LANDESZEITUNG

 

"Mehr als nur den Namen tanzen . . . "

26. Mai 2009 | 04:40 Uhr | Von vn

Finja Hebenstreit hat gelernt, sich frei zu bewegen. Foto: Nick

Finja Hebenstreit muss sich oft nervige Kommentare zu ihrer Leidenschaft Eurythmie anhören. Aber dieser Ausdruckstanz bietet mehr als nur das platte "Namen-Tanzen". Er ist auch eine Verbildlichung von Gedichten.

Rendsburg. Wahrscheinlich jeder Waldorfschüler wird innerhalb seiner Schulzeit mehrmals mit Fragen zum Fach Eurythmie konfrontiert. Finja Hebenstreit kennt das Problem: "Nervige Fragen wie 'Kannst du deinen Namen tanzen?' hört man einfach zu oft. Leider merken meine Mitmenschen oft nicht, wann es genug ist." Für die 18-Jährige zählte Eurythmie zunächst zu den mühsamen Schulfächern und erst später kam die Freude hinzu: "Mir fiel es immer schwer, aus mir herauszukommen und mich frei zu bewegen." Für die Rendsburgerin ist Eurythmie nicht nur "Namen tanzen": "In diesem Fach geht man auf dichterische und musikalische Werke ein und versucht beispielsweise, den Sinn eines Gedichtes durch Gebärden Ausdruck zu verleihen."

Florian Gauer war von Anfang an begeisterter Eurythmist: "Mein Traum ist es, Schauspieler zu werden und da ist Bewegungskunst wie Eurythmie eine gute Grundlage." Der 18-Jährige hat ganz bestimmte Vorlieben an diesem Fach: "Es macht Spaß, sich Gedanken zu machen, wie man sich bewegt und wie man Musik und Gedichte interpretiert und in die Bewegung einfließen lässt."

Eurythmielehrerin Barbara Wagner, die seit 15 Jahren an der Freien Waldorfschule Rendsburg unterrichtet, sieht in ihrem Fach viel Positives: "Eurythmie ist ein lebensnahes gemeinschaftliches Ausdrucksmitel für Seelisch-Geistiges, das durch die Auseinandersetzung mit sich selbst einen therapeutischen Charakter erhält." Für Wagner steht fest: "Je mehr wir am Computer sitzen, umso mehr müssten wir uns auch bewegen." Eurythmie ist da eine von zahlreichen Möglichkeiten, so wie Tanzen oder Sport. Der Unterschied liegt darin, dass Eurythmie neben der körperlichen Ertüchtigung auch gut für das seelische Befinden ist. Man lernt viel über sich und seinen Körper, steigert sein Konzentrationsvermögen, sowie sein Gefühl für Exaktheit und geistige Wachheit."

Eurythmie

Die Eurythmie wurde ab 1912 durch Rudolf Steiner als neue Bewegungskunst entwickelt. Bewegung sollte dem Menschen den Wirkungen des Maschinenzeitalters gegenüber eine „neue Menschlichkeit“ erschließen. Ab 1919 wurde Eurythmie als Schulfach in Waldorfschulen eingeführt. Auch im Waldorfkindergarten wird die Eurythmie spielerisch und nachahmerisch einmal wöchentlich aufgegriffen. Neben der pädagogischen Eurythmie gibt es die Kunsteurythmie, die sich auf der Bühne präsentiert, und die Heileurythmie, die im Medizinischen und Therapeutischen eingesetzt wird. (vn)


 

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