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Die Wildschweine waren diesmal schlauer

22. November 2010 | 06:25 Uhr | Von Michael Kuhr

Sabine Ohrtmann aus Dörnik ist seit zwei Jahren Waidfrau.

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Bösdorf. Sie wühlen mit ihren Rüsseln Zierrasen und Friedhöfe bis zur Unkenntlichkeit auf, verwüsten gepflegtes Grün auf dem Golfplatz oder richten hohe Ernteschäden an: Wildschweine. Sie leben im Schlaraffenland, haben keine natürlichen Feinde und vermehren sich mit zunehmendem Raps- und Maisanbau explosionsartig. Nur der Mensch kann in ihre Population eingreifen. Dafür gibt es gut ausgebildete Jäger.

Über die Hälfte aller Mitglieder des Hegeringes Plön unter der Leitung von Joachim Schmidt aus Kleinmeinsdorf waren am Sonnabend in ihren 27 Revieren aktiv. Mit ihnen waren auch die Nachbar-Hegeringe aktiv. Sie alle unternahmen Drückjagden, um in erster Linie Wildschweinen das Handwerk zu legen. Aber auch Reh- und Damwild, Fuchs, Steinmarder, Marderhund, Waschbären oder Mink sollten von den Jägern unter Beachtung der gesetzlich geregelten Schonzeiten erlegt werden.

Der OHA begleitete die Jäger bei der Drückjagd durch die Gemeinde Bösdorf. Die 43-jährige Sabine Ohrtmann aus Dörnik ist die einzige Waidfrau im Bunde. Über ihren Mann Heinrich ist sie seit zwei Jahren bei der Jägerei und freut sich über die gute Aufnahme bei den Waidmännern: "Zehn Projekt sind bereits Frauen unter den Jägern", schmunzelt sie und schieb einen mächtigen Ast zur Seite. Heino Wohler, verantwortlich für die Pflege des jagdlichen Brauchtums im Hegering, gibt kurz zuvor das Signal "Anblasen des Treibens".

Mit dem Gewehr um die Schulter begleitet vom Gebell der Jagdhunde durchstreift Sabine Orthmann für eine Jägerin betont geräuschvoll das Unterholz. Sie will Wildschweine aufschrecken.

Der 28-jährige Jan Ladiges aus Ruhwinkel wartet geduldig auf seinem Ansitz auf Wildschweine während Jäger und Treiber versuchen, das Wild aus dem Wald aus der Deckung auf eine Lichtung zu treiben. Irgendwo in der Nähe fällt ein Schuss. Wie sich später herausstellt, hat Siegfried "August" Vorpahl ein Stück Rehwild erlegt. Rehe fliehen durch das Unterholz. Kein Jäger legt das Gewehr an: "Das sind Rehböcke, die dürfen jetzt nicht geschossen werden", erläutert der Waidmann Claus-Henrik Estoff.

Der erste Abschnitt der Drückjagd ist erfolglos. Nur die (noch) 14-jährige Theresa Biss aus Dodau, die die Jagd als Treiberin begleitet freut sich, ein Wildschwein gesehen zu haben. Torsten Fricke (34, Lebrade), Claus-Henrik Estorff (51, Plön) und Andreas Schmuck (30, Plön) haben einen Plan. Sie fahren in Richtung Behl und wollen es im dortigen Revier versuchen. Hier werden sie am Sonnabend vier Wildschwein-Sauen schießen.

Bei Klönschnack der Jäger schüttelt der 24-jährige Johannes Olexik aus Kleinmeinsdorf immer noch den Kopf. "Ich saß im Ansitz, als plötzlich ein großer Mercedes neben mir hielt." Der Fahrer sei ausgestiegen und habe einen Sack mit Müll entsorgen wollen. Als der getarnte Johannes Olexik ihn auf sich und seine Beobachtung aufmerksam machte, räumte der Umweltfrevel seinen Müllsack wieder ein. "Schade, die Autonummer habe ich nicht erkennen können", ärgert sich der 24-Jährige sichtlich.

Doch es gibt auch andere Probleme bei der Jagd. Die Jäger ärgern sich darüber, dass die meisten Autofahrer keine Rücksicht nehmen und mit hohem Tempo durch den Wald fahren. "Dabei sind überall Hinweis- und Warnschilder aufgestellt worden", schüttelt Joachim Schmidt den Kopf, als wieder ein Auto vorbeirauscht.

Der Hegeringleiter blickt zurück: "1972/73 hatten wir hier kein einziges Wildschwein. Jetzt sind bereits im dritten Jahr in Folge rund 350 Wildschweine in einem Jahr im Hegering abgeschossen worden." Aber irgendwie will es am Sonnabend nicht klappen. Die Wildschweine haben zwar in Steinbusch in der Nacht erneut einen Garten verwüstet, doch nur Theresa Biss hat bisher ein Wildschwein gesehen. So kommen am Sonnabend früh lediglich ein Stück weibliches Rehwild (Schütze Siegfried "August" Vorpahl) und am späten Vormittag noch ein Fuchs (Schütze Florian Lage) zur Strecke. Die Wildschweine waren wieder einmal schlauer als die Jäger. Ihnen soll es jetzt bei einer zweiten Drückjagd in knapp zwei Wochen an den Kragen gehen.

Während das Ergebnis in den Revieren um Kleinmeinsdorf eher bescheiden bleibt, werden im Hegering 1 zusammen 26 Sauen, elf Rehe. drei Stück Damwild und vier Füchse geschossen. Der benachbarte Hegering 13 war in Rixdorf, Trent und Lehmkuhlen aktiv und streckte 25 Sauen, 22 Stück Damwild, acht Rehe und vier Füchse.


 

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