SCHLESWIGER NACHRICHTEN
Schleswig
Schlei-Eis bis zu 25 Zentimeter stark
Fischer "Addelei" Nanz misst nach: Vor dem Holm hat das Eis eine Stärke von 22 bis 25 Zentimetern. Foto: Jennert
Schleswig. Die Arbeit ist anstrengend, aber Adolf "Addelei" Nanz verzieht keine Miene. Mit einer langstieligen Axt hackt der Holmer Fischer das Eis rund um die Pfähle seines Steges in Stücke. "Wenn ich das nicht machen würde, würde das Eis alles nach oben drücken", sagt der 70-Jährige. Und der Eispanzer der Schlei hat in den vergangenen Tagen noch zugelegt. Gestern morgen hatte Nanz einen Zollstock dabei, um die exakte Stärke des Eises zu ermitteln. Das Ergebnis wird manchem die Angst vor dem Betreten der großen weißen "Freifläche" nehmen: Vor dem Holm ist die gefrorene Wasserschicht zwischen 22 und 25 Zentimeter dick. Nanz: "Darauf kann man sich sicher bewegen."
Doch gleichwohl warnt der Fischer vor Leichtsinn. Denn so stark wie vor dem Holm ist die Eisdecke nicht überall. Insbesondere das südliche Schleiufer zwischen Haddeby und Fahrdorf birgt nach den Erfahrungen von Nanz erhebliche Gefahren. Die Bereiche rund um die beiden Schleusen zwischen Schlei und Haddebyer Noor stellen dabei eines der größten Risiken dar. Der Wasseraustausch zwischen den beiden Gewässern findet auch derzeit statt. Das bedeutet: Unter dem Eis gibt es eine Strömung, die keine ausreichend tragfähigen Eisdecken zulässt. Nanz: "Dem Eis sieht man ja leider nicht an, wie dünn es an dieser Stelle ist. Deshalb sollten sich - wenn überhaupt - nur sehr erfahrene Schlei-Kenner in diesen Bereich wagen."
Auf der Nordseite sieht die Situation anders aus. Zwar gibt es auch hier Einläufe und Schleusen, aber eben nicht in den Bereichen, die von Spaziergängern gern frequentiert werden. Vom Luisenbad zur Möweninsel würde auch "Addelei" Nanz derzeit ohne Bedenken spazieren gehen. Das Eis ist dort nicht so dick wie vor dem Holm, dennoch kann es das Gewicht von Menschen tragen. Nach Angaben von Möwenkönig Gerd Ross, der für den Naturschutzverein "Jordsand" die Insel betreut, hat der Eispanzer zwischen Luisenbad und Insel einen Umfang von 16 Zentimeter erreicht.
Problematisch könnte es für Spaziergänger beim Übergang vom Ufer auf das Eis werden. Denn in der Nacht zu gestern ist der Pegel der Schlei gestiegen. Dadurch ist das Eis an seinen Rändern gebrochen. Hier ist Vorsicht gefragt. Nanz rät dazu, niemals allein auf die zugefrorene Schlei zu gehen: "Wenn man einbricht und keiner einem helfen kann, hat man kaum eine Chance."
"Addelei" hingegen ist abgehärtet. Das freigehackte Eis rund um seine Pfähle holte er gestern mit bloßen Händen heraus: "Die Kälte stört mich gar nicht."
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