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Ein Leben zwischen Medizin und Musik

03. September 2010 | 04:40 Uhr | Von dis

50 Jahre an der Orgel: Dr. Friedebald Crome. Foto: Steinmetz

Damp. "Ich habe mein Leben lang zwischen zwei großen Ms gelebt - Musik und Medizin", sagt Dr. Friedebald Crome (67). Am 1. August schaute der 1943 in Erfurt Geborene auf 50 Jahre als Organist zurück. Mit einem musikalischen Festgottesdienst am kommenden Sonntag wird dieses in Nordelbien beispiellose Jubiläum, so Hans-Jürgen Wulf, Landeskirchenmusikdirektor in Hamburg, gefeiert. Der Gottesdienst mit dem Kammerchor aus Eckernförde unter Leitung von Kirchenmusikdirektorin Katja Kanowski beginnt um 10 Uhr im evangelischen Zentrum "Die Insel". Und Crome feiert ein weiteres Jubiläum: Seit 20 Jahren sorgt er in der "Insel" für die musikalische Begleitung von Gottesdiensten und Konzerten.

Crome stammt aus einer musikalischen und christlichen Familie. Sein Vater war Theologe, später Propst in Erfurt und ausgebildeter Sänger. "Bei uns wurde viel Hausmusik gemacht", blickt Crome zurück, der 1956 mit dem Klavierunterricht begann. 1959 und 1960 bekam er Orgelunterricht. Dann stand er vor der Wahl, Musik oder Medizin zu studieren, und er musste sich zwischen der Musikhochschule Weimar und der Uni Berlin entscheiden. Er wählte die Medizin und wurde Psychotherapeut "und im Nebenberuf Organist". Bereut hat er diese Wahl nie und immer Ausgleich und Entspannung in der Musik gefunden.

Seine erste Organistenstelle trat er am 1. August 1960 in der Christuskirche in Erfurt an. 1963 nahm er das Studium in Berlin auf und wurde dort Vertretungsorganist am Dom und der Marienkirche in Ostberlin. Er vertrat die Domorganistin, die aus Westberlin anreiste und die von den DDR-Behörden nur für zwei Sonntage im Monat ein Einreisevisum bekam. Nach dem Studium war er in der evangelischen Kirche in Wittenberge, in der Petri-Kirche in Altentreptow und in der Nicolai-Kirche in Liebenwerda als Vertretungsorganist im Einsatz. Im Dezember 1989 war damit Schluss.

Seine Eltern waren bereits 1968 als Rentner in den Westen ausgewandert. Versuche von Crome, mit seiner Frau Ingrid und den zwei Kindern ebenfalls in den Westen auszureisen, blieben erfolglos. Nach dem Mauerfall erhielt die Familie am 10. Dezember 1989 überraschend eine polizeiliche Aufforderung der noch existierenden DDR, das Land binnen 24 Stunden zu verlassen. So landete die Familie in Damp, wo Verwandte sie empfingen.

Er fand Anstellung als Psychotherapeut, promovierte über ein Fernstudium 1994 in Sankt Gallen und kam mit Knut Kammholz in Kontakt. Dieser war seiner Zeit Pastor in der Damper Insel und suchte dringend einen Organisten. Crome sagte zu, war aber zugleich überrascht, dass die Kirche als Tor der Nordelbischen Kirche nur eine Hammondorgel hatte. Als die ausfiel, begleitete er Gottesdienste auf dem Klavier, "eine Zeit, die musikalisch nicht erfreulich war", so Crome. Und als das Klavier ausfiel und er sein eigenes Keyboard mitbrachte, war die Zeit reif für eine richtige Orgel. "Da hat sich Kammholz mächtig engagiert, und die Kirchenbesucher spendeten 70 000 Mark für eine richtige Orgel für die Insel." Im Sommer 1994 wurde die Orgel eingeweiht. Sechs Register und die Pedalen sorgen seitdem für eine angemessene Musik. Insgesamt begleitete Crome von 1960 bis heute 5893 Gottesdienste, 132 Taufen, 76 Trauungen und 63 Beerdigungen. Mit dem neuen Instrument wurde das musikalische Angebot erweitert. Es fanden Sommermusiken und Abendmusiken im Advent statt, und auch Passionsmusik wurde gespielt.

Zum Festgottesdienst erwarten Damps Pastor Volker Struve und Crome neben vielen Wegbegleitern auch die Vorgängerpastoren aus der "Insel". So haben Bischof im Ruhestand Hans-Christian Knuth, Propst im Ruhestand Knut Kammholz und Edzard Siemens ihre Teilnahme angekündigt. Versprechen musste Crome allerdings, dass er nicht an der Orgel sitzen wird. Dafür wird er aber bei den Auftritten des Kammerchores beteiligt sein, denn Crome singt seit 51 Jahren in verschiedenen Kantoreien.


 

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