NORDFRIESLAND TAGEBLATT
Wird Gesundheitstrend verschlafen?
Yoga am Meer: Die Themen Gesundheit und Wellness bieten nach Ansicht von Sylt und St. Peter-Ording das größte touristische Potenzial. Foto: Tourismus-service hörnum
Nordfriesland. "Urlaub bei uns stärkt Körper, Kopf und Seele." Das ist das wichtigste Versprechen, das die Marke "Nordsee Schleswig-Holstein" potenziellen Urlaubern gibt. So steht es im Masterplan der Nordsee-Tourismus-Service GmbH (NTS). Doch bei einem immer wichtiger werdenden touristischen Thema fehlt es dem regionalen Marketing bislang offenbar an Kopf wie auch an Seele. "In der NTS greifen wir ständig neue Themen auf, ohne das Kernthema Gesundheit und Wellness fundiert aufzuarbeiten. Unser Marketing in diesem Bereich ist orientierungs- und ideenlos", lautet die Kritik aus den beiden großen Tourismus-Hochburgen an der Küste.
Zusammen stehen Sylt und St. Peter-Ording für mehr als die Hälfte der rund 17 Millionen Übernachtungen zwischen Elbmündung und dänischer Grenze. Gemeinsam mit Amrum vertreten sie die Region bei Messen im deutschsprachigen Ausland. Und erleben dort immer wieder hautnah, dass sich Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern deutlich "gesünder" präsentieren. Am Rande eines Arbeitstreffens sprachen sich die Vertreter der beiden touristischen "Leuchttürme" für eine neue Schwerpunktsetzung der NTS aus. Zumal die Voraussetzungen ideal sind: "Wir haben alles, was ein gesundheitsorientierter Urlauber sucht", findet St. Peter-Ordings Marketingleiter Werner Domann mit Blick auf das einzigartige Reizklima, zahlreiche und gute Wellness- und Thalasso-Angebote bis hin zu entsprechenden Fachärzten und -kliniken. Dennoch landet die schleswig-holsteinische Nordseeküste bei Umfragen in Sachen Gesundheitskompetenz klar hinter Rügen, Bayern, dem Bodensee - und der Ostsee. Das vorhandene Potenzial werde bislang nicht ausgeschöpft, kritisiert auch Moritz Luft, Chef des Sylt-Marketings: "Unser Ziel muss es doch sein, dass den Leuten beim Thema Urlaub und Gesundheit als erstes unsere Nordseeküste einfällt." Doch dazu brauche man eine klare Ausrichtung. "In der Vermarktung reicht es nicht aus, sich Gedanken über Anzeigen zu machen und auf Ideen des Heilbäderverbandes zu warten. Das ist Tagesgeschäft. Was fehlt, sind Ideen, Kreativität und die passenden Kooperationspartner."
Im Vergleich zum Weltnaturerbe Wattenmeer, wo in kürzester Zeit ein kreatives Konzept erarbeitet worden sei, liege das zweite große Kernthema Gesundheit seit Jahren brach. Dabei bietet es nach Überzeugung von Luft und Domman - sowie der aktuellen Trendforschung - touristisch das weitaus größere Potenzial. "In der Vermarktung des Weltnaturerbes ist viel Dynamik, aber es dürfte schwer werden, allein damit über die nächsten zehn Jahre die erhofften weltweiten Urlauber ins Watt zu holen", sagt Moritz Luft.
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