LANDESZEITUNG

 

Scientology-Expertin: Wer nicht bekehrbar ist, gilt als psychisch krank

11. Mai 2010 | Von fjk


Ursula Caberta wird vom Geheimdienst der Scientologen bedroht. Foto: käselau

Im Foyer des Gymnasiums Kronwerk war es mucksmäuschenstill. Gebannt lauschten die Oberstufenschüler sowie einige Lehrkräfte und Eltern der Referentin. Ursula Caberta war gekommen, um über die Glaubensgemeinschaft Scientology zu informieren. Die Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology der Stadt Hamburg betreibt seit einigen Jahren Aufklärungsarbeit und setzte sich zuletzt sogar für ein Verbot von Scientology ein.

Um in die Thematik Scientology einzuführen, nannte Ursula Caberta einige Grundsätze, die für die meisten der Zuhörer erschreckend schienen. So gelte laut Gründer Ronald Hubbard die ganze Menschheit - bis auf zwei oder drei Prozent - als bekehrbar. Der kleine Prozentsatz, der resistent ist, sei psychisch krank. Außerdem gelte jedes Mitglied mit schwerer Krankheit als unethisch und gehöre in ein Straflager. "Ein solches Lager gibt es in unserem Nachbarland Dänemark, in Kopenhagen" erzählte Caberta.

Um an neue Mitglieder zu kommen, gibt es laut Caberta zwei große Bereiche, in denen Scientology versucht, Einfluss zu gewinnen. Ein erstes Feld sei die Wirtschaft. Bei Firmen, die beispielsweise Finanzberatung oder Kommunikationsberatung anbieten, würden Menschen gezielt in die Theorien von Scientologygründer Ronald Hubbard eingeführt. Ohne es zu wissen, werden sie einer Gehirnwäsche unterzogen. Ein weiteres, aber nicht minder gefährdetes Feld sei die Bildung. Ziel von Scientology sei es, die Jugendlichen in die eigene "Studiertechnologie" einzuführen. Mit Hilfe von Nachhilfeinseraten würden gezielt junge Menschen angesprochen. Getarnt als Hilfe für verschiedene Sprachen oder Mathematik werde aber anstelle der Wiederholung des Unterrichtsstoffes eine Art Konzentrationstraining durchgeführt.

Ein weiters Standbein Scientologys ist die Öffentlichkeitsarbeit durch prominente Persönlichkeiten. In diesem Zusammenhang erinnerte sich Ursula Caberta an eine kleine Anekdote: Dem Süddeutschen Fernsehen war die Verleihung des "Bambi" an den Scientologen Tom Cruise so unangenehm gewesen, dass er einen Aufklärungsfilm über Scientology in Auftrag gegeben habe.

Ein ernstes Thema ist der Ausstieg aus der Glaubensgemeinschaft. Möglich sei ein Ausstieg oftmals nur durch die Hilfe schon ausgeschiedener Personen, die den Noch-Mitgliedern in anonymen Internetforen Tipps gäben. Auch öffentliche Anlaufstellen seien eine Möglichkeit, sich Hilfe zu holen. Da es unter Scientologen als größtes Verbrechen gelte, abzuwandern oder nach dem Ausstieg Informationen über Scientology preiszugeben, hätten Aussteiger nach ihrem Austritt sehr oft Probleme. Der organisationseigene Geheimdienst versuche, sie psychisch unter Druck zu setzen. Auch Ursula Caberta selbst wird wegen ihrer Kritik an Scientology von diesem Geheimdienst bedroht.

Wichtig sei, wenn jemand Hilfe benötige oder einen Verdacht habe, auf jeden Fall professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wie bei der Arbeitsgruppe Scientology der Stadt Hamburg. In den ersten vier bis sechs Wochen nach dem Erstkontakt mit Scientology könne man den Betroffenen noch leicht wieder aus dem Milieu herausholen.

Bookmarks
Icon Facebook
Icon Twitter
Icon Myspace
Icon Mister Wong
Icon YiGG
Icon Linkarena
Icon Webnews
Icon Delicious


Leserkommentare

 

Lokalausgabe wählen

 
 

SONDERTHEMEN

Hier finden Sie die aktuellen Sonderthemen aus Ihrer Tageszeitung

28.07.

25.07.

24.07.

23.07.

     

    Newsticker Nord

     

    Aus dem Polizeibericht

     

    Meistgelesene Artikel

     
    SMS-LIVE-TICKER
    Alle Tore der SG live
    Immer informiert sein über den aktuellen Spielstand
    INSTITUT50PLUS
    Lebendig leben...
    Angebote für eine aktive Lebensgestaltung
     
    SUCHE
    SUCHE AUF SHZ.DE

    HÄUFIG GELESEN

    Das Leben der Klitschkos im Film: Start in Flensburg

    Norbert Zewuhn öffnet die Eingangstür zur Handewitter Wikinghalle. Box-Trainer Andrej Sliwinski, Han ...mehr

     
     

    Weitere Online-Angebote des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags:

    Nordclick | Schweriner Volkszeitung | Norddeutsche Neueste Nachrichten | Der Prignitzer | Pinneberger Tageblatt | Quickborner Tageblatt | Schenefelder Tageblatt | Wedel-Schulauer Tageblatt | Barmstedter Zeitung | Handballwoche | Nord Sport | Sportmikrofon | Lokalschnack | Ge-Zeiten | Unter Nachbarn | Flensburg City | Schleswig-Holstein am Sonntag | Die Wochenschau | HALLO Wochenblätter | Hallo Sylt | Umschau | shp Schleswig-Holstein Presse | NordBrief


    VERLAG | MEDIADATEN | KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ