-steigt.html
auch nix?
Ich warte immer noch auf Fakten!

WERNER LORENZEN-PRANGER 12.02.2012 03:12
@ Udo Damerau

Ach, lassen sie ihn. Entweder ist der ein Internet-Troll, der sich einen Spaß draus macht uns zu veralbern - oder er ist eben so Strunzdumm, daß er selbst Vokabeln wie "Kampfbegriff" und "Unwort des Jahres", wie im Fall des Wikipedia Zitats mir gegenüber nicht mitbekommt. Leute, die Wetter und Klima, wie im Fall ihrer Diskussion, nicht auseinander halten können, sind eben in auch in der Diskusion an falscher Stelle. :o)
Einfach ignorieren - und fertig ist!

CARSTEN LANGENSCHEID 12.02.2012 08:13
Es gibt immer welche, die wollen aus der Vergangenheit einfach nich lernen !

Herr JAN BRUNSHAUPT 10.02.2012 23:40
Unrealistische Ansichten

Man schaue doch der Einfachhalber nach Flensburg zum Nordertor, dann sollte jedem klar sein was passiert wenn man Architekten freie Hand läßt, das sowas mit finanziellen Gesichtspunkten betrachtet werden soll, zeigt doch, das der Autor ( also Sie ) keine Bezug zu seiner Heimat hat.

Das die Ratsvertreter mal wieder versagt haben, daran gewöhn man sich, nur die Planer bei der Firma Stoll-Haus hätten schon mehr Feingefühl für die Sache haben sollen, sie nutzen Schloß Gottorf und die Schlei werbewirksam um Kohle zu machen und das Umsonst, wollen im Gegenzug nichts dafür geben.

Ach ja, ein Blick schräg gegenüber ( gegenüber der Schlei ) , da steht noch so ein Mahnmal des gestalterischen und finanziellen Größenwahn's.

JAN BRUNSHAUPT 13.02.2012 07:51
Seltsame Bündnisse

Wenn Udo Damerau und Werner Lorenzen-Pranger gemeinsam auf einen eindreschen, kann man nicht alles falsch gemacht haben ;-) Ein linker Polemiker mit der Neigung, unter die Gürtellinie zu schlagen, und ein Vertreter der Meinung, dass die Klimaerwärmung ein Werk einer kapitalistischen Weltverschwörung ist, sind ein seltsames Bündnis. Bei gemeinsamer Schelte von linksaußen und von rechtsaußen muss man sich ja irgendwo in der politischen Mitte bewegen :-)
In der Hochschulpolitik, in die ich mich mal als idealistischer Student gestürzt habe, habe ich dasselbe erlebt: Das Feindbild ist nicht derjenige, der politisch am weitesten entfernt ist, sondern der Demokrat in der Mitte. Und ich habe gelernt, dass solche Kämpfe nicht die Mühe wert sind. Ändert es die Welt, wenn man sich im SHZ-Forum kruden Ansichten und persönlichen Angriffen auseinandersetzt? Kein Stück!
Da suche ich mir lieber seriösere Plattformen mit größerer Wirkung und überlasse diesen Spielplatz Euch. Schade um die vielen Forumsteilnehmer, die hier seriös diskutieren. Tschüß!



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