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Husum

Hafen hängt bald nicht mehr "am Tropf"

29. Oktober 2010 | 06:25 Uhr | Von Willy-Peter Ström

Die "nautische Tiefe" des Husumer Außenhafens wird demnächst von 4,20 auf 4,70 Meter gebracht. Dazu werden die Reste eines alten Sperrwerks beseitigt. Foto: pst

Endlich eine größere Wassertiefe für die Handelsschiffe: Anfang November sollen alte Schleusenreste im Husumer Hafen geborgen werden.

Husum. "De harr al längstens Weltverkehr, wenn he en beten natter weer", beschrieb Emanuel Gurlitt - 1873 bis 1896 Bürgermeister von Husum - die Zustände im Hafen seiner Stadt. Nun soll der Hafen tatsächlich ein wenig nasser werden. Die sogenannte nautische Tiefe wird in Kürze auf 4,70 Meter gebracht. Bislang lag dieser Wert bei 4,20 Meter. Anfang November will der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz ans Werk gehen.

Beseitigt werden soll - für Nettokosten von etwa 200.000 Euro - ein Hindernis, das sich unter dem Hafen-Schlick im Bereich zwischen der Einfahrt zu den Trockendocks der Husumer Dock- und Reparatur GmbH auf der Südseite des Außenhafens und dem Gelände des Landesbetriebs auf der Nordseite verbirgt: Reste einer Seeschleuse. Sie ist in den Jahren 1902/1904 gebaut worden und wurde weitgehend beseitigt, nachdem 1960 rund 300 Meter weiter westlich ein neues Sperrwerk Hafen und Stadt schützte. Diese - dritte - Husumer Seeschleuse wurde gerade rechtzeitig fertig, um der verheerenden Sturmflut zu trotzen, die im Februar 1962 über die Westküste hinwegfegte. Fachleute waren sich einig: Das alte Sperrwerk hätte nicht Stand gehalten. Wie anfällig die zweite Schleuse war, zeigte sich schon am Ende der Bauzeit. Kurz vor Fertigstellung brach die Konstruktion. Hafenstraße und Schiffbrücke standen unter Wasser.

Beim dritten Sperrwerk wurde nicht alles abgetragen

Die erste Husumer Seeschleuse war 1858 - noch zur Zeit der dänischen Herrschaft - gebaut worden. Mit einer Durchfahrtbreite von acht Metern (an der Sohle unter sechs Metern) erwies sie sich für den Schiffsverkehr bald als zu schmal. Ein knappes halbes Jahrhundert später wurde dann an derselben Stelle das Sperrwerk Nummer zwei gebaut. Das hatte immerhin eine Öffnung von zwölf Metern und verfügte über zwei Sturmfluttore. 1960 folgte die dritte Husumer Seeschleuse. Sie war notwendig geworden, weil die Neubauten der Husumer Schiffswerft immer größere Ausmaße annahmen. Mit 13,20 Meter fiel die Schiffsdurchfahrt aber nicht gerade üppig aus. Und so kam, was kommen musste. 1973 war das vierte Sperrwerk fällig - immerhin mit einer 22 Meter breiten Durchfahrt.

Als Sperrwerk Nummer drei fertig war, wurde der weiter ostwärts gelegene Vorgänger nicht vollständig abgetragen. Es blieben Fundamentreste, die die schiffbare Tiefe auf besagte 4,20 Meter beschränkten. Diese Wassertiefe wurde in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aber als ausreichend angesehen.

Es darf kein Ostwind herrschen

Gang und gäbe waren damals - und das auch noch bis ins 21. Jahrhundert hinein - Kümos mit 400 bis 1000 Tonnen. Die kamen auf drei Meter Tiefgang, erinnert sich Volker Saupe. Mittlerweile hat der Standart-Frachter, der Husum anläuft, 1500 bis 2500 Tonnen, gibt der Geschäftsführer der Husumer Schiffsmakler-Firma Wilhelm E. F. Schmid zu bedenken. Solche Schiffe erreichen schnell 4,20 Meter Tiefgang. Wenn der Schiffsmakler die größten der von "Schmid Husum" bereederten Frachter - MS "Gotland" oder MS "Lolland" - an den Kai vor der Bürotür am Außenhafen beordern will, dann dürfen die nicht voll beladen sein, ansonsten gingen sie 4,70 Meter tief. Und Ostwind darf auch nicht herrschen. Dann gibt es nicht einmal 4,20 Meter Wasser unter dem Kiel.

Wie dem Schiffsmakler geht es auch anderen Betrieben, die Güter am Husumer Hafen umschlagen. Da ist in erster Linie ATR. Das Landhandels-Unternehmen Arp, Thordsen, Rautenberg GmbH & Co. KG bestreitet fast 90 Prozent des Hafen-Umschlags. Auch die Frachter, mit denen der Betrieb Futtermittel nach Husum holt und Getreide ausführt, werden immer größer. "Die Schiffe sind nicht mehr an der Küste unterwegs, sondern befahren Reviere bis nach Nordeuropa und bis ins Baltikum", klärt Volker Saupe auf. Die Hafenwirtschaft dringt denn auch schon seit Jahren auf eine Vertiefung des Außenhafens.

Kleine Schiffe verschwinden vom Markt

Ein erster Schritt wird jetzt mit der Beseitigung von Resten der alten Schleuse getan, bestätigte Peter Beismann. Nach Angaben des Geschäftsbereichs-Leiters Instandhaltung beim Husumer Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz haben die Hafennutzer überzeugend dargestellt, dass kleine Schiffe vom Markt verschwinden und für die größeren Frachter mehr Fahrwassertiefe geschaffen werden muss. Der Landesbetrieb hat deshalb eine Firma beauftragt, die von einem Ponton aus per Bagger erst einmal den Schlick über den alten Fundamenten zur Seite räumt und ihnen dann auf den Leib rückt. "Wenn das Hindernis beseitigt ist, wird die Tidenströmung von ganz allein für eine ausreichend tiefe Fahrrinne sorgen", ist sich Beismann sicher.

Aus Sicht von Saupe kann das aber nur ein Anfang sein. "Mittelfristig müsste der Husumer Hafen eine Wassertiefe von 5,20 Meter bekommen", fordert der Schiffsmakler im Namen der gesamten Hafen-Wirtschaft. Nur dann könnten die Umschlagskais sicher angelaufen werden. "Aber erst einmal sind wir froh, dass das Hindernis verschwindet."


 

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