SCHLESWIGER NACHRICHTEN
Zwölf Stunden aus dem Alten Testament
Die Pastoren Matthias Lange (links) und Matthias Hertel wollen den Schleswiger die 150 Psalmen nahebringen. Foto: Lassen
Schleswig. Wer am Freitagnachmittag durch den Stadtweg läuft, dem könnten plötzlich Sätze wie folgende ins Ohr dringen: "Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser." Der Grund: "Optik Pertiet" überträgt vor seinem Schaufenster von 12 bis 16 Uhr live die Psalmen-Marathonlesung in der Michaeliskapelle.
Zum ersten Mal findet in Schleswig eine solche biblische Lesung statt: 150 Psalmen in zwölf Stunden, so lautet der Plan des Ökumene-Ausschusses um die Pastors Matthias Lange (Baptistengemeinde) und Matthias Hertel (evangelische Michaelisgemeinde). "Unsere Wahl fiel auf die Psalmen, weil sie verschiedenste menschliche Erfahrungen wie Freude, Einsamkeit oder Verlust thematisieren. Schon allein das Vorlesen verdeutlichen den Tiefgang und die Geborgenheit der Psalmen", erklärt Lange.
Von 12 bis 24 Uhr werden übermorgen 40 Mitglieder unterschiedlicher christlicher Konfessionen alle Psalmen des Alten Testaments vorlesen. Die textliche Grundlage bildet dabei die ökumenische Einheitsübersetzung der Bibel.
Im Halbstundentakt wechseln sich die Vorleser ab, von 15 Uhr bis 15.30 Uhr etwa lesen Kreispräsident Eckhard Schröder und Bürgervorsteher Heinrich Bömer, von 18.30 Uhr bis 19 Uhr die Schleswiger Pröpstin Johanna Lenz-Aude und der dänische Propst für Südschleswig, Viggo Jacobsen. Andere Lesende sind Mitglieder der unterschiedlichen evangelischen und katholischen Gemeinden sowie Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Schleswiger Schulen. Einige Psalmen werden auf Englisch, Plattdeutsch oder Malayalam vorgelesen - das ist die Muttersprache des indischen Pater George Mecheril Ouseph, der seit Dezember in der katholischen Ansgar-Gemeinde tätig ist und ebenfalls vorlesen wird.
Zwischendurch wird die Bibel aber beiseite gelegt: Mehrere Tagzeitengebete gliedern den Tag, und um 18 Uhr tritt die Chorgruppe um Domkantor Rainer Selle auf.
"Wir stellen uns eine entspannte Veranstaltung vor, bei der jeder kommt und geht, wie er mag. Die Besucher können sich außerdem in den Vorräumen unterhalten und die gehörten Psalmen reflektieren, es ist also auch ein Ort der Begegnung, und die Kirche tritt trotz unterschiedlicher Konfessionen gemeinsam auf", sagt Lange. Hertel fügt hinzu: "Wenn so viele Besucher kommen, wie wir erwarten, können wir uns auch vorstellen, solche Marathonlesungen zu wiederholen oder auszubauen."
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