SCHLEI-BOTE
Tisch für die Wasservögel wird gedeckt
Rieseby / Dörphof. "Hoch Dieter" hält Schwansen fest im Griff. Zweistellige Minustemperaturen haben die Gewässer mit dicken Eisschichten überzogen. Sehr zum Leid der Wasservögel. Besonders die Tiere, die auf freies Wasser zur Nahrungsaufnahme angewiesen sind, hätten es schwer, berichteten Karl-Christoph Jensen und Karl Plaumann vom Nabu-Ortsverein Nordschwansen-Kappeln. Gegen die größte Not helfe nur Füttern, so Plaumann, der eingeweichtes, unbedingt feuchtes Brot an die Schlei bringt.
Auch Frank Dreves aus Rieseby versucht, jeden Tag einmal an die Schlei zu fahren, um den Wasservögeln etwas zu bringen. Aber es werde immer schwieriger, da nur noch wenige Stellen offen und nicht zu gefroren seien. In den letzten Tagen war er in Weseby an der Steilküste und konnte dort schätzungsweise 100 Schwäne füttern. Die Stelle sei inzwischen aber vom Eis bedeckt, und die Schwäne seien abgewandert.
Jetzt fuhr Dreves an die Brücke Lindaunis. Dort hatten sich tausende von Vögeln versammelt. Zunächst wollte er auf der Stubber Seite seine zwei über Nacht eingeweichten Broteimer verfüttern. Der Zugang war jedoch recht schwer, so dass er auf die andere Seite wechselte. "Ich muss einfach helfen, die ganzen Vögel sollen nicht verhungern", sagt er und greift in die Eimer. Das nasse Brot fliegt auf das Eis, teilweise treibt es im Wasser. Die zunächst verschreckten Vögel kommen schnell näher, und picken nach dem Futter.
"Ich bin gerne in der Natur", erklärte Dreves. Er stehe in Kontakt zum Naturschutzbund (Nabu), um so zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten zu füttern. Das alte Brot holt er sich für wenig Geld bei seinem Bäcker. Wenn noch mehr Bürger die gute Sache unterstützten, kämen die Vögel besser durch den Frost, hofft Dreves. Er ist jedes Mal beeindruckt, wenn er so viele verschiedene Tiere beisammen sieht, sagt er. Die Tage vorher sah er schon Mandarinenten und einen Fischadler, der über das Eis schwebte. Den Adler hatte auch Hobbyornithologe Walter Marquardsen gesehen, der mit seinem Fernglas die Vögel beobachtete. Als besondere Gäste konnte er Tafel-, Pfeif- und Schellenten erkennen, außerdem Gänsesäger.
Und auch Plaumann und Angela Gries (Nabu-Vostandsmitglied) waren wieder unterwegs, um an drei Stellen an der Schlei die Wasservögel mit Futter zu versorgen. So waren sie in Sundsacker, in Kopperby und in Kappeln. Zum Einsatz kam bei ihnen auch eingeweichtes Futtergetreide, dass ins offene Wasser geworfen wurde. Das habe den Vorteil, dass es auf den nicht zu tiefen Grund absinke und so für Möwen nicht erreichbar sei. Entenvögel würden es tauchend erreichen. Möwen würden durch die Fütterungen natürlich auch angelockt. Sie würden als Raubvögel aber noch genug Futter finden, so Jensen. Ein weiterer Vorteil des Futtergetreides sei, dass es auch kleine Fische anlocke. Diese wiederum wären dann Nahrung für andere Wasservögel, erklärte Plaumann. Damit sie und weitere ehrenamtliche Helfer in Maasholm und Grödersby weiter füttern können, bitten sie um Spenden für die Winterfütterung auf das Konto Nummer 62 777 508, Bankleitzahl 200 300 00 bei der HypoVereinsbank Kappeln.
Hilfe bräuchten auch die Singvögel in den Gärten. Die Kälte sei dabei nicht das Problem, erklärte Jensen. Es sei der Futtermangel, der sie gefährde. Sie würden in dichten Gebüschen und Astwerk Schutz suchen. Wenn sie ausreichend Nahrung, besonders auch fetthaltige bekämen, könnten sie die Kälte lange ertragen. Sie sollten mit Streufutter und mit Meisenknödeln gefüttert werden. Diese könnten auch recht leicht selbst hergestellt werden, erklärte Jensen. Man fülle einen Blumentopf mit Streufutter und lasse flüssiges Fett, beispielsweise Rindertalk, hineinlaufen und erkalten, erklärte er. Für Amseln und Drosseln könne man auch gut aufgeschnittene Äpfel auslegen. Zur Begründung für die Fütterung der Teire Meinte Jensen: "Das ist zurzeit echt extrem kalt", zudem sei es problematisch, dass die Minustemperaturen so lange anhielten.
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