NORDFRIESLAND TAGEBLATT
Nordfriesland bald Modellregion?
Nordfriesland. Die Jury hat entschieden. Aber noch wird unter Verschluss gehalten, wer in diesem Jahr den bei der "Energie-Olympiade" der Kommunen in Schleswig-Holstein den erstmals zu vergebenden Titel "Energie-Modellregion" tragen darf. Der Preisträger soll erst am 2. März im Kieler Wissenschaftszentrum bekannt gegeben und ausgezeichnet werden. Dort dürfen der Kreis Nordfriesland und die Aktiv-Region Nordfriesland-Nord ihr gemeinsames Bewerbungskonzept noch einmal öffentlich präsentieren. Beim Landeswettbewerb "Energie-Olympiade" ist neben den Nordfriesen nur noch die Stadt Flensburg im Rennen. Die Chancen für die Finalisten von der Westküste stehen gut, am Ende auf dem Siegertreppchen zu stehen, zumal auf dem Energiesektor in Nordfriesland bereits viele Projekte und Vorarbeiten laufen. Denn nicht von ungefähr hat sich der Kreis Nordfriesland auf die Fahnen geschrieben, bis zum Jahr 2020 Deutschlands klimafreundlichster Kreis zu werden.
Insgesamt sechs Kommunen hatten sich im vergangenen Jahr an der Ausschreibung der Innovationsstiftung des Landes zur "Energie-Olympiade" beteiligt. Drei überstanden die erste Runde, wurden mit jeweils 10 000 Euro belohnt und erhielten die Chance, in der zweiten Runde den mit 90 000 Euro dotierten Gesamtsieg zu erringen: der Kreis Nordfriesland, die Aktiv-Region Nordfriesland-Nord und der "Flensburger Klimapakt". Da die Nordfriesen es unvernünftig fanden, gegeneinander anzutreten, taten sie sich kurzerhand zusammen.
"Damit haben beide Partner die Bandbreite ihrer modellhaften Aktivitäten im Bereich Energie erzeugung und Klimaschutz erheblich erweitert", freut sich Landrat Dieter Harrsen. "In jedem Teilbereich des Wettbewerbs können wir jetzt ein ordentliches Pfund in die Waagschale werfen. Dabei geht es nicht nur um Hoffnungen und Pläne, sondern großenteils um Erreichtes."
Fragte die Innovationsstiftung etwa nach dem Ausbau von dezentralen Energieerzeugungs- und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, verweisen die Antragspartner auf 79 Gigawattstunden erzeugten Stroms und 91 Gigawattstunden erzeugter Wärme allein aus Biogasanlagen im Jahr 2008. Der Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung an der Wärmeversorgung im Kreis wird sich bis 2020 voraussichtlich versechsfachen. Auf der Basis erneuerbarer Energien sind derzeit allein im Norden des Kreises 22 Wärmenetze im Betrieb. Sie werden im Wesentlichen durch die Abwärme von Blockheizkraftwerken zur Erzeugung von Strom aus Biogas gespeist. Die Wärmenutzung entspricht der von rund 1300 durchschnittlichen Haushalten. "Wir streben an, bis 2020 mehr als 60 solcher Wärmenetze zu errichten", sagt der Vorsitzende der Aktiv-Region Nordfriesland-Nord und Bürgermeister der Stadt Niebüll, Wilfried Bockholt.
Doch im Vergleich zur Windenergie macht Biogas nur einen geringen Anteil aus. "Schon 2008 lagen wir bei rund 1700 Gigawattstunden Strom aus Windenergie. Bis 2020 gehen wir fast von einer Verdoppelung dieser Zahl aus", so Harrsen. Mit entsprechendem Selbstbewusstsein hat der Kreis deshalb auch die Fragen nach seinen Plänen zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien beantwortet.
Die Zahlen stammen aus dem im vorigen Dezember vorgelegten Klimaschutzkonzept mit den Schwerpunkten Energie-Einsparung und mehr Effizienz. Wird Nordfriesland Modellregion, dann soll die Prämie von 90 000 Euro den regionalen Klimaschutz weiter voranbringen.
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