SCHLESWIGER NACHRICHTEN
Chancen für die "Gesundheitsregion"
Schleswig / Damp. Rechtsanwalt Carl Hermann Schleifer hat Politik und Wirtschaft des Landes mitgeprägt. Er war in den 1980er Jahren Staatssekretär im Kieler Finanzministerium. Nach seinem Wechsel in die Versicherungswirtschaft hatte er von 1998 bis 2005 den Vorstandsvorsitz der Damp Holding AG inne, bevor er 2007 als Strategie- und Sanierungsberater zum Universitätsklinikum Schleswig-Holstein wechselte. Seit September 2010 ist er erneut Vorstandschef der Damp-Gruppe, die kürzlich an die Helios Kliniken verkauft wurde. Schleifer wird heute 70 Jahre alt.
Mit siebzig Jahren vermuten wir Sie nach wie vor im "Unruhestand". Wie sehen Ihre persönlichen Pläne für die nächsten Jahre aus?
Schleifer: Sicherlich werde ich den Integrationsprozess der Damp-Gruppe in die Helios-Klinikgruppe noch eine zeitlang begleiten. Daneben stelle ich mir die Wahrnehmung unternehmerischer Tätigkeiten außerhalb des Gesundheitsbereichs vor. Darüber hinaus erwäge ich, mich publizistisch zu betätigen.
Was treibt Sie an?
Ich bin der festen Überzeugung, dass Menschen, die noch mit dem Kopf arbeiten können und dazu die Chance bekommen, dies dann auch tun sollten. Hierzu war und bin ich bereit.
Das Thema "Alter" und "demografische Entwicklung" spielt bei Ihren Vorstellungen für eine Medizin der Zukunft eine wesentliche Rolle. Was muss geschehen, damit die Gesundheitswirtschaft sich auf das Thema ernsthaft einstellt?
Was fehlt, ist der intensive Diskurs über die sozial-, wirtschafts- und insbesondere gesundheitspolitischen Auswirkungen des Themas.
Schleswig-Holstein kann in diesem Diskurs aufgrund der hier vorhandenen Potenziale, Infrastruktur und Kompetenzen eine Vorreiterrolle einnehmen. Dies setzt voraus, dass unter der Führung des Sozialministeriums eine Plattform der handelnden Akteure mit dem Ziel der Erarbeitung vernetzter und sektorübergreifender Zielvorstellungen entsteht.
Schleswig-Holstein versteht sich ja bereits als "Gesundheitsland". Wird dieses Alleinstellungsmerkmal schon ausreichend in die Praxis umgesetzt? Woran hakt es?
Steht das Kriterium gesundheitliche Versorgung im Vordergrund, dann ist Schleswig-Holstein - wie ich schon sagte - hervorragend aufgestellt. Von überregional anerkannter Bedeutung ist ebenfalls die medizinische Forschung und Lehre in Schleswig-Holstein, die in enger Wechselwirkung mit der Gesundheitswirtschaft steht. Dies ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist der Gesundheitstourismus. Da sehe ich noch Chancen für Erweiterungen…
… als da wären?
Etwa die landesweite Abstimmung hochwertiger Angebote und deren bessere Vernetzung oder die Ausweitung in der Gesundheitsvorsorge oder Angebote, welche über die kassengestützten Leistungen in der Nachsorge hinausgehen oder Gesundheitsangebote für die Generation im dritten und vierten Lebensabschnitt. In der Zusammenführung der medizinischen, präventiven und gesundheitstouristischen Angebote sehe ich die größten Potenziale für das "Gesundheitsland" Schleswig-Holstein.
Nun wohnen Sie selbst u.a. an der Schlei und damit in einer Region, die sich - von Schleswig bis nach Damp - als "Gesundheitsregion" definieren möchte. Hat dieses Bestreben eine Chance? Wie kann man im Wettbewerb vergleichbarer Regionen Punkte machen?
Da ich die Region kenne und auch schätze, meine ich, dass sie sehr gute Chancen als "Gesundheitsregion" hat. Die Landschaft hat ihren besonderen Reiz, weil sie in einmaliger Weise das Erleben von Ostsee und lebendigem Binnenland ermöglicht. Diese Lage - verbunden übrigens mit einem besonderen Klima - lädt zu einer sehr großen Bandbreite an Aktivitäten ein. Großes Gewicht messe ich auch der hier erlebbaren reichen Kulturlandschaft bei.
Blicken wir zurück: Was hat Ihnen in den Jahrzehnten, in denen Sie in vielen Spitzenpositionen Weichen gestellt haben, besondere Freude bereitet? Und wo wären Sie gerne weiter gekommen?
Viel Freude bereitet hat mir die Sanierung von HDW, eine Aufgabe, mit der ich großes Potenzial für unsere Region verbunden habe. Auf einem ganz anderen Blatt stand dagegen meine Tätigkeit für das SHMF, das kulturell für den Norden eine immense Bedeutung erlangt hat. Wiederum etwas völlig anderes waren dann meine Aktivitäten für Damp, die zu einem maßgeblichen Ausbau der Gruppe auf dem Gesundheitssektor geführt haben. Sicherlich hätte ich das Universitätsklinikum auf dem Weg der Umsetzung des baulichen Masterplans gern noch länger begleitet.
Mit Ihrem Geburtstag geht ein einschneidender beruflicher Schritt einher: Die Unternehmensgruppe Damp geht in der Helios-Klinikgruppe auf. Was empfinden Sie als Vorstandsvorsitzender?
Dazu gibt es eine klare Antwort: Damp kommt bei Helios in gute Hände. Helios verfügt als einer der großen privaten Gesundheitsdienstleister in Europa über die notwendige Finanzkraft, um eine stabile Weiterentwicklung der Damp Gruppe zu gewährleisten. Dies ist für die Sicherheit der Arbeitsplätze und auch für die persönlichen beruflichen Chancen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von großer Bedeutung. Für mich ist wichtig, dass die Gruppe Damp - bis auf das Hanse-Klinikum Wismar aus kartellrechtlichen Gründen - in ihrer Struktur erhalten bleibt, auch im Hinblick auf die Touristik am Standort Damp.
Ihre Wünsche für die Zukunft für die Damp-Mitarbeiter, für die Gesundheitswirtschaft, für das Land?
Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sage ich als erstes ein herzliches Dankeschön für bisherigen großen Einsatz und wünsche ihnen, dass sie sich bei Helios ebenso gut aufgehoben fühlen wie bei Damp. Für die Gesundheitswirtschaft im Lande gilt mein Wunsch, dass sie eine Spitzenposition in Deutschland einnehmen möge. Dem Land Schleswig-Holstein wünsche ich dreierlei: den Erhalt der Eigenständigkeit, die kraftvolle Konsolidierung der Haushaltslage und ein anhaltendes Wirtschaftswachstum.
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