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Eutiner Aufklärer zum fünften Mal in Afghanistan

"Wir müssen ein Machtvakuum vermeiden"

16. Februar 2012 | 06:35 Uhr | Von Achim Krauskopf


Der Panzerspähwagen  "Fennek", hier bei einer Fahrt in der Stadt  Imam Sahib nördlich von Kundus, ist das typische Fahrzeug für die Aufklärer. Foto: Krauskopf

Der Panzerspähwagen "Fennek", hier bei einer Fahrt in der Stadt Imam Sahib nördlich von Kundus, ist das typische Fahrzeug für die Aufklärer. Foto: Krauskopf

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Oberstleutnant Richard Stetten bricht zum dritten Mal an den Hindukusch auf. Der OHA sprach mit ihm über den Sinn des Einsatzes und seine Erwartungen.

Eutin. 62 Soldaten aus Eutin haben bereits eine gefährliche Mission in Afghanistan angetreten. Morgen wird der Kommandeur des Aufklärungsbataillons 6 "Holstein", Oberstleutnant Richard Stetten, ebenfalls an den Hindukusch fliegen. Sieben Monate lang soll er dem Stab des Regionalkommandos in Masar-E Sharif angehören. Dort wird er für Aufklärung und Nachrichten-Gewinnung der Internationalen Schutztruppen (Isaf) in Nordafghanistan zuständig sein. In dieser Zeit übernimmt sein Stellvertreter, Major Christoph von Freymann, das Kommando in der Rettberg-Kaserne.

Für Stetten wird es der dritte Afghanistan-Einsatz, 2008 und 2009 war er schon im "Camp Marmal", dem größten ausländischen Bundeswehrstützpunkt. "Der Norden Afghanistans ist mir wohl bekannt", sagt der 40-jährige Generalstabsoffizier, der im Mai vergangenen Jahres das Kommando über das 650 Mann starke Eutiner Bataillon übernommen hatte.

Stetten: "Kein sinnloser Auftrag"

Stetten ist sicher, dass es kein sinnloser Auftrag ist, den Soldaten aus mehr als 40 Nationen in Afghanistan seit nunmehr zehn Jahren erfüllen. Was hält er von der pessimistischen Einschätzung, dass die Taliban an die Macht zurückkehren werden, wenn der Abzug der internationalen Truppen vollzogen ist?

Es werde darauf ankommen, genug afghanische Sicherheitskräfte aufzustellen und auszubilden, damit es nach dem Truppenabzug zu keinem Machtvakuum komme, das die Taliban nutzen könnten. Beim Aufbau von Polizei und der Afghanischen nationalen Armee (Ana) gebe es deutliche Fortschritte. "Es gibt Ana-Einheiten, die einen internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchen." Aber das Ziel, dass einheimische Kräfte überall die Verantwortung für die Sicherheit übernehmen, sei nicht erreicht.

"Afghanische Sicherheitskräfte früher in die Pflicht nehmen müssen"

Was hat die internationale Staatengemeinschaft beim Aufbau des Landes, das von Krieg, Bürgerkrieg und einem Terrorregime der Taliban zerstört worden ist, falsch gemacht?

Stetten: "Ich würde nicht sagen, dass wir etwas falsch gemacht haben, sondern was wir hätten anders machen sollen. Nach meiner Einschätzung hätte man früher beginnen müssen, die afghanischen Sicherheitskräfte in die Pflicht zu nehmen und einzubinden, so wie es jetzt geschieht."

Übergabe der Verantwortung Schritt für Schritt

Die Übergabe der Verantwortung für Städte und Regionen, wie es zum Beispiel in der Region Feisabad oder in der Stadt Masar-E Sharif bereits geschehen sei, müsse weiter Schritt für Schritt vollzogen werden, bis die Internationalen Schutztruppen nur noch in der zweiten Reihe zur Unterstützung von Ana und afghanischer Polizei gebraucht würden.

Wie lange dieser Prozess dauern könnte, mag auch Stetten nicht vorhersagen, ebenso wenig, wann der letzte deutsche Soldat aus Afghanistan abreisen wird. Stetten ist sicher: "Selbst nach dem Abzug der Truppen wird es noch ausländische Militär-Berater und Entwicklungshelfer geben, die im Land bleiben." Klar ist für den ranghöchsten Offizier des Eutiner Bataillons, dass die vor zehn Jahren übernommene Aufgabe am Hindukusch auch zu Ende geführt werden muss. Das sei man den Afghanen schuldig, die seit mehr als 30 Jahren einen Überlebenskampf führten. "Und wie die Menschen das ertragen und nicht aufgeben, verdient allerhöchsten Respekt."

Die Herstellung von stabilen Verhältnissen in dem zentralasiatischen Staat sei man aber auch vielen politisch engagierten Menschen schuldig, die an dem Aufbau eines modernen Afghanistan mitwirkten. Stetten: "Ich denke an die Frauen, die sich für die Rechte der Frauen stark machen. Oder an die Menschen, die als Entwicklungshelfer arbeiten und dabei auch mit den ausländischen Kräften zusammen gearbeitet haben. Oder die vielen Menschen, die sich für den Wiederaufbau eines Schulsystems engagiert haben. Die alle dürfen wir nicht den Taliban ausliefern."




 
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