SCHLEI-BOTE
Gunhild Walter hat die Scheersberger Theaterarbeit "geprägt und gelebt"
Die verstorbene Theatermacherin Gunhild Walter hinterlässt auf dem Scheersberg eine große Lücke - auch in der Talentschmiede des von ihr gegründeten Studiospielkreises. Foto: hjk
Quern. "Theater spielen mit Menschen aus der ganzen Welt - das war mein größter Traum." Mit diesen Worten fasste Gunhild Walter einst ihre Eindrücke zusammen, als sie als 17-Jährige zum ersten Mal auf den Scheersberg kam und sofort vom Kultur-Bazillus angesteckt wurde. Mit ihrem plötzlichen Tod hinterlässt die langjährige Theatermacherin und Theaterpädagogin (sie wurde 54 Jahre alt) eine tiefe Lücke. Über 20 Jahre lang engagierte sie sich im Auftrag der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) "Spiel in Schleswig-Holstein" und der Internationalen Bildungsstätte Jugendhof Scheersberg für Kinder und Jugendliche in der Arbeit "auf den Brettern".
Studiert hatte Gunhild Walter unter anderem in Hannover, Berlin, Israel und Zürich, und nie versäumte sie während ihrer Ausbildungszeit mehrmals im Jahr auf "ihrem Hügel", in Schauspiel-Werkstätten Kraft für die eigene Theaterarbeit zu tanken. Alsbald avancierte Gunhild Walter, zu deren Vorbildern der Regisseur Peter Zadek gehörte, zur Dozentin, die einen eigenen unverwechselbaren Stil kreierte. Ihre in der Kindertheaterschule ausgebildeten Talente lernten vor allem, dass es auf der Bühne nicht darauf ankommt, mit auswendig gelernten Texten Rollen so zu übernehmen, wie es die Spielleitung anordnet. Improvisation, Körpersprache, das Agieren von innen heraus mit Gefühl und Seele - das waren "Gundis" Markenzeichen.
In den vergangenen Jahren widmete sie sich mit ihrem Scheersberger Spielstudio den Werken von Shakespeare und Wedekind und ging mit diesen Inszenierungen auf Tournee. "Ich liebe sie: die Arbeit und die Menschen", schrieb die Verstorbene 2011 in einer Dokumentation zum 50-jährigen Bestehen des Jugendhofs.
Bildungsstättenleiter Hartmut Piekatz würdigte das Werk der Künstlerin, bei der Arbeit und Privatleben eng verschmolzen gewesen seien. Engagement, Ideenreichtum und Kompetenz habe Gunhild Walter in ihren vielen Scheersberger Dozentenjahren gezeigt. "Sie hat die Theaterarbeit geprägt und gelebt." Alle ihre Weggefährten und Freunde wüssten, dass sie sich nun fragen müssen: "Was fehlt uns, und was bleibt erhalten ?" Die Scheersberger Theaterarbeit werde sich verändern, denn die entstandene Lücke sei nicht gänzlich zu schließen.
Tief betroffen äußerte sich auch der LAG-Vorsitzende Folke Witten. Er würdigte das Wirken der Verstorbenen: "Mit ihrer ganzen Kraft und Liebe begleitete und inspirierte Gunhild Walter junge Menschen, ihr eigenes Potenzial freizusetzen." Für die LAG habe sie Maßstäbe gesetzt.
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