SCHLESWIGER NACHRICHTEN
Bio-Hühner hausen im mobilen Camper
Wenn die Hühner durch ihr Scharren das Gelände versandet haben, kann der Stall einfach umgesetzt werden. Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf (l.) ist von der Anlage der Bioland-Landwirte Babette und Claus Andresen (2. und 3. von links) begeistert. Barbara Maria Rudolf und Björn Ortmanns vom Bioland-Verband sehen die Selker Hühnerzüchter in einer Vorreiterrolle. Foto: Weiss
Selk. Viele Jahre betrieben sie konventionelle Milchviehhaltung, dann haben sich Babette und Claus Andresen entschieden, ihren Hof auf Öko-Landbau umzustellen und sich auf die Haltung von Bio-Hühnern spezialisiert. Mittlerweile umfasst der Bestand 6000 Tiere. Und damit sich ihre weißen und braunen "Lohmann-Legehennen" und die wenigen Hähne noch wohler fühlen, hat Claus Andresen jetzt ein mobiles Heim für 1500 Tiere in Eigenbau errichtet. Der Clou: Der Stall wird einfach in der Landschaft platziert. Ist das Areal vom scharrfreudigen Federvieh rundherum versandet und verbraucht, wird die Anlage kurzerhand mit einer Zugmaschine an eine unverbrauchte Stelle versetzt. Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf stattete im Rahmen ihrer Sommetour jetzt Familie Andresen einen Besuch ab. Begleitet wurde Rumpf von Barbara Maria Rudolf vom Bioland-Präsidium und Bioland-Berater Björn Ortmanns.
"Mein Mann hat unseren Hühnern ein schönes Zuhause gebaut", sagte Babette Andresen und zeigte stolz auf das 30 Tonnen schwere mobile Stallgebäude inmitten eines Weizenfeldes. 1500 selbstaufgezogene Bioland-Hühner finden darin Platz und können frei wählen, ob sie sich auf einer der drei Ebenen im Inneren des Stalls mit Rückzugsmöglichkeiten aufhalten oder ob sie lieber scharrend auf dem Weizenfeld umherlaufen. Eine vollautomatische Futter- und Wasserversorgung mit Hygienevorrichtungen für die Tiere ist ebenfalls eingebaut. Schutz vor Greifvögeln finden die Hühner unterhalb des "Hühnercampers". In Schleswig-Holstein setzten bisher erst zwei Bioland-Betriebe auf die tierfreundliche mobile Haltung, stellte Björn Ortmanns fest und sah da rin eine Vorreiterrolle für die Region.
Rumpf zeigte sich vom mobilen Heim begeistert, so etwas habe sie bisher noch nicht gesehen, sagte die Ministerin. Dann nahm sich Rumpf Zeit, um sich die Sorgen und Nöte der Andresens anzuhören. Dies seien vor allem steigende Pachten und nur kurze Verträge für gepachtetes Land als Folge des stark angestiegenen Maisanbaus, stellten die Landwirte klar. In dieser Situation sei es nicht einfach, den eigenen Getreide-, Gemüse und Futteranbau für die Tiere aufrecht zu erhalten. "Für die Verpächter ist das Geld auf der Hand wichtiger als der Bioland-Anbau. Das macht uns schwer zu schaffen", sagte Andresen.
Rumpf, die auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufwuchs, sah die Auswirkung des Gesetzes zur Einspeise-Vergütung als nicht vorher abschätzbar: "Von allen Seiten ist nun der Druck da. Wir müssen Lösungen finden, die verträglich sind", sagte die Landwirtschaftsministerin.
Lust auf mehr? Die Schleswiger Nachrichten jetzt
2 Wochen kostenlos testen.







