OSTHOLSTEINER ANZEIGER
Bäderregelung
Entsetzen: Im Binnenland kein Sonntagseinkauf mehr?
Eutin / Malente / Plön. Blankes Entsetzen haben Pläne in Kiel ausgelöst, dass Orte im Binnenland aus der Bäderregelung herausgenommen werden könnten. Dann dürften Geschäfte in Eutin, Malente und Plön nicht mehr sonntags öffnen.
Die Region "Holsteinische Schweiz" würde von dieser Ungleichbehandlung massiv negativ betroffen, warnt Caroline Backmann von der Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz. Der Tourismus sei wichtigster Wirtschaftsfaktor in der Region mit 200 Millionen Euro Wertschöpfung und 9000 Arbeitsplätzen. Fast 12 Millionen Tagesgäste seien 2010 gezählt worden, die 100 Millionen Euro ausgegeben hätten und gerne Sonntagsausflüge mit Einkäufen verknüpften. Würden die in Kiel angestellten Überlegungen wahr, würden sich diese Besucherströme vollständig in einige wenige privilegierte Gemeinden verlagern.
Für Malente wäre eine solche Regelung katastrophal
Und es würden Gemeinden bestraft, die viel in den Tourismus investiert hätten. Malente habe in den vergangenen Jahren mit der Neugestaltung der Seepromenade und dem Umbau des Kurparks viel Geld in eine ganzjährig ausgerichtete Tourismusinfrastruktur gesteckt. Für Malente als ganzjährig ausgerichteter Gesundheits- und Sportstandort wäre eine solche Regelung katastrophal. Bürgermeister Michael Koch: "Seit mehr als zehn Jahren investiert die Gemeinde trotz prekärer Haushaltslage in eine wie vom Land geforderte zielgruppenkonforme, ganzjährig nutzbare touristische Infrastruktur. Ein Herausfallen aus der Bäderregelung würde sämtliche Bemühungen ad absurdum führen."
Eutins Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz teilt das Entsetzen: "Eutin wird bis zur Landesgartenschau 2016 enorme finanzielle Anstrengungen unternehmen, um für das Gartenschaujahr und natürlich darüber hinaus eine attraktive Innenstadt für Einheimische, Tages- und Urlaubsgäste zu entwickeln. Öffentliche Investitionen in touristische Infrastruktur lohnen sich nur dann, wenn auch private Investitionen folgen und vor allem über Steuereinnahmen langfristig die kommunalen Haushalte entlastet werden."
Plön will kerntouristische Bereiche modernisieren, ein Schwerpunkt ist die Verknüpfung des Strandweges mit der Innenstadt und somit dem Einzelhandel. Bürgermeister Jens Paustian erbost: "Wir wehren uns dagegen, dass die Einkaufsströme an die Küsten fließen und bei uns in der Holsteinischen Schweiz ,nur' geradelt, gewandert und gepaddelt werden soll. Nur die Verknüpfung von Aktivitäten, Gastronomie und Einzelhandel ist gerade für die Tagesausflügler attraktiv." Die Kommunen wollen schriftlich beim Wirtschaftsminister gegen ein "Abschieben in die unterste Liga" protestieren.
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