SCHLEI-BOTE
Ende einer Hausboot-Odyssee
Das schwimmende Ferienhaus ist 15 Meter lang und 7,30 Meter breit. Im Bebauungsplan für das Gebiet rund um den Schleswiger Wikingturm sind Hausboote ausdrücklich zugelassen. Foto: oJe
Schleswig. "Es ist eine Tortur", sagt Edgar Asmussen, Inhaber eines Holzbau-Unternehmens aus Handewitt. Im Jahr 2005 baute er ein schwimmendes Ferienhaus für einen dänischen Auftraggeber. Der nahm es dann nicht ab, denn die Stadt Sonderburg verwehrte ihm den erhofften Liegeplatz. Seither ist Asmussen mit seinem Hausboot auf der Flucht. Seit vergangenem Wochenende liegt es am Fuße des Schleswiger Wikingturms - gut sichtbar von der Bundesstraße 76 aus.
Im Schleswiger Wiking-Yachthafen könnte die siebenjährige Odyssee nun ein Ende haben. So ganz daran glauben mag Asmussen noch nicht - nach allem, was ihm widerfahren ist. Erst plante er eine ganze Hausboot-Kolonie in der Geltinger Bucht. Das Vorhaben wurde nach Protesten von Umweltverbänden gestoppt. Danach lag das Boot eine Weile im Flensburger Hafen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Flensburger Tourismus-Fördergesellschaft (FFT) unterstützen Asmussens Idee, mit Hausbooten den Tourismus an der Förde anzukurbeln. Die Stadt Flensburg jedoch versagte die erforderliche Genehmigung. Begründung: Für Ferienwohnungen sollten alle Potenziale an Land ausgeschöpft werden.
Asmussen ließ sein 15 Tonnen schweres und geschätzte 150 000 Euro teures Sorgenkind über die Ostsee in die Schlei hinein schleppen. Im Yachthafen von Kappeln-Kopperby gewährte man ihm Asyl. Erst lag das Hausboot direkt im Hafen, später etwas abseits in einer kleinen Bucht. Einen Sommer lang vermietete Asmussen sein Boot an Urlauber. Die Bauaufsicht des Kreises Schleswig-Flensburg duldete es - aber nicht lange. Es fehle an den rechtlichen Voraussetzungen für Hausboote, hieß es. Auch im Kappelner Rathaus, sagt Asmussen, habe er keine Unterstützung gefunden, diese rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Das Hausboot musste wieder weg. Das war Anfang 2010. Zunächst konnte Asmussen es ganz in der Nähe unterbringen - im früheren Marinehafen von Olpenitz. Dort lag das Boot ungenutzt. An Touristen vermieten durfte er es nicht. In den Wirren der Insolvenz der Port Olpenitz GmbH sah Asmussen sich schließlich gezwungen, wieder umzuziehen. Diesmal nach Damp. Der dortige Hafenmeister empfing ihn mit offenen Armen. Aber auch hier machte ihm bald die Gemeinde einen Strich durch die Rechnung.
Nun also Schleswig. Hier ist die Rechtslage anders als in allen anderen Kommunen weit und breit. Die Ratsversammlung hat schon vor zwei Jahren einen Bebauungsplan beschlossen, der Hausboote am Wikingturm ausdrücklich zulässt. Hafenbetreiber Frank Sörensen möchte an der Ostmole Platz für zehn dieser Wohnungen auf dem Wasser schaffen. Im Frühjahr soll die Vermarktung losgehen.
Noch liegt Asmussens Boot an einem provisorischen Platz direkt am Festland. Demnächst soll es umziehen an die Mole - dort wo es gemäß Bebauungsplan hingehört. Wahrscheinlich wird es dann wieder an Touristen vermietet. Genau festlegen möchte Asmussen sich da noch nicht.
Übrigens ist sein Hausboot nicht das einzige auf der Schlei, das Stress mit Behörden hat. Ein weiteres wurde vor zwei Jahren in Schleswig am Ufer der Freiheit gebaut. Es liegt jetzt vor Stubbe, ganz in der Nähe der Klappbrücke von Lindaunis. Der Kreis Rendsburg-Eckernförde hat den Eigentümer aufgefordert, es zu entfernen. Die Angelegenheit wird derzeit vor dem Schleswiger Verwaltungsgericht ausgefochten.
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