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Wissenschaftler erforschen das Alter

Auf der Suche nach Unsterblichkeit

23. Oktober 2010 | 04:00 Uhr | Von Ruth Maria Candussi

Ein Schatz für Altersforscher: Diese sechs Schwestern aus Dänemark sind alle älter als 90 Jahre. Foto: Nordschleswiger

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Kiel / Odense. Das Streben nach Unsterblichkeit, nach Unvergänglichkeit, nach ewiger Jugend ist in unzähligen Geschichten und Erzählungen thematisiert worden und von jeher Gegenstand der Forschung. Hand aufs Herz: Welche Frau ärgert sich nicht über die ersten Fältchen im Gesicht, welcher Mann nicht über nachlassende Muskelkraft und wer wünscht sich nicht ein langes und vor allem gesundes Leben?

Das deutsch-dänische "Forschungsprojekt zur Genetik des gesunden Alterns" wird zwar auch nach dessen Abschluss Ende 2012 kein Patentrezept vorlegen können. Doch wird es hoffentlich Varianten im menschlichen Genom aufgedeckt haben, die das Altern in positive Richtung beeinflussen.

Zuschuss aus

Interreg-Mitteln


Das Projekt "Den sunde Aldring/Gesundes Altern" fußt auf einer Zusammenarbeit der Süddänischen Universität in Odense und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel. Die jeweilige Projektleitung haben Professor Kaare Christensen, Leiter des "Dansk Center for Aldringsforskning" in Odense, und Professor Almut Nebel vom Institut für Klinische Molekularbiologie in Kiel. Das Projekt ist mit Interreg-Mitteln in Höhe von rund 5,6 Millionen Kronen (rund 753 700 Euro) bezuschusst worden.

Die Projektleiter und ihre Teams kennen sich von einem inzwischen abgeschlossenen, groß angelegten EU-Forschungsprojekt zur Genetik des gesunden Alterns. "Das Thema des aktuellen binationalen Interreg-Projekts ist also nicht über Nacht entstanden", berichtet Almut Nebel. Vielmehr würden sich Institute beider Universitäten bereits seit Jahren wissenschaftlich mit diesem Thema befassen. Aus der Partnerschaft im EU-Projekt sei die Idee der binationalen Zusammenarbeit aber entstanden und ziele darauf ab, mit Hilfe vorhandener dänischer und deutscher Bio-Datenbanken genetische Faktoren zu identifizieren, die mitbestimmend sind für ein langes und gesundes Leben.

"Der Vorschlag dazu kam von meinem Kollegen in Odense, Kaare Christensen. Danach machten wir uns daran, entsprechende Anträge zur Finanzierung auszuarbeiten und sind natürlich sehr dankbar dafür, Interreg-Mittel erhalten zu haben", freut sich Almut Nebel. Eine derart langfristig angelegte Grundlagenforschung zur Genetik sei ein kostspieliges Unterfangen, angesichts des demografischen Wandels in der Gesellschaft, aber auch sehr relevant, wie die Forscherin betont.

Wertvoll sei die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf diesem Feld nicht nur, weil sie "gut funktioniert", sondern auch, weil die beiden beteiligten Institute verschiedene Ansätze haben und sich deshalb in ihrer Zusammenarbeit entsprechend gut ergänzen. So verfügt das Kieler Institut für Klinische Molekularbiologie über 3000 DNS-Proben von Personen im Alter von 90 Jahren und darüber. Allein über 700 Proben stammen von Personen, die ihr 100. Lebensjahr erreicht haben. "Das ist aus Forschungssicht einfach ein Schatz." Doch nicht nur mit dieser umfassenden Datenbank und den Analyseergebnissen der Proben würde das Kieler Institut zum Projekt beitragen, sondern auch mit modernster Technik, die erst die genaue Analyse des DNS-Materials ermöglicht.

"Unsere dänischen Kollegen wiederum verfügen über DNS-Proben und Probandeninformationen basierend auf der sogenannten 1905er Kohorte* und einem der ältesten und weltweit größten Zwillingsregister, ebenso wie sie umfassende epidemiologische Daten haben. Auch das ist ein wirklicher Schatz", so Nebel. Durch das Zusammenführen des Probenmaterials und einer gemeinsamen Analyse desselben hofft man nun, neue Erkenntnisse zu erlangen.

Genetisches Material im

Grenzgebiet ähnlich


Das genetische Material der dänischen und deutschen Bevölkerung sei ähnlich, weil sie benachbarte Völker sind. Umgekehrt gelte, zumindest in Europa: Je größer die geografische Distanz zwischen Bevölkerungsgruppen ist, desto größer sind die Unterschiede im genetischen Material. "Deutsche und Dänen aber sind genetisch verwandt. Eine Analyse unseres Probenmaterials mit dem dänischen Probenmaterial und den daraus generierten Daten bietet sich an. Untersuchen wir also ,unsere’ Höchstbetagten zusammen mit den dänischen Höchstbetagten, erreichen wir eine größere Teststärke. Das heißt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass wir genetische Faktoren finden, die gesundes Altern bedingen, höher ist", erklärt die Forscherin. Bei diesen Faktoren handele es sich um genetische Varianten im menschlichen Genom, also der genetischen Erbmasse. Der Effekt dieser genetischen Varianten auf eine gesunde Langlebigkeit sei nach bisherigem Erkenntnisstand aber recht klein. Es erfordere großen Forschungsaufwand diese zu identifizieren.

Bisher waren es erst zwei Varianten im menschlichen Genom, die identifiziert und in verschiedenen Bevölkerungsgruppen weltweit bestätigt werden konnten - eine, die das Altern in negative Richtung bedingt und eine, die sich positiv auswirkt. Bei ersterer Variante sprechen die Forscher von einem Mortalitätsfaktor, letztere Variante hingegen wirkt sich positiv auf Langlebigkeit aus.

Und die Entdeckung der Langlebigkeitsvariante ist unter anderem auch der Arbeit der Kieler Forscher zu verdanken. "Wie diese positive Variante aber nun dazu führt, dass Träger derselben länger leben, das wissen wir noch nicht", verweist Professor Nebel auf die Komplexität dieser Materie. Ziel des deutsch-dänischen Forschungsprojekts sei es nicht, eine Antwort auf diese Frage zu finden, sondern vielmehr weitere solcher Varianten aufzutun, die sich positiv auf Langlebigkeit auswirken. "Das ist in der Tat eine Herausforderung", gibt die Kieler Forscherin zu, die sich einen Forschungserfolg davon verspricht, dass vorliegende DNS-Proben und Datenbanken aus Dänemark und Deutschland in eine gemeinsame Struktur zusammengeführt werden und somit ein gemeinsamer Zugriff auf die Daten und eine Analyse derselben möglich ist.

<UZ>* Beginn der Studie war 1998; dabei wurden 2262 Personen - alle im Jahr 1905 geboren- erfasst. 166 dieser Personen haben im Jahr 2005 das 100. Lebensjahr erreicht.

</UZ>


 

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