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"Was sage ich einem Sterbenden?"

12. Juli 2010 | Von Lea Maria Schmitt

Die frischgebackenen Hospizhelfer Roswitha Hoppe, Paul Hindenburg, Uta Hindenburg, Manfred Wiehler und Gerlinde Kröger mit Leiterin Friedrun Jäde und Daniela Böder, Beate Weisner, Heide Papst, Gisela Bürger, Birgit Böhm, Martina Burbach, Sigrid Vollrath und Leiter Friedhard Zastrow (von links).

Plön. Früher gehörte der Tod zum Leben dazu. Die Großmutter hatte ein Zimmerchen im Haus der Familie. Starb sie, begleiteten sie die eigenen Kinder und sogar die Enkelkinder tröstend in den Tod. Heute ist das nicht mehr so. Der Tod ist für Sterbende und Trauernde gleichermaßen zum Tabuthema geworden - ein Teufelskreis des Schweigens entsteht.

Doch Aufklärung hilft: Am Donnerstagabend nahmen 15 Teilnehmer des vierten Hospizhelfer-Lehrgangs ihre Zertifikate entgegen. Nach einem 21-monatigen Kurs bei der Plöner Hospiz-Initiative wollen nun auch sie die Idee vom friedvollen Sterben in die Welt tragen. Viele möchten sogar selbst aktiv werden und bei den jährlich etwa 70 Sterbe- oder Trauerbegleitungen ehrenamtlich zuhören, vermitteln und einfach da sein.

Am Anfang stand für jeden der Kursteilnehmer die bange Frage: "Was soll ich nur zu einem Sterbenden sagen?" Roswitha Hoppe erinnert sich: "Bei einem Trauerfall in der Familie hatte ich große Berührungsängste - hinterher Schuldgefühle. Mit dem Kurs suchte ich nach Wiedergutmachung."

Den meisten Kursbesuchern ging es ähnlich: Der Tod war für sie eine düstere Schattengestalt, die es in Gesprächen und Gedanken zu meiden galt. 131 Seminarstunden und 50 vertiefende Praxisstunden hat es gedauert, bis Gerlinde Kröger sagen konnte: "Der Tod gehört zum Leben dazu, und diese Erkenntnis hat mein Leben runder gemacht."

Entscheidend bei dieser nebenberuflichen Ausbildung ist eine vielschichtige Herangehensweise: Friedhard Zastrow als Pastor und Psychologe sowie Friedrun Jäde als Medizinerin gaben den fachlichen Hintergrund. Zahlreiche Referenten vom Hamburger Institut für Trauerarbeit vermittelten derweil ethische Richtlinien.

"Der erste Schritt ist aber immer das Ausloten der eigenen Position zum Tod", betonte Zastrow. Nur so sei es möglich, gewissenhaft weiterzuarbeiten. Erst in einem nächsten Schritt lernten die Kursteilnehmer, Sterbende und Trauernde zu begleiten. Grundregel ist dabei, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Das Unabänderbare muss akzeptiert werden. Man muss zuhören, wenn andere weghören.

Und ganz wichtig: Der Hospizhelfer muss authentisch sein. "Der Sterbende merkt es sofort, wenn man insgeheim an den Einkaufszettel denkt", gibt Zastrow zu bedenken.

In einem letzten Schritt erprobten die Kursteilnehmer ihr Wissen an einem Probefall. "Der praktische Einsatz hat mir gezeigt, dass ich diese Belastung aushalte, dass ich diese Arbeit leisten kann", fasst Roswitha Hoppe zusammen. Weglaufen müsse sie nun nicht mehr.

"Experten im Begleiten" nennt Zastrow seine Schützlinge. Sie haben gelernt, mit Senioren die passende Urne auszuwählen oder mit Sterbenden noch einmal den Ort zu besuchen, an dem sie den Ehepartner kennengelernt haben. Häufig werden sie auch zum Ansprechpartner innerhalb der Familie - plötzlich wird erkannt, dass da jemand ist, der sich für ihre Sorgen interessiert. Am meisten hilft man aber immer noch sich selbst, denn das Akzeptieren des Todes wirkt befreiend.

Zastrows Hypothese: 80 Prozent der Menschen wollen zuhause sterben, aber 80 Prozent sterben eben nicht zuhause. Hinzu komme, dass es familienintern viele Hemmungen gibt. Keiner möchte den anderen mit seinen Ängsten beunruhigen - so wird oft die neutrale Person, also der Hospizhelfer, notwendig. Zastrows Antwort hierauf lautet: "Öffnet euer Herz und sprecht!"

Die Hospizhelfer-Lehrgänge starten immer dann, wenn sich genug Teilnehmer angemeldet haben. Interessierte können sich telefonisch unter 04522/500303 bei der Plöner Hospiz-Initiative melden.


 

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