OSTHOLSTEINER ANZEIGER
Eine große Werbestunde für den Standort
Kompaniechef Björn T. (Mitte) und Kommandeur Matthias Henkelmann stimmen den Minister auf eine Vorführung ein.
Eutin. Viel besser konnte es kaum laufen: Das Wetter war gut, Kommandeur und Soldaten machten selbstbewusst Werbung für "ihren" Standort, und ein großes Aufgebot von Landes- und Bundespolitikern einschließlich des Ministerpräsidenten sowie von Bürgermeistern der Patengemeinden zeigte Präsenz. Es war keine Überraschung, dass der Bundesminister für Verteidigung, Karl-Theodor zu Guttenberg, als Fazit seines Besuches in der Eutiner Rettberg-Kaserne überaus freundliche Worte sprach. Natürlich traf er keine einzige Aussage zur Zukunft des Standortes. Aber er machte Andeutungen, die in Eutin gerne gehört wurden: Es sei eine professionelle Einheit, er habe hoch motivierte Soldaten kennen gelernt. Und mehrfach betont der Minister, er sei beeindruckt von dem Rückhalt, den die Eutiner Soldaten hier in der Bevölkerung fänden.
Das sei auch ein Standortfaktor: Dass Soldaten, die häufig im Ausland schwierige Missionen erledigten, einen Raum zur Erholung fänden.
Probleme, die es in Eutin gibt, wurden gestern weitgehend ausgeklammert. Die Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn (SPD) wagte es, den Minister auf den Baustopp für die Sanierung von drei Unterkunftsgebäuden anzusprechen, die bereits geräumt sind. Die 5. Kompanie hat sogar den Standort verlassen, ist in der Hoffnung auf einen schnellen Baufortschritt nach Alt-Duvenstedt ausgezogen.
Die Reaktion des Ministers auf den Hinweis Hagedorns: "Er hat mich freundlich angelächelt, aber nichts gesagt," berichtet sie. Dabei könne der Minister eine Einzelfall-Entscheidung treffen, schimpft Hagedorn, hier in Eutin bedeute der Baustopp den Verlust von Geld.
Was der Kommandeur, Oberstleutnant Matthias Henkelmann, dem Minister in einem zehnminütigen Vier-Augen-Gespräch kurz nach der Ankunft gesagt hat, bleibt geheim. Aber bei einem Lagevortrag im Casino in Anwesenheit von Politikern, Bürgermeistern und Journalisten fasst Henkelmann deutlich zusammen, was die Aufklärer zu einer besonderen Einheit mache: Professionalität, Verwurzelung in der Region und Korpsgeist.
Das Bataillon habe eine "unglaubliche Einsatzerfahrung", beschreibt Henkelmann, und die Anteilnahme der Bevölkerung an den Aufgaben des Bataillons in den Patengemeinden und -städten geschehe in einem Maß, das er sonst noch nirgends erlebt habe. Diese enge Einbindung begünstige die Ausbildung: Die Sprachaufklärer, die durch persönliche Gespräche Informationen sammeln, könnten in den Patengemeinden das üben, was sie im Einsatzland tun müssten, und die Spähtrupps fänden in kurzer Entfernung den Truppenübungsplatz Putlos.
Die Attraktivität des Standortes trage nicht nur zur Motivation der Soldaten bei. Sie sorge auch für ausreichend Bewerber, deren Zahl die freien Stellen übersteige. Und das, obwohl die Soldaten durch ihre hohe Zahl an Auslandseinsätzen und besonders fordernde Aufgaben belastet würden. Aber ein dichtes soziales Netzwerk mache es den Familien auch leichter, die Soldaten wieder für den nächsten Einsatz loszulassen.
Und zum Schluss wird Henkelmann sehr deutlich: "Einen so attraktiven Standort, den letzten Heeresstandort in Schleswig-Holstein, den sollte man nicht leichtfertig aufgeben." "Sehr liebevoll verpackte Botschaften" nennt das der Verteidigungsminister im Anschluss. Und er nehme sehr wohl war, dass dieser Standort seine Besonderheiten habe.
Unter Ausschluss der Journalisten spricht er mit Soldaten. Dabei kommt, wie er in der abschließenden Pressekonferenz berichtet, auch die Klage über mangelnde Ausrüstung zur Sprache. Oder über die Tatsache, dass es im Einsatzland Fahrzeuge gibt, die in der Heimat nicht zur Verfügung stehen. Doch alle diese Mängel machten deutlich, wie wichtig eine Strukturreform sei, die der Bundeswehr mehr Effektivität verleihen werde. Damit sei nicht ausgeschlossen, dass es auch nach der Reform zu Engpässen kommen könne.
Die letzte Frage in der Pressekonferenz: "Was empfehlen Sie einem Standort wie Eutin, was sollte er jetzt machen?" Die Antwort des Ministers: "So weitermachen wie bisher, besonders seine Einbindung in sein Umfeld pflegen, wie es hier vorbildlich für alle Standorte gemacht wird."Mehr
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