OSTHOLSTEINER ANZEIGER
Seniorenheim in Malente
Bruchlandung mit Haus Immenhof
Malente. Er war mit hochfliegenden Plänen gestartet. Vor knapp zwei Jahren pachtete Hans-Joachim Engel den Gebäudekomplex an der Hinrich-Wrage-Straße mit rund 150 Appartements von der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. Von "betreutem Wohnen" und Kurzzeitpflege war die Rede, später wollte Engel gar Plätze für Wachkomapatienten und Wohngruppen für Demenzkranke anbieten. Geworden ist aus all den Plänen so gut wie nichts.
Stattdessen legte der aus Uelzen stammende Geschäftsmann, der seinen Sohn Lars als Geschäftsführer eingesetzt hatte, eine Bruchlandung hin. Am Dienstag übergab Engel der Stiftung Alsterdorf die Schlüssel für die Einrichtung. Diese hatte das Pachtverhältnis bereits zum 31. Dezember gekündigt, weil Engel die vereinbarten Zahlungen nicht leistete, bestätigte Güde Lassen, Bereichsleiterin Kommunikation und Marketing, auf Anfrage des Ostholsteiner Anzeigers.
Heizungsprobleme seit Mitte Januar
Damit nicht genug: Engel ist offenbar nicht nur Teile der Pacht schuldig geblieben, sondern hinterlässt auch völlig frustrierte Bewohner und Angestellte, die auf ihren Lohn warten. Zu den Bewohnerinnen zählt Andrea Bahr. Die Krankenschwester hat für sich und ihre schulpflichtige Tochter seit August ein Zwei- und ein Ein-Zimmer-Appartement angemietet. Doch die Freude währte nicht lang. "Mitte Januar fingen die Heizungsprobleme an", berichtet die 38-Jährige. Seitdem habe die Heizung kaum noch funktioniert, auch warmes Wasser habe es nicht mehr gegeben.
Andrea Bahr behalf sich mit einer Elektroheizung und einem Heizungslüfter, um wenigstens einzelne Räume warm zu bekommen. Allen Ankündigungen des Vermieters zum Trotz sei die Heizung nicht in Gang gekommen - schließlich sei er gar nicht mehr zu erreichen gewesen. Ähnlich erging es Jan-Niklas Delfs. Er sei am 24. Januar eingezogen, erklärte der 25-Jährige. "Seitdem ich hier wohne, geht nur die Heizung im Bad."
Kein warmes Wasser - und kein Lohn
Noch ärger erwischte es Monika Helwig (28) und Uwe Bonath (32). Engel habe sie als Hausmeister und Hausdame angestellt, berichten sie. Zwei Monate hätten sie auch gearbeitet, nur Lohn hätten sie nicht bekommen. Sogar die Bezahlung des Führerscheins habe Engel ihm versprochen, berichtet Bonath. Stattdessen quälte sich auch das Paar mit Heizungsproblemen: "Seit 1. Dezember haben wir kein warmes Wasser", sagt Bonath. Hans-Joachim Engel zieht es unterdessen vor zu schweigen. Er lehnte eine Stellungnahme zu den Vorgängen im Immenhof ab.
Die Bewohner setzen ihre Hoffnungen nun auf die Stiftung Alsterdorf und scheint dabei auch ein offenes Ohr zu finden. "Wir wollen hier natürlich für die Menschen etwas tun, die nichts dafür können, dass der Vermieter so agiert hat", erklärte Sven Fuhge, Leiter der Immobilienverwaltung der Stiftung, der am Dienstag selbst vor Ort war.
Stiftung will neue Bleiben für Mieter suchen
Zunächst bemühe man sich, die Heizung in allen vermieteten Wohnungen wieder in Gang zu bekommen. "Die Reparatur wurde bereits beauftragt, und zudem wurde auch der ehemalige Hausmeister 'reaktiviert'", erklärte Güde Lassen. Er solle das Gebäude überwachen und für eine Betriebssicherheit sorgen. Mittelfristig will die Stiftung neue Bleiben für die Bewohner suchen, kündigte Fuhge an. Derzeit gebe es elf Mietverträge.
Um einen Mieter braucht sich die Stiftung nicht mehr zu kümmern: Paul Schomann. Der 94-Jährige zog im Dezember 2011 in den Immenhof. Damals habe Engel ihn zu einer Entscheidung gedrängt: "Ziehen Sie schnell ein, die Leute stehen Schlange", erinnert sich Schomann, der auch sonst nicht gut auf Engel zu sprechen ist: "Ich bin betrogen worden von vorne bis hinten", sagt er. Immerhin hat er eine neue Bleibe: Er werde im März in ein Heim der Caritas ziehen.
Dass Engel seine angekündigten Pläne nicht verwirklichen konnte, überrascht nicht unbedingt. Schließlich hatte die Evangelische Stadtmission Kiel, eine Tochter der Stiftung Alsterdorf, das 1957 gebaute Seniorenheim im Jahr 2010 geschlossen, weil es nicht mehr rentabel zu betreiben war. Allein die Kosten für eine energetische Sanierung bezifferte die Stiftung damals auf 7,5 Millionen Euro.
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