SCHLESWIGER NACHRICHTEN
Geschichtsexperte im Mönchsgewand
In historischem Gewand entführte Jens Nielsen seine Besucher ins mittelalterliche Graukloster. Musikalisch begleitet wurde er von Kirsten Freienstein. Foto: Nomanni
Schleswig. In das dunkle Mittelalter entführte die "Agentour Zeitenspung" Kinder und Erwachsene gestern im Rathaus. Jens Nielsen und Kirsten Freienstein erzählten ihren Gästen Geschichten und Erzählungen, die sich rund um das Graukloster und seine Zeit drehten.
"Herzog Abel, späterer König von Dänemark, überließ das Gelände den Franziskanermönchen, weil dieses aufgrund der neuen Jürgensburg auf der Möweninsel schlicht überflüssig geworden war. Das Kloster selbst wurde im Jahre 1234 gegründet", so Nielsen. Die Fachleute waren dabei passend gekleidet. Nielsen trug ein Mönchsgewand, das aber nicht in allen Einzelheiten dem historischen Vorbild entsprach. "Eigentlich bewegten sich die Mönche auch ohne Schuhwerk, aber aufgrund des Wetters entschied ich mich dann doch für wärmende Schuhe. Zudem ist es äußerst interessant, dass das Graukloster nach dem Aussehen und Wirken der dort lebenden Franziskanermönche benannt wurde. Ihre Kleidung war einfach und oft schmutzig, was ihnen ein gräuliches Aussehen verlieh", erklärte er. Besichtigt wurden insgesamt nicht nur der Kreuzgang und der Klostergarten, der ebenfalls als Friedhof fungierte, sondern auch ein früheres Krankenzimmer und das Zimmer eines Franziskanermönchs.
Freienstein begleitete die gesamte Führung musikalisch mit verschiedenen Flöten oder sogar einer Harfe, um ein mittelalterliches Ambiente zu schaffen. Zusätzlich zu den Erläuterungen konnten die Teilnehmer auch selbst mitwirken. Immer wieder stellte Nielsen Fragen an die Besucher, um sie in das Geschehen mit einzubeziehen. " Als kleiner Junge fand ich Führungen immer sehr langweilig und spröde. Deshalb habe ich mir geschworen, dies anders zu machen", sagte Nielsen. Auf diese Weise sei die Idee entstanden, solche Führungen anzubieten. Seit 1998 bringt er interessierten Besuchern vergangene Zeiten näher. Das Konzept schien am Sonnabend aufzugehen, denn nicht nur beim Riechen an mittelalterlichen Gewürzen und dem gemeinsamen Singen nach Vorbild der Franziskanermönche zeigten sich begeisterte Gesichter. " Mir hat die Tour sehr gut gefallen. Die Thematik war knapp, nett und vor allem verständlich dargestellt", sagte Regina Berg nach Ende der Veranstaltung. Auch für die kleinen Teilnehmer war dieser späte Vormittag ein außergewöhnliches Erlebnis. "Es war alles sowohl für uns Erwachsene als auch für unsere drei Kinder sehr spannend und verständlich fomuliert. Alle Generationen wurden dabei gleichermaßen angesprochen", meinte Christina Rothberg.
So hoffen Nielsen und Freienstein, weiterhin Führungen im Graukloster abhalten zu können und dieses zusätzlich als Veranstaltungsort für Festivitäten nutzen zu dürfen. Gespräche mit der Stadtverwaltung laufen bereits, doch Brandschutzbestimmungen und Bauvorschriften stünden dem Gelingen noch im Weg. Nielsen: "Wir würden das Graukloster gern noch weiter nutzen können, gerade, weil es sich um so ein schönes Gebäude handelt."
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