SCHLESWIGER NACHRICHTEN
Tödlicher Angriff auf den Königswiesen
Gedenken an ein Opfer rechter Gewalt
Schleswig. André Meyhoff und Jan Friedrich haben es nicht vergessen. Vor zehn Jahren marschierten sie mit 300 anderen Menschen durch die Schleswiger Innenstadt zu den Königswiesen -- der idyllische Park an der Schlei war kurz zuvor zu einem Tatort geworden. Zwei Skinheads hatten den 43-jährigen Wohnungslosen Malte L. aus Köln am 13. September 2000 angegriffen und totgeprügelt. Offenbar fühlten sich die beiden Skinheads beleidigt, weil sich der Obdachlose abfällig über die Skinhead-Szene geäußert hatte. Der Fall sorgte bundesweit für Empörung.
Zehn Jahre nach dem sinnlosen Verbrechen wollen Verdi-Mitarbeiter André Meyhoff, Jan Friedrich vom Kulturnetz und andere wieder zusammen kommen, um an das Opfer rechter Gewalt zu erinnern. Sie haben sich mit der Kirche sowie Amnesty International zusammengetan, um einen Gedenktag zu organisieren. Am übernächsten Sonntag ab 15 Uhr wollen sie auf den Königswiesen an der Stelle zusammenkommen, an der das Leben des Obdachlosen endete. Nach einer Andacht soll zudem ein neuer Gedenkstein enthüllt werden. Eine frühere Gedenkplatte war vor der Landesgartenschau von den Umweltdiensten der Stadt entfernt worden und kam danach abhanden - auf der Gedenktafel waren drei Gesichter, starr vor Entsetzen, zu sehen. Inzwischen wurde im Auftrag der Umweltdienste jedoch ein neuer Gedenkstein nach dem Vorbild des früheren Mahnmals hergestellt. "Es wird keine Aufsehen erregende Veranstaltung sein, sondern ein ruhiges Zusammenkommen. Alles andere wäre unangebracht", stellt André Meyhoff klar. Doch nicht nur Schleswig ist in den vergangenen 20 Jahren zu trauriger Berühmtheit gelangt, auch in anderen Orten kam es zu fremdenfeindlichen Übergriffen auf unbescholtene Mitbürger mit tödlichem Ausgang. Um an diese Schicksale zu erinnern, wurde die Wanderausstellung "Opfer rechter Gewalt", in der auch ein Bezug zu Malte L. und dem Schleswiger Fall zu finden ist, nach Schleswig geholt und auf den Königswiesen aufgebaut.
Pastor Joachim Thieme-Hachmann hatte seine Unterstützung sofort zugesagt, als er von André Meyhoff um Hilfe gebeten wurde: "Es ist selbstverständlich, dass wir uns als Christen auch um die Opfer zu kümmern und ihrer gedenken. Malte L. war ein Opfer, und schlussendlich war auch Jesus ein Opfer", stellt Pastor Thieme-Hachmann klar. Obwohl es nach dem schrecklichen Mord an Malte L. nicht zu weiteren Übergriffen auf ausländische Mitbürger in Schleswig kam, ist die Gefahr von fremdenfeindlichen Attacken nach Ansicht von André Meyhoff nicht gebannt.
Noch heute gibt es zahlreiche Obdachlose im Stadtgebiet, und noch heute sind immer wieder Hinweise auf rechtsradikale Umtriebe in Schleswig zu finden - beispielsweise mit Aufklebern, die verbotene Nazi-Symbole zeigen.
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