SCHLESWIGER NACHRICHTEN
Der Maler, der zum Fotografen wurde
Altmeisterlich wirkende Stadt-Ansicht: Valentin Wassners Ölbild von 1855 in der Ausstellung "Schleswig auf einen Blick"
Schleswig. Eine bessere Einstimmung in das diesjährige Programm des Stadtmuseums als mit einem Besuch der dortigen Ausstellung "Schleswig auf einen Blick" (noch bis zum 11. März) lässt sich wohl kaum bekommen. Und eine stimmungsvollere Ansicht der seit 1711 "combinirten" Stadt an der Schlei als dieses um 1855 von Valentin Wassner (1808 bis 1888) gemalte Ölbild gibt es wohl in der ganzen Ausstellung nicht.
"Schleswig mit Schloss Gottorf vom Kolonnenweg aus gesehen" besticht aber nicht nur durch seine atmosphärische Dichte, die geradezu an alte Meister erinnert. Es ist auch hochgradig sicher und effektvoll komponiert. Und es wirkt - wirkt! - auch sachgerecht und präzise in der Darstellung von Details. Kein Wunder, dass der talentierte Feinmaler später als Fotograf und Zeichenlehrer tätig wurde.
So lässt sich etwa erkennen, dass am Platz des nachmaligen preußischen Regierungsgebäudes (heutiges Oberlandesgericht, bekannt als "Roter Elefant") noch das Dernath-Bielkesche Palais zu finden ist, das 1868 abbrannte. Irritieren mag dagegen, dass der Turm der Friedrichsberger Kirche eher dem heutigen ähnelt, der aber erst 1871 errichtet wurde. Und auch das südliche Schlei-Ufer scheint dem Maler etwas arg hügelig geraten zu sein.
Wassners Bild ist eben doch ein Kunstwerk - und keine Fotografie. Wer sich Schleswig "mit den Augen" dieses damals revolutionär neuen Mediums ansehen möchte, kommt im Frühjahr im Stadtmuseum ebenfalls auf seine Kosten. Am 13. April öffnet im Studio die Ausstellung "Theodor Möller - Photographien aus Schleswig" ihre Pforten. Sie umfasst 80 Arbeiten mit Schwarz-Weiß-Bildern aus Schleswig und Umgebung; die Vergrößerungen sind eine Schenkung der dem Stadtmuseum immer wieder verbundenen Fielmann AG. . Fotografie ist ja das überregional bekannte Erkennungszeichen des Stadtmuseums. Und so sind noch vier weitere Ausstellungen in 2012 angesagt, die allesamt auf unterschiedliche Weise dieses Profil unterstreichen dürften. Der Reigen beginnt am 17. Februar mit der dänischen Künstlerin Astrid Kruse Jensen; unter dem Motto "Disappearing into the past" will sie den Betrachter auf eine visuelle Reise in die vergessene Welt der Kindheit und der unberührtenNatur mitnehmen. Eine Kooperation mit dem Kunstmuseum Brundlund Slot in Apenrade.
Am 23. März folgt im S-Foto-Forum die Präsentation von 85 prämierten Fotografien aus dem Wettbewerb "Europäischer Naturfotograf des Jahres 2011". Ab 11. Mai lässt sich die nicht ganz unbekannte Insel Sylt noch einmal neu entdecken: Harald Hentzschel zeigt Strukturen seiner Heimat in strenger, puristischer Formensprache. So sollen alle Klischees vermieden werden.
Das Unesco-Weltnaturerbe Dolomiten ist schließlich Thema der Arbeiten des Meraner Fotografen Georg Tappeiner: die Ausstellung von "National Geographic" wird am 14. Juni eröffnet; das Label der berühmten Zeitschrift dürfte für die Qualität dieser Bilder-Schau mit 50 Motiven Tappeiners - darunter fünf im Panorama-Format - bürgen.
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