OSTHOLSTEINER ANZEIGER

 

Eine lückenlose Chronik der Stadt

06. Januar 2012 | 06:40 Uhr | Von oha

Gaben den Startschuss für die Digitale Bibliothek: (von links) Dr. Frank Baudach (Landesbibliothek), Christian Burgdorf und Regine Jepp (Bürgergemeinschaft) sowie Achim Krauskopf (Ostholsteiner Anzeiger). Foto: Christina norden

Die Vorgänger des "Ostholsteiner Anzeigers" aus den Jahren 1802 bis 1900 sind auf der Internetseite der Landesbibliothek verfügbar

Eutin. Sie sei regelrecht elektrisiert gewesen, erinnerte sich gestern Regine Jepp an den Moment vor eineinhalb Jahren, als sie vom Redakteur Achim Krauskopf auf eine Digitalisierung des OHA-Archives angsprochen wurde. Ob die Bürgergemeinschaft als Projektträgerin eine Digitalisierung des OHA-Archivs machen wolle, hatte er gefragt. Elektrisiert war die Sprecherin der Bürgergemeinschaft, weil sie um die Fülle von historischen Informationen weiß, die in den Zeitungen steckt - und wie leicht sich diese durch eine Digitalisierung erschließen lassen.

Seit 1802 bilden die Ausgaben des Ostholsteiner Anzeigers und seiner vielen Vorgängertitel (am längsten als "Anzeiger für das Fürstentum Lübeck") ein lückenloses Gedächtnis der Stadt, eine Chronik, wie sie dichter nicht sein könnte. Über die früher üblichen Veröffentlichungen der Standesämter (Geburten, Hochzeiten und Todesfälle) enthalten die Ausgaben sogar Personendaten von den Einwohnern der Region, ganz zu schweigen von Nachrichten aus der Geschäftswelt, der lokalen Politik und der Gesellschaft.

Fast alle Ausgaben der Zeitung sind nicht nur im Verlag vorhanden, sondern auch in der Eutiner Landesbibliothek. Eine entscheidende Hilfe bei der Digitalisierung dieser etwa 400 000 Zeitungsseiten, die in den gut 200 Jahren gedruckt wurden, liefert die Tatsache, dass die Landesbibliothek in den vergangenen Jahrzehnten alle Ausgaben bereits fotografieren ließ und auf Mikrofilmen hat.

Diese Filme haben den Vorteil, das sie weitaus haltbarer sind als Papier, das bekanntlich zwar geduldig, aber nur von begrenzter Lebensdauer ist. "Zeitungspapier muss nicht lange halten", weiß Dr. Frank Baudach, der Leiter der Landesbibliothek. Die meisten historischen Ausgaben nehme man ungern aus dem Regal.

Die Filme haben den Vorteil, dass sie sich besser für das Scannen eignen als Zeitungsseiten, die darüber hinaus zu dicken Büchern gebunden sind.

369 dicke Filmrollen füllen die Fotos der Zeitungsseiten, die seit Herbst 2010 von den Elbe-Werkstätten in Hamburg digitalisiert, das heißt gescannt (fotografiert)und in Computerdateien umgewandelt werden.

Der Sommer 2011 war als Start für das Internetangebot anvisiert, nun ist es ein halbes Jahr später geworden. Die Mengen an Daten hatten sich unplanmäßig verdoppelt.

Bei einer stichprobenweisen Verfilmung war davon ausgegangen worden, dass sich zwei Seiten mit einem Scan erfassen lassen. Das hat sich aber schnell als falsch erwiesen, nicht zuletzt weil die Zeitung in den ersten Jahrzehnten häufig das Format wechselte. Deshalb wird jede Zeitungsseite einzeln gescannt. Damit liegt der Aufwand für die Elbe-Werkstätten exakt doppelt so hoch; die Qualität der einzelnen Scans ist aber auch besser.

Etwa 7000 Zeitungen, von der ersten Ausgabe vom 2. Oktober 1802 bis zum Ende des Jahres 1900, sind ab sofort über die Internetseite der Landesbibliothek verfügbar. Es werden als zweite Tranche die Ausgaben bis Ende des Zweiten Weltkriegs folgen. Bis dahin wurde die Zeitung in der alten Fraktur-Schrift gedruckt, für die es noch keine zufriedenstellenden Suchfunktionen gibt.

Mit der Fortsetzung der Zeitung im Jahr 1949 kamen moderne Schriften zum Einsatz. Deren Internet-Präsenz soll bis Herbst 2012 erfolgen, dann wird es eine Text-Suchfunktion geben.

Regine Jepp hat alle Ausgaben des 19. Jahrhunderts gelesen. Sie kann Forschern Tipps geben, wie sie bestimmte Suchfelder in den alten Ausgaben effizient "abgrasen" können.


 

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