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Elke Meyer aus Grödersby

Preisgekrönte Biografin vom Noor

17. Oktober 2011 | 04:50 Uhr | Von stk

Elke Meyer, das Grödersbyer Noor und "Der Duft von frischem Brot". Foto: Kahl

Elke Meyer aus Grödersby hat den Deutschen Biografiepreis 2011 erhalten / Künftig will sie anderen helfen, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben

Grödersby. Fast hätte Elke Meyer Louis van Gaal kennen gelernt. Genau wie der berühmte Fußballtrainer, genannt "Feierbiest" und zuletzt in München tätig, wurde die Grödersbyerin vom Biografiezentrum der Vereinigung deutschsprachiger Biografen mit dem Deutschen Biografiepreis 2011 ausgezeichnet. Im Gegensatz zu dem Niederländer war Meyer bei der Preisverleihung auch tatsächlich anwesend, bedankte sich in einer Rede für die Auszeichnung ihrer Biografie "Der Duft von frischem Brot" und nahm ein Exemplar von "Louis van Gaal - Leben und Visionen" mit an ihren neuen Wohnort Grödersby-Hof bei Arnis. Ein Geschenk von van Gaals Manager an Meyers Sohn.

Die zweifache Mutter erinnert sich gerne an die Zeremonie. "Das war ein toller, festlicher Rahmen, und die Auszeichnung hat mich sehr gefreut." Diese will sie selber nicht zu hoch hängen, mit dem Deutschen Buchpreis sei der nicht dotierte Preis nicht zu vergleichen. Aber er ist der krönende Abschluss ihrer Ausbildung zur Berufsbiografin an eben jenem Biografiezentrum. 18 Monate dauerten die regelmäßigen Wochenendkurse in Bad Sooden-Allendorf bei Kassel, in denen Lerneinheiten wie Stilistik des anschaulichen, anekdotischen Erzählens, Interviewführung und Marketing anstanden. "Ein tolle, lehrreiche Zeit", erinnert sich die studierte Literaturwissenschaftlerin und EDV-Fachfrau, die mit Partner und Kindern erst vor Kurzem dem Kreis Steinburg den Rücken kehrte.

Ähnlich einer Gesellenprüfung oder Masterarbeit ist die erste eigene Biografie eine Art praktische Reifeprüfung gewesen. Die leidenschaftliche Lyrikerin Meyer, die ihr erstes Gedicht mit fünf Jahren schrieb, hat diese nicht nur ausgezeichnet hinbekommen, sondern auch aus einem besonderen Grund genossen: "Ich habe das Leben meiner Mutter zu Papier gebracht. Unserer ohnehin engen Beziehung haben die regelmäßigen Gespräche nochmal richtig gut getan, und ich habe besonders viel von meiner Großmutter erfahren, was ich noch nicht über sie wusste - sie muss eine extrem interessante Person gewesen sein."

Zusammen mit Untertitel - "Ein ganz persönliches Sittengemälde" - deutet der Titel des Buches "Der Duft von frischem Brot" Meyers literarisches Vorgehen an: "Es geht darum, Erinnerungen lebendig zu machen. Zu beschreiben, wie es war, Omas Küche zu betreten, was man sinnlich wahrgenommen, also zum Beispiel gerochen, hat." Und der Begriff Sittengemälde verweist darauf, dass die persönliche Geschichte der Mutter in gesellschaftliche Zusammenhänge eingebettet ist. "Meine Mutter entstammt großbürgerlichen Verhältnissen. Ihr Vater hatte eine Großbäckerei und eine Brauerei." Das Leben in dieser Gesellschaftsschicht zu schildern, war Meyer ebenso wichtig wie die persönliche Geschichte ihrer Mutter.

Zwei derartige Handlungsebenen sind für Meyer eine Möglichkeit, eine Biografie zu verfasssen, aber kein Muss. "Als Biograf trifft man sich ja immer mit dem Menschen, der sein Leben schriftlich festgehalten sehen möchte, zu einem Vorgespräch

und klärt Ideen und Vorstellungen ab." Die Biografie könne daher auch in ganz unterschiedliche Richtungen gehen. "Nur Glorifizierungen, gerade von politischen Extremisten, würde ich ablehnen."

Ansonsten bietet die Biografin ihre Dienste künftig der Allgemeinheit an. Sie möchte den Menschen in Kappeln sowie der näheren und weiteren Umgebung dabei helfen, ihre ganz persönliche Lebensgeschichte niederzuschreiben. Und die eigene Biografie ist "trendy". Meyers Erklärung: "Zum einen haben viele Menschen, die heute alt sind, noch den Zweiten Weltkrieg erlebt. Dazu kommt die Generation des beginnenden Wohlstandes, Menschen, die im Vergleich zu früher im Alltag viel mehr erleben." Fernreisen, unterschiedliche Lebensorte und -etappen, letztlich auch der Trend zu mehr Individualismus führten dazu, der eigenen Geschichte eine größere Bedeutung beizumessen. "Eine Biografie bietet einfach eine tolle Möglichkeit, Bilanz zu ziehen", findet Meyer. "Wie war mein Verhältnis zu den Menschen, die mir wichtig sind ? Oder: Habe ich mir meine Wünsche erfüllt ? Das sind Fragen, die sich beim Verfassen einer Biografie stellen und beantworten lassen", weiß Meyer.


 

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