NORDFRIESLAND TAGEBLATT

 

Das Rätsel von Lütjenholm

Unbekannter Künstler war wieder am Werk

16. September 2009 | 04:30 Uhr | Von Simone Mommsen

Die menschengroße, gelbe Figur in der kleinen Au könnte eine Schaufensterpuppe sein. Bürgermeister und Dorfbewohner sind angetan von dieser Art des Protestes gegen ein mögliches CO2-Endlager. Foto: Simone Mommsen

Lütjenholm. Lange Zeit war es still um ihn: den Künstler ohne Namen. Nun hat er ein neues Werk vollbracht. Seitdem ist eine gelbe, menschengroße Figur das Dorfgespräch Nummer eins in Lütjenholm.

Ort des Geschehens ist wieder die kleine Au an der Landesstraße 13. Im Mai 2007 war es erstmals in der über 300-Seelengemeinde zum großen Rätselraten gekommen, da ein Unbekannter in dem fließenden Gewässer Stuhl und Tisch mitsamt Teller, Besteck, Kerze, Blume, Weinglas und einer angebrochenen Flasche Rosèwein auf einer kleinen Erhebung mitten im kühlen Nass drapiert hatte (wir berichteten). Wer seinerzeit für das kleine Kunstwerk verantwortlich war, ließ sich auch nach intensiven Recherchen von Bürgermeister Dietrich Sönksen, der im Berufsleben Polizist ist, nicht ermitteln. "Ich würde dem Unbekannten gerne zu seinem Kunstwerk gratulieren", sagte Sönksen damals. Dazu ist er bisher nicht gekommen, denn nach wie vor fehlt jede Spur von diesem kreativen Menschen.

Plötzlich war das Kunstwerk verschwunden

Vor gut zwei Jahren zog es zahlreiche Schaulustige in den kleinen Ort, die das ungewöhnliche Stillleben betrachten wollten. Einige Wochen später war dann alles vorbei - der Tisch aus der Au wie im Nichts verschwunden. Nur ein Schild mit dem Schriftzug "Reserviert" machte neugierig auf das, was sich der namenlose Künstler als nächstes ausdenken würde. Nun wissen es alle. Die Puppe trägt in einer Hand ein gelbes Schild mit der Aufschrift "Kein CO2-Endlager" und hält in der anderen eine gelbe Fahne, die eine schwarze Gasmaske ziert. Plakate mit gleichem Zeichen säumen Nordfrieslands Straßen und drücken den Unmut der Bürger über das geplante Endlager aus.

"Der Unbekannte spricht unsere Sprache."

Für Dietrich Sönksen steht fest, dass das neue Werk die Handschrift des "Tatverdächtigen" von 2007 trägt. "Wir haben von der Gemeinde aus viele Schilder gegen das Endlager aufgestellt. Der Unbekannte spricht unsere Sprache", freut sich der Lütjenholmer. Beeindruckend findet er die Verarbeitung der Figur im Wasser. "Es ist fachmännisch gemacht, das Podest, auf dem die Gestalt steht, kann mit Sicherheit den Winter überstehen."


 

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