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Malente
Ringen um Fachkräfte
Der Gesprächskreis lieferte Kristin Alheit und Bettina Hagedorn (von rechts) viele Anregungen. Foto: emm
Malente. Fehlendes Fachpersonal, familienunfreundliche Arbeitszeiten und schlechte Bezahlung: Mit den Arbeitsbedingungen in Kranken- und Pflegeeinrichtungen ist es schlecht bestellt. In der Mühlenberg-Klinik widmeten sich nun an einem runden Tisch zum Thema "Fachkräftemangel in Pflege- und Gesundheitsberufen" zwei SPD-Politikerinnen dem Thema: Sozialministerin Kristin Alheit und die ostholsteinische Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn.
"Wir stehen vor einer Reform und müssen neue Ansätze finden", betonte Kristin Alheit und erhoffte sich Ideen und Anregungen zur Verbesserung der Misere. Der Kreis Ostholstein sei im Land zwar der Gesundheitsstandort Nummer eins, verbuche aber bundesweit die größte Bevölkerungsalterung, kommentierte Bettina Hagedorn. Daher sei der Fachkräftemangel in Pflege- und Gesundheitsberufen längst angekommen. Entsprechend sei die "Geiz-ist-geil-Mentalität" in der Pflege fehl am Platz.
"Der Beruf der Altenpflege muss viel attraktiver sein"
Das unterstrichen die 25 Teilnehmer nachhaltig. "Der Beruf der Altenpflege muss viel attraktiver sein", forderte Dannaus ehrenamtlicher Bürgermeister Roland Feichtner, der selbst in der Altenpflege tätig ist. Die Politik müsse mehr Rückgrat zeigen, um höhere Einzahlungen in die Pflegekasse durchzusetzen. Es sei keine Seltenheit, dass eine Station mit 100 Bewohnern nachts nur von zwei Mitarbeitern betreut werde. Bestätigung erhielt er von Assunda Odebrecht, Pflegedienstleiterin einer Senioren-Residenz im Nordkreis: "Wir würden gern mehr ausbilden, kratzen aber an der notwendigen 50-Prozent-Marke." Familienfreundlichere Arbeitszeiten, Werbeaktionen in Schulen und mit der Arbeitsagentur, um neue Kräfte zu akquirieren, hätten keinen Erfolg gebracht.
Und noch ein Problem kommt hinzu: Der Beruf der Altenpflege werde vorrangig von Frauen ausgeübt, beklagte Hagedorn. Damit gingen der Branche rund 50 Prozent an Fachkräften verloren. Der Grund: Männer können von den geringen Gehältern keine Familie ernähren. An Qualifizierungen oder gar Zusatzausbildungen sei aufgrund der hohen Ausbildungskosten gar nicht erst zu denken.
Derzeitige Berufe seien "Sackgassenberufe"
Die Einschränkung der Ausbildung auf jeweils einzelne Branchenbereiche sei nicht mehr zeitgemäß, kritisierte Thomas Hüstreich, Geschäftsführer vom Therapiezentrum A.K.-tiv in Eutin. Er bezeichnete die derzeitigen Berufe als "Sackgassenberufe". "Wir müssen jeden mitnehmen und die Schnittstelle Pflege und Gesundheit ändern", forderte Hüstreich. Eine durchgängige Ausbildung der Gesundheitsberufe in Modulen, aus der ohne Zeitverlust Fachkräfte vom Physiotherapeuten bis zum Arzt hervorgingen, müsse das Ziel sein.
"Um gute Rahmenbedingungen zu schaffen, gibt es noch einiges zu tun", resümierte Kristin Alheit nach dem anderthalbstündigen Austausch. Bei dem einen Gesprächskreis werde es nicht bleiben, sagte Bettina Hagedorn. Es werde eine Fortsetzung geben, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
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