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Mit 63 in die USA - für immer
Da geht’s hin: Gabriele und Ernst Otto Schmale zeigen im Atlas ihren neuen Heimatort: Houston, Texas. Foto: Schröder
Malente. Es ist eine Leistung, die den einen oder anderen Amerika-Fan neidisch machen dürfte. Jeden der 50 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten haben Gabriele und Ernst Otto Schmale bereits gesehen, auch wenn sie in manchem nur auf der Durchreise waren. "Wir dachten, wir kommen nie wieder dahin", begründet Gabriele Schmale die rege Reisetätigkeit. Insgesamt sechs Jahre lebte das Malenter Paar in den USA. Ernst Otto Schmale, wie seine Frau 63 Jahre alt, absolvierte von 1971 bis 1973 im texanischen Wichita Falls als Bundeswehrsoldat seine Ausbildung zum Jet-Piloten, flog den berüchtigten Starfighter ebenso wie das Nachfolge-Modell Phantom. Von 1989 bis 1993 bildete der ehemalige Luftwaffen-Offizier in Wichita Falls dann selbst Jet-Piloten aus.
Danach ließ sich das Paar in Malente nieder. Sie eröffnete eine Kosmetikpraxis, er machte an der Fachhochschule einen Abschluss als Diplom-Ingenieur für Umwelt- und Hygienetechnik und stieg für die Grünen in die Kommunalpolitik ein. Die Annahme, nie wieder die Gelegenheit zu ausführlichen USA-Trips zu bekommen, dürfte sich allerdings als Irrtum herausstellen. Denn die seit über 40 Jahren verheirateten Eheleute haben im November vergangenen Jahres einen Entschluss gefasst. Sie werden in die USA auswandern. Im Mai soll es soweit sein. Ziel ist Manvel, ein Vorort von Houston, Texas. Die Sohle des neuen Hauses in der Southfork-Siedlung, benannt nach der Fernseh-Serie Dallas, ist schon gegossen.
Die Stadt am Golf von
Mexiko ist zwar auch für
ihre Flugtechnikindustrie bekannt, der Grund für den Umzug in die Millionen-Metropole ist aber ein familärer: Hier lebt der 40-jährige Sohn des Paares, der als gebürtiger US-Amerikaner nach dem zweiten Aufenthalt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gleich dort blieb. Er ist mit einer gebürtigen Vietnamesin verheiratet und arbeitet als Bundesbeamter für das Justizministerium. Das Paar hat zwei Kinder im Alter von 4 und 8 Jahren.
"Ich möchte gerne unsere Enkelsöhne aufwachsen sehen", erklärt Gabriele Schmale. Die Voraussetzungen dafür sind optimal. Von ihrem künftigen Häuschen aus werden sie ihre Enkelkinder zu Fuß erreichen können. Da ihr Sohn US-Amerikaner ist, spielt auch der amerikanische Staat mit: "Wir beantragen eine dauerhafte Familienzusammenführung", erklärt Ernst Otto Schmale. Das koste umgerechnet 1500 Euro Gebühren, dann sei das lediglich ein Verwaltungsakt.
Ganz leicht fiel die Entscheidung auszuwandern nicht, räumt Schmale ein: "Das ist uns schon schwergefallen. Hier weiß man, was man hat." Die größte Umstellung werde die Gesundheitsversorgung sein. "Da drüben werde ich mir keine zusätzliche Versorgung leisten können", sagt der gebürtige Hamelner, der nicht nur zwei Schwestern, sondern auch seinen Vater in Deutschland zurücklässt. Sie könnten die Entscheidung aber "zumindest nachvollziehen". Auch Gabriele Schmale lässt eine Schwester zurück - schweren Herzens: "Das tat schon weh. Man hinterlässt auch Traurigkeit", sagt die gebürtige Lübeckerin. Zur Silberhochzeit ihrer Schwester im Jahr 2015 müsse sie aber auf jeden Fall nach Deutschland kommen, das habe sie versprechen müssen.
Der Umzug ist zwar noch eine Weile hin. Dennoch sind die Schmales bereits seit Wochen damit beschäftigt, auszusortieren. Ernst Otto Schmale kämpft sich durch ein lange Reihe von Aktenordnern und durchforstet sie nach Unterlagen, die künftig noch wichtig sein könnten. Das Haus soll verkauft werden. Im März wollen die beiden einen Flohmarkt veranstalten und alles, was sie nicht mehr benötigen, verkaufen. Immerhin: Einige Elektrogeräte wird er wohl mitnehmen können. Dafür lasse er sich extra einen 220-Volt-Anschluss in die Garage legen, berichtet Schmale, auch wenn der Wechselstrom dort eine andere Frequenz habe. "Dann läuft die Bohrmaschine etwas langsamer."
Bedauern dürften den Weggang Schmales Parteifreunde. Immerhin mischt er nicht nur in der Malenter Gemeindevertretung mit, sondern ist seit 2008 auch Mitglied des Kreistags. "Jetzt muss sich jemand anderes um die Nachmittagstermine kümmern", sagte Schmale, der im politischen Diskurs gern eine klare Sprache pflegte. Diplomatie sei seine Sache nicht gewesen, gibt Schmale unumwunden zu. Und auch zu seinem Abschied aus der Kommunalpolitik nimmt er keine Rücksicht auf mögliche Empfindlichkeiten älterer Kommunalpolitiker: "Damals habe er sich über die ,alten Säcke’ in der Kommunalpolitik beschwert - jetzt bin ich selber einer", sagt Schmale. Deswegen habe er sein Engagement ohnehin zurückfahren wollen.
Ausgerechnet Texas, in dem das meiste Öl in den USA gefördert wird, erscheint nicht gerade optimal für einen Grünen-Politiker. In seiner neuen Heimat wolle er vielleicht im Kleinen versuchen, den grünen Gedanken einzuführen, sagt Schmale. Aber überstürzen will er das nicht. Obwohl es ihn schon wundert, dass es dort angesichts intensiven Sonnenscheins keine Solaranlagen auf den Dächern gibt.
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