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Neuer Auslandseinsatz für "Nero"
Kopenhagen / Ascheberg. Für die Menschen und das Klima auf der Erde hat der UN-Klimagipfel in Kopenhagen nach kritischen Einschätzungen nicht viel gebracht. Doch Polizeihund "Nero" ist da ganz anderer Ansicht. Für den Diensthund und sein Herrchen, Polizeikommissar Thomas Mielke von der Polizeistation aus Ascheberg, bedeutete der Klimagipfel neue Erfahrungen und einen weiteren Auslandseinsatz in der Vita.
Es galt in Kopenhagen für die Sicherheit der etwa 150 Staatsoberhäuptern sowie der insgesamt etwa 16 000 Delegierten zu sorgen. Dafür wurden zehn Sprengstoffspürhunde benötigt. Die Hundeführer versehen ihren Regeldienst flächendeckend im gesamten Land auf ihren Stammdienststellen, können aber jederzeit alarmiert und zusammen gezogen werden.
So hieß es auch jetzt wieder für den erfahrenen neunjährigen Belgischen Schäferhundrüden "Nero" und seinem Herrchen, dem 46-jährigen Polizeikommissar Thomas Mielke aus Hutzfeld, Koffer packen und ab nach Puttgarden, wo es mit der Fähre nach Rødby und dann weiter nach Vadbaek 20 Kilometer nördlich von Kopenhagen ging, wo sie für die Dauer des Einsatzes Quartier beziehen sollten.
"In Vadbaek erwartete uns eine freudige Überraschung, handelte es sich dort um ein schönes Hotel, in dem wir sogar die Hunde mit auf die Zimmer nehmen durften und was noch keiner von uns erlebt hatte: sogar für die Hunde war im Keller ein 'Buffet’ mit Hundefutter und verschieden 'Leckerlies’ aufgebaut", staunte Thomas Mielke im OHA-Gespräch nicht schlecht. Schnell kamen Erinnerungen auf, weil sie bei derartigen Großeinsätzen auch schon in Baracken längst ausgedienter Kasernen untergebracht waren. Im schönen Hotel jedenfalls waren 46 Sprengstoffspürhunde aus Norwegen, Schweden, Niederlande, Finnland und Dänemark untergebracht.
Der Empfang und die Aufnahme durch die dänischen Kollegen waren freundlich und zuvorkommend. Mielke: "Bereits in der Begrüßung wurde der Dank und die Freude über die Unterstützung aus Deutschland im größten Polizeieinsatz der Dänischen Geschichte mehrfach deutlich." Die Verständigung der Polizeibeamten erfolgte auf Englisch.
Am nächsten Tag ging es erstmals durch den unglaublichen Berufsverkehr mit unzähligen Staus in Kopenhagens in die Führungszentrale der Polizei, wo in einem ersten "Briefing" die Zusammenstellung der Teams und der Fahrzeuge sowie die Einweisung in die Aufträge und der erstellten Dienstpläne erfolgte. Mielke: "Wir wurden jeder einem dänischen Kollegen zugeteilt und erhielten Dienstpläne mit 12-Stunden-Schichten mit Anfangszeiten, die sich nahezu rund um die Uhr verteilten."
In den folgenden Tagen mussten "Nero" und Polizeikommisar Thomas Mielke zahlreiche Hotelzimmer, Anfahrtswege, Baustellen sowie über 600 Shutt-le-Fahrzeuge auf Sprengstoff absuchen. "Nero" und Thomas Mielke hatten Glück. Sie wurden dem 50-jährigen Torben Kjaer Nielsen mit seiner vierjährigen, bildhübschen Labradorhündin "Fuser" zugeteilt. Hunde und Herrchen verstanden sich auf Anhieb prächtig und so ging es an die Arbeit.
"Zunächst aber mussten wir mit meinem Deutschen Dienstwagen in die Polizeiwerkstatt, wo aus steuerrechtlichen Gründen neue Papiere ausgestellt wurden", schmunzelte Polizeikommissar Mielke. Sein Dienstwagen habe dänische Kennzeichen erhalten. Außerdem sei die Aufschrift "Polizei" in "Politi" überklebt worden.
Mit der Orientierung hatten Mielke und sein dänischer Kollege trotz der Spürhunde zunächst ihre Probleme, da Torben Kjaer Nielsen aus einem kleinen Ort aus dem Norden Jütlands kommt und somit zwei Kollegen aus eher ländlichen Gebieten durch die große Stadt Kopenhagen geisterten. "Torben Kjaer ist ein alter Hase und wir hatten relativ schnell die wichtigsten Adressen gefunden und gespeichert", sagte Thomas Mielke. Besonders die Versorgung der Einsatzkräfte mit erstklassiger Verpflegung sei gut gewesen. Es habe verschiedene gesicherte Bereiche gegeben, wo für die insgesamt 7 000 Einsatzkräfte Tag und Nacht Kaffee, Tee und Essbares zur Verfügung standen. So war für die Dauer des Einsatzes das gesamte Fußballstadion des Erstligaclubs FC Brøndby mit der gesamten Logistik und Gastronomie von der Polizei angemietet worden.
"Nero" und "Fuser" hatten reichlich zu tun. Mitunter hatten sie insbesondere von den ganzen Bremsstäuben und Salzkristallen der Lkw und Shuttle-Fahrzeuge sprichwörtlich "die Nase voll". Dadurch, dass US-Präsident Barack Obama zwecks Verleihung des Friedensnobelpreises nicht in Kopenhagen, sondern in Oslo verweilte, wurden einige Teams nach Norwegen verlegt. Thomas Mielke: "Und so mussten in Kopenhagen auch Einsätze abgearbeitet werden, für die wir ursprünglich nicht vorgesehen waren." Es habe auch Gelegenheit gegeben, den Puls ein wenig höher schlagen zu lassen. "Nero" hatte in diesen Tagen allein 61 Sucheinsätze zu leisten. Dabei habe er sich schon alles gerecht mit seiner Kollegin geteilt.
Neu war für Thomas Mielke und "Nero", dass in Dänemark vor der Durchsuchung der Wohnung eines Terrorverdächtigen für die spätere Gerichtsverwertbarkeit eine Untersuchung der Hunde stattzufinden hat. So mussten sie in einem Fall mit den Hunden ins Institut für Pharmazie und Chemische Analytik der Universität Kopenhagen fahren und die Hunde auf Eigen-Kontaminierung durch Sprengstoff untersuchen lassen.
"Hierbei gab es leichte Probleme mit 'Nero’, denn während die Dänischen Spezialhunde ausschließlich Spürhunde sind, ist 'Nero’ auch als Schutzhund ausgebildet." Und er habe der Dame im weißen Kittel unmissverständlich klar gemacht, dass er ein kerniger Schleswig-Holsteinischer Schutzhund ist und es überhaupt nicht schätzt, wenn ihm ein Fremder sein Fell oder die Ballen am Geläuf abtupfen will. Mit dem Kompromiss, dass Herrchen Thomas Mielke selbst die erforderlichen Abstreichungen vornimmt, hätten sich "Nero" und die Ärztin einverstanden erklärt.
Thomas Mielke und "Nero" blickten insgesamt auf einen überaus anspruchsvollen, langen und anstrengenden Einsatz zurück, in dem insbesondere den Vierbeinern Höchstleistungen abgefordert wurden. Thomas Mielke: "Auch wenn es für die Hunde immer wieder eine Freude ist, für ihr Lieblingsspielzeug, einer Beißwurst, zu schnüffeln, so ist es auch harte Arbeit für sie." Bei längeren Suchen steige die Körpertemperatur des Hundes nämlich um 2 Grad und er verliere bis zu einem Kilogramm an Körpergewicht.
"Nero" hat jedenfalls in der Dänischen Hündin "Fuser" eine neue Freundin gefunden und Thomas Mielke mit Torben Kjaer Nielsen einen weiteren Kollegen als Freund kennen gelernt. Allerdings sind sich die Hunde (und vielleicht auch die Hundeführer) einig: "Hätten alle Gipfelteilnehmer ihren Auftrag so professionell und gewissenhaft erledigt wie wir, dann hätte am Ende eigentlich mehr herauskommen müssen, als das jetzige Ergebnis".
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