HUSUMER NACHRICHTEN
Kunst im Dreierpack
Niebüll. Drei Mal Mahlmann, drei Generationen und drei unterschiedliche Genres der Kunst. So etwas hat es in der Stadtbücherei bisher noch nicht gegeben. Büchereichef Ronald Steiner präsentierte abstrakte Malerei von Max Hermann Mahlmann, Modedesign und Collagen von dessen Tochter Maria und eine Fotoserie der Enkelin und Sängerin Oceana, fotografiert von Sergej Kischnick. Oceana wurde von den Ausrichtern auserkoren, den offiziellen Titelsong "Endless Summer" zur Fußballeuropameisterschaft 2012 zu singen.
Zu verdanken ist dieses wohl seltene Ereignis Prof. Andreas Brandt. Dem Kurator der Ausstellung war nicht entgangen, dass Max Hermann Mahlmann jetzt 100 Jahre alt geworden wäre. Überdies gibt es in der Ausstellung, die bis Ende Mai zu sehen sein wird, ein partielles Wiedersehen mit Werken Mahlmanns, der 1990/91 mit der Ausstellung "Max Hermann Mahlmann + Gudrun Piper - Konstruktion und Programm" im Richard-Haizmann-Museum vertreten war. Gudrun Piper (95), ebenfalls "gegenstandslose Malerin" ist die Witwe Mahlmanns und war bei der Vernissage am Sonnabend mit von der Partie. Sie und Tochter Maria äußerten Bewunderung für die kleine "Kunstoase" im Norden des Landes, die qualitativ so sehr viel her macht.
Nähere Bekanntschaft mit Mahlmann & Mahlmann vermittelte Prof. Carl-Achim Czemper, Dozent an der Hamburger Fachhochschule für Gestaltung und Freund der "Mahlmänner". Czemper enthüllte ein Mosaik von Erinnerungen und Daten aus dem Leben Mahlmanns. Er und Gudrun Mahlmann-Piper bewohnten ein kombiniertes Wohn- und Atelierhaus in Wedel. Czemper: "Haus und Einrichtung waren ein Bekenntnis zur Moderne, das Atelier eine Oase der Stille und Konzentration - und die Gespräche mit Mahlmann und Gudrun Piper anregend und bereichernd." Kennen lernte Mahlmann seine Frau in der Volkshochschule. Als er sie nach einer Veranstaltung nach Hause brachte, überraschte er sie mit der Feststellung: "Fräulein Piper, ich finde, wir sollten zusammenbleiben - und heiraten." Es sei eine glückliche Ehe geworden, berichtete Prof. Czemper
Max Hermann Mahlmann, Sohn eines Hamburger Kaufmanns, verließ die Schule vor dem Abitur, wurde Gebrauchsgrafiker und besuchte die Dresdener Kunstakademie. Den Krieg erlebte er an der West- und Ostfront, rettete Zeichnungen und Aquarelle übers Kriegsende (einige davon waren vor 15 Jahren im Richard-Haizmann-Musum zu sehen), und wandte sich fortan der vorher verpönten Kunst des Westens zu: Kubismus, Abstraktion und gegenstandsloser Malerei sowie "geometrisierenden Formen" in üppigen Farben.
In die Künstlerfamilie hinein wurde Maria geboren. Kein Wunder, sagte Czemper, dass auch sie die künstlerische Laufbahn einschlug, freilich eine andere als die Eltern. Statt zu "systematischer Disziplin" neigte sie zu Leichtigkeit und Ungezwungenheit - und wandte sich dem Modedesign zu, das sie in Hamburg studierte und in Paris einer Anstellung fand, wo auch Tochter Oceana geboren wurde. Oceana ist mittlerweile ein Star, in Polen und der Ukraine beliebt und der Welt des Soul, Pop und HipHop zu Hause.
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