SCHLEI-BOTE

 

90 Minuten Konzentration

20. April 2010 | 06:45 Uhr | Von ger

"Weil die Ordnung dieser Welt auch einmal auf den Kopf gestellt wird", wird der berüchtigte Räuber Knasterbax mit dem fleißigen Polizisten Siebenschütz verwechselt. So stiehlt der Bösewicht dem Ordnungshüter einfach seine Kleider und die Tragödie nimmt ihren Lauf . . .

Kinder der Rüm-Hart-Schule hatten seit den Weihnachtsferien mindestens einmal wöchentlich geprobt, um das Musical "Knasterbax und Siebenschütz" nach den Autoren Werner Schrader und Heinz Lemmermann auf die Bühne zu bringen. Unter der Anleitung von Susanne Weißbach, Miriam Flämig, Rita Hinrichsen sowie Iris und Fabian Stamer waren mehr als 50 junge Akteure angetreten, um zu singen und zu schauspielern, was dann auch dem gesamten Ensemble hervorragend gelang.

Dabei verlangte die Aufführung von den Grundschülern stramme 90 Minuten lang volle Konzentration und immer den richtigen Einsatz. "Wir legen besonderen Wert darauf", so Weißbach, "dass alle Klassenjahrgänge sowie einige Integrationskinder vertreten sind." Die Rollen von Räuber und Polizist seien dabei so umfangreich gewesen, dass sich jeweils drei Kinder diese teilten und dennoch reichlich Text für jeden Einzelnen zu lernen blieb.

Mit finanzieller und ideeller Unterstützung des Schul-Fördervereins "durften" Gut und Böse ihre Rollen tauschen, die Erfahrung des anderen machen und feststellen, dass "Kleider Leute machen" und viele Menschen einfach nur auf Äußerlichkeiten achten.

Der arme Knasterbax - ob in Polizeiuniform oder zerschlissener Räuberhose - ist des Deutschen einfach nicht mächtig ("Dann musst du sein richtiges Unmensch.") und hat auch eine unkonventionelle Auffassung von Recht und Unrecht. Aber seine geklaute Uniform scheint seine Makel zu kaschieren, auch wenn manch ein Bürger etwas verwundert ist.

Nun ist aber das Dasein als Polizist gar nicht so einfach wie es zunächst erscheint, so dass Knasterbax den Kleidungswechsel rückgängig macht. Siebenschütz, kurz vor dem Verhungern, ist deswegen überhaupt nicht böse und als er noch die Lorbeeren für einen von Knasterbax "eingebuchteten" Bankräuber erntet, fällt ihm eine Versöhnung mit seinem früheren Feind nur allzu leicht.

Tosender Applaus belohnte die Sänger und Schauspieler, so dass erst nach einer Gesangszugabe der letzte Vorhang in der Gymnastikhalle fallen durfte.

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