DER INSELBOTE

 

Acht "Männer" in einem Segelboot

03. September 2010 | 03:45 Uhr | Von Antje Walther

Aus Erlebnissen lernen: Erlebnispädagoge Jochem Baas (links) und Klaus Kuhfuß Foto: dewanger

Flensburg. Die sechs Jungs räumen ihre Rucksäcke wieder aus: Die Butterbrote, Waffeln und Wasserflaschen werden wasserdicht in einen Kanister gesperrt, Regenjacken sorgsam gefaltet und in eine Tüte gepresst. Auch Gummistiefel füllen noch Stauraum im Bauch des Segelkutters "Rugard". Binnen weniger als zwei Stunden ist sie bereit für den großen Törn nach Gelting; und die vier Siebt- und Achtklässler von der Struensee-Gemeinschaftsschule aus Satrup sind es auch nach einer Stärkung.

"Gemeinschaft" und "Zusammenhalt" rufen die Knaben auf die Frage nach dem Sinn des Segeltörns mit zwei Übernachtungen im Tipi an Land. Richtig "Lust dazu" habe ihr Sohn, verraten die Eltern des zwölfjährigen Kevin.

"Dass ihnen so eine erlebnispädagogische Erfahrung gut tut", hofft Sonderschullehrerin Doris Wendelborn für ihre Schützlinge, die sie für das Vorhaben "Segeln gegen Gewalt" ausgewählt hat. Das Selbstbewusstsein der Kinder soll profitieren, und sie sollen "auf andere Art und Weise lernen, mit Frustration oder starken Herausforderungen umzugehen", erläutert die Lehrerin, die vor allem Hauptfächer wie Deutsch und Mathe und im Duo mit Regelschullehrern unterrichtet. In einem "unbeschwerten Rahmen" und "fernab von Leistungsanforderungen" könne das am geschmeidigsten gelingen. Die Verbindung zum Flensburger Förderverein gegen Jugendgewalt, zu einem der Partner im Projekt, beruht auf einem persönlichen Kontakt. Doch die Anmeldung sei ohnehin unkompliziert und "kurzfristig" möglich geworden, berichtet Doris Wendelborn.

Den Namen des Projekts hält Klaus Kuhfuß vom veranstaltenden Förderverein für irreführend und nicht sonderlich "werbewirksam", würde das Unterfangen lieber "Gewaltig segeln" nennen, korrigiert er lächelnd. Denn es richte sich an Jungen und Mädchen ab zehn, zwölf Jahren, die nicht zwingend bereits Gewalterfahrungen gemacht haben. Die Idee bestünde einfach darin, sehr früh und präventiv anzusetzen. Dass bei der zweiteiligen Premiere von "Segeln gegen Gewalt" allein Jungen mitsegeln, sei Zufall. Künftig werde man dafür sorgen, dass sowohl Mädchen als auch Jungen in einem Boot sitzen. Das Projekt unterliegt noch dem Feinschliff.

"Wir haben den Wunsch, dass wir angefragt werden", sagt der 62-jährige Volljurist aus der Nähe von Kiel. Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen seien die Adressaten, würden das Konzept auch wohlwollend annehmen. Dennoch gebe es noch freie Plätze für weitere Törns. Das Gute: Die Schulen zahlen nichts, sondern eine Stiftung finanziere das "Segeln gegen Gewalt", erklärt Klaus Kuhfuß.

Für den Anfang werden sie ein wenig kreuzen und Gegenwind für sich arbeiten lassen, kündigt Skipper Jochem Baas am Steg des Lüttfischerhafens an, kurz bevor die Satruper in See stechen. Der zweite Vorsitzende des Vereins "Sail Adventure" aus Sörup ist der andere Partner im Boot, der mit dem Flensburger Verein kooperiert im Projekt. Baas ist jugendliche 35 Jahre, stammt aus Rotterdam und hat unter anderem Philosophie studiert. Jahrelang sei er mit Passagierschiffen unterwegs gewesen, irgendwann "in die soziale Arbeit gerückt". Struktur müsse sein, betont Baas, aber "auf holländische Art", fügt er schmunzelnd hinzu und meint eine Spur Spontaneität. Den Geltinger Hafen etwa, der das Ziel am ersten Abend des Segeltörns mit den Satruper Jungs war, sei auch für ihn ein neuer Hafen und das hiesige Revier ein Fundus für Entdeckungen. "Man erfährt viel über sich selbst", sagt er auch. Für den Törn kündigt er ein anspruchsvolles Programm an, sowohl für die Zeit an Bord als auch an Land. Das Spektrum reiche vom Aufbauen des Lagers, übers Kochen bis hin zum Segeln natürlich. Die Aufgaben werden getauscht, "damit jeder alles sieht". Mit Schlichtheit überzeugt das Ziel: "Alles, was wichtig ist, um es warm, gemütlich und trocken zu haben", zählt der Naturbursche Baas lächelnd auf.

Der Törn bestehe zudem stets aus zwei Teilen, damit sich das Gelernte "verfestigen" könne. Vier im Jahr - gruppiert um die Sommerferien herum - planen die Projektveranstalter mit maximal zehn Jugendlichen und zwei Erwachsenen. "Erlebnispädagogik ist der angesagte Weg", versichert Jochem Baas und Segeln "nur ein Medium".

www.gegen-jugendgewalt.org

www.sailadventure.de


 

Leserkommentare

 
Zeitung zur Probe
Lust auf mehr? Den Schlei Boten jetzt
2 Wochen kostenlos testen.


Lokalausgabe wählen

 
 

FERIENMAGAZIN KAPPELN

Das Ferienmagazin für die Gäste in Kappeln, Angeln und Schwansen. Hier lesen 

 
 

SONDERTHEMEN

Hier finden Sie die aktuellen Sonderthemen aus Ihrer Tageszeitung

24.05.

 

22.05.

19.05.


Die aktuellen Sonderbeilagen der Tageszeitung

 

Was suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

Wen suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

 
HOCHSCHULE
Campus-Seite
Neues von den Hochschulen im Norden
 
HÄUFIG GELESEN

Drei Tote bei Verkehrsunfällen im Norden

Drei Menschen sind am Donnerstag bei Verkehrsunfällen in Hamburg und Schleswig-Holstein ums Leben ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ