NORDFRIESLAND TAGEBLATT
Zu wenige Spender: Es mangelt an Blutkonserven
Das Spenderblut durchläuft zahlreiche Tests – und wird am Ende oft nicht für gut befunden. Foto: ddp
Die Zahl der Blutspender ist in Nordfriesland in den wärmeren Monaten deutlich zurückgegangen. So meldete der DRK-Blutspendedienst Nord bereits für Mai einen Rückgang um 20 Prozent. Uwe Huckhagel spricht sogar von einer "chronischen Knappheit". Die Konserven müssten "sehr, sehr sparsam" eingeteilt werden, sagte der Transfusionsverantwortliche für die Kreiskliniken Nordfrieslands auf Anfrage unserer Zeitung.
Zum Teil waren so wenig Blutkonserven vorhanden, dass Operationen verschoben und nicht optimal verträgliches Blut transfundiert werden musste. Vor allem die Blutgruppen 0 und A, die 80 Prozent der Patienten benötigen, müssten dringend beschafft werden. Im Sommer fällt der Mangel an dem Lebenssaft besonders auf und ist gravierend, da sich viele Dauerspender im Urlaub befinden. Dieser schwierigen Situation nicht zuträglich sind die strengen Auswahlverfahren, die angehende Blutspender zunächst durchlaufen müssen, erklärte Huckhagel. "Wir machen zusätzlich viele Untersuchungen, die vom Gesetz nicht vorgeschrieben sind, um eine maximale Sicherheit zu garantieren."
Pro Blutspendetermin erscheinen in der Regel um die 50 Nordfriesen im fünften Obergeschoss des Klinikums am Erichsenweg. Viele von ihnen fallen jedoch durch die zahlreichen Bluttests: Ihr Blut darf dann nicht verwendet werden. Warum aber spenden so wenige Menschen Blut? Für Uwe Huckhagel ist die Antwort klar: "Die Nichtspender sind meist nicht persönlich betroffen und ziehen keinen direkten Vorteil aus einer Blutspende." Viele Spender dagegen haben Bekannte oder Angehörige, die auf Blutkonserven angewiesen waren oder sein werden. Die Blutspender-Gemeinschaft sieht Huckhagel als "eine Art Bürgerinitiative": Menschen geben etwas vom Menschen für den Menschen. "Jeder sollte daran denken, dass er selbst oder Angehörige in eine Situation kommen könnten, in der sie Bluttransfusionen benötigen."
In Schleswig-Holstein fehlen täglich bis zu 100 Spender, weiß Jens Lichte, Sprecher des DRK-Blutspendedienstes Nord. "Blutspenden ist praktizierte Mitmenschlichkeit", versucht auch Lichte, Nichtspender zu motivieren. Denn das Rote Kreuz kann Blut nicht auf Vorrat lagern und auch keine Reserven bilden. Blutpräparate sind höchstens fünf Wochen haltbar. Um die Mindestversorgung von fünf bis sechs Werktagen zu garantieren, ist die gemeinnützige Organisation deshalb auf die kontinuierliche Unterstützung durch Freiwillige angewiesen. Täglich benötigt der DRK-Blutspendedienst Nord 750 Blutkonserven, um den Bedarf der Krankenhäuser und Kliniken zu decken.
Blut spenden können alle gesunden Menschen zwischen 18 und 70 Jahren; erstmalige Blutspender dürfen jedoch nicht älter als 65 Jahre sein. Jeder Spender erhält einen Unfallhilfe- und Blutspender-Pass, auf dem auch Angaben über die individuellen Blutgruppenmerkmale zu sehen sind. Außerdem durchläuft das Blut nach der Blutspende etliche für den Empfänger, aber auch für den Spender wichtige Laboruntersuchungen. Wer Blut spendet, unterliegt also einer regelmäßigen Gesundheitskontrolle, betont DRK-Sprecher Jens Lichte.
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