NORDFRIESLAND TAGEBLATT

 

Sie wachen über die Sicherheit der Küste

10. Februar 2012 | 04:20 Uhr | Von hh

Eine Deichkommission begutachtet das versiegelte Deckwerk auf der Hallig Nordstrandischmoor. Foto: heinrichs

Alljährliche Deichschau an rund 290 Kilometer langen Landesschutzdeichen

Nordfriesland. Wenn Spaziergänger bei Wanderungen an der Westküste im Frühjahr oder Herbst auf eine Gruppe teils uniformierter Menschen treffen, dann handelt es sich meist um die Teilnehmer einer Deichschau. Bereits seit alters her wird die Standfestigkeit der Küsten-Bollwerke durch Kommissionen regelmäßig auf Unterhaltungszustand und Wehrfähigkeit überprüft.

Im Laufe des 17. Jahrhunderts lag die Aufsicht bei gewählten Deichgrafen und Deichgeschworenen. Einen Deichgrafen, der seine Arbeit vernachlässigte, erwarteten grausame Strafen wie Brandmarkungen oder das Abschlagen der rechten Hand. Das macht deutlich, welchen Stellenwert die Küsten-, Insel- und Halligbewohner der Sicherung der Deiche schon damals beimaßen. Durch die Einsetzung von drei königlichen Deich inspektoren für die Marschgebiete Schleswig-Holsteins im Jahr 1800 wurde eine straffere staatliche Aufsicht eingeführt.

Damit gelangte der staatliche Einfluss auf das Deich wesen in eine neue Phase. Jeder Inspektor war für einen Küstenbereich zuständig. Zum nördlichen Distrikt gehörten die nordfriesischen Inseln sowie die Festlandsmarschen zwischen Husum und Hoyer. Der mittlere Distrikt umfasste die Landschaften Eiderstedt, Stapelholm und Norderdithmarschen. Der südliche Bereich Süderdithmarschen und die Elbmarschen. Ohne Zustimmung der Inspektoren durfte an Deichen, Uferwerken und Schleusen nichts vorgenommen oder verändert werden.

Im Jahr 1882 wurden in Husum und Tönning Wasserbauinspektionen eingerichtet. Diese waren neben der Deichunterhaltung auch für die Wasserstraßen zuständig. 1898 entstand das Husumer Domänenrent- und Bauamt (seit 1936 Marschenbauamt, seit 1973 Amt für Land und Wasserwirtschaft (ALW) und seit 1998 Amt für ländliche Räume (AlR). Am 1. Januar 2008 hat der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) diese Aufgaben übernommen. Planmäßig betrieben und betreiben die Ämter die Landgewinnung und die Küstensicherung durch Buhnen- und Lahnungsbau. Die entstandenen Vorlandflächen dienen dem Küstenschutz und sind Voraussetzung für eventuell neue Köge. Bis zur Übernahme der Deiche durch das Land Schleswig-Holstein Anfang der 1970er-Jahre waren die Deich- und Sielverbände die Eigentümer.

Heute reicht der Zuständigkeitsbereich des LKN von der dänischen Grenze bis nach Hamburg und hinüber an die Ostsee. Rund 290 Kilometer Landesschutzdeiche und sechs Kilometer Sandküste hat das LKN an der Westküste zu betreuen. Auf den Inseln Sylt, Föhr, Amrum und Helgoland sind es 67 Kilometer Landesschutzdeiche und 125 Kilometer Sandküste. Auf den Halligen gilt das besondere Augenmerk der Wasserbauer des Landesbetriebs den Warften und den insgesamt 70 Kilometer langen Überlaufdeichen. "Allein nach der Sturmflutkatastrophe von 1962 wurden bis heute rund zwei Milliarden Euro für Deichneubauten ausgegeben", erklärt Peter Beismann, Abteilungsleiter Küstenschutz.

Heute werden jährlich bis zu 20 Millionen Euro in Neubauten und Instandhaltung investiert, im vergangenen Jahr waren es 30 Millionen Euro. Die Deiche auf Nordstrand und in der Husumer Bucht wurden seit 1953 um rund einen Meter erhöht. "Genauso wichtig aber ist, dass die Deiche wesentlich flachere Profile erhalten, damit der Wellenauflauf reduziert werden kann." Die Landesschutzdeiche wurden in den Jahren verstärkt. Nach letzten Berechnungen in Bezug auf den Meeresspiegelanstieg bieten die Deichhöhen nach Beismanns Einschätzung für die nächsten Jahrzehnte "ausreichend Schutz".

Um diese Sicherheit zu gewährleisten, machen sich die "Deichschauer" bei Wind und Wetter alljährlich zur Inspektion der Bauwerke auf den Weg. Neben den insgesamt 21 Deichgrafen sind Vertreter von Bundes- und Feuerwehr immer dabei. Sie verschaffen sich einen Eindruck von den örtlichen Gegebenheiten, wo sie im Katastrophenfall mit ihren Leuten und Ausrüstungen zum Einsatz kommen. Begleitet werden die Wasserbauer außerdem von Vertretern der Gemeinden und Sielverbände. Bei ihren Rundgängen werden Schwachpunkte oder Schäden an den Deichen registriert. Je nach Dringlichkeit wird festgelegt, ob kurz-, mittel- oder langfristig Reparatur- oder Neubaumaßnahmen eingeleitet werden müssen.


 

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