NORDFRIESLAND TAGEBLATT

 

Nordfriesen kämpfen gegen Katzenelend

10. Februar 2012 | 04:30 Uhr | Von hn

Sie ist das beliebteste Haustier: die Katze. Doch ohne Kastration kommen zu viele Samtpfoten auf die Welt, für die es dann kein liebevolles Zuhause gibt. Foto: hn

Verwaltungen und Tierärzte arbeiten zusammen: Kastrationen werden finanziell unterstützt / Zuschuss-Gutscheine bei den Ordnungsämtern

Nordfriesland. Zum zweiten Mal starten die kommunalen Behörden und die Tierärzte im Kreis Nordfriesland eine gemeinsame Aktion zur Kastration von Katzen: Von sofort an können alle Katzenbesitzer bei ihren Ordnungsämtern Zuschuss-Gutscheine erhalten, mit denen sie beim Tierarzt 50 Euro sparen: Für die Kastration und zentrale Chip-Registrierung einer Katze zahlen sie mit dem Gutschein nur noch 75 Euro statt, wie üblich,

125 Euro. Alle rund 30 Tierarztpraxen in Nordfriesland beteiligen sich.

"Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", betont der Leiter des Kreisveterinäramtes, Dr. Dieter Schulze. Denn die Zahl der Gutscheine ist auf 560 begrenzt. Finanziert werden sie je zur Hälfte von den Tierärzten und den acht Ämtern im Kreisgebiet sowie der Stadt Husum.

Ihr gemeinsames Ziel: Sie wollen Katzenelend verhindern. Denn weil kleine Kätzchen schon ab sechs Monaten geschlechtsreif werden können, kann eine unkastrierte Katze innerhalb eines Jahres 35 Nachkommen haben. Diese 35 Tiere will niemand - ihnen steht ein miserables Leben voller Not und Krankheit bevor.

In jedem Jahr werden in Nordfriesland mehrere 100 Kätzchen als "Fundsache" bei den Ämtern abgegeben. Sie müssen auf Kosten des Steuerzahlers tierschutzgerecht untergebracht werden. Einschließlich der Personal- und Sachkosten kostet das jährlich rund 100 000 Euro. Die Behörden geben die Katzen in die Tierheime in Ahrenshöft und Husum. Das mitgelieferte Futtergeld reicht allerdings nur für einige Monate. Deshalb sind beide Heime auf private Spenden für die Tiere angewiesen, die nicht schnell in liebevolle Hände vermittelt werden konnten.

Der einzige Weg zur Eindämmung der Katzenschwemme besteht darin, möglichst viele Katzen zu kastrieren. Um den Tierhaltern die Entscheidung zu erleichtern, stellt jedes Amt entsprechend seiner Einwohnerzahl einen Betrag für die Kastrationsaktion bereit. So kommen insgesamt 14 000 Euro zusammen. Die Ämter betrachten die Aktion als Investition, die die Haushaltsansätze für die Unterbringungskosten langfristig senken soll.

"Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass unsere Aktion im vergangenen Jahr so gut angenommen wurde", erklärt Dr. Peter-Nahne Jens aus Koldenbüttel, Vorsitzender des Bundesverbandes der praktizierenden Tierärzte. "Viele Tierhalter haben sogar auf den Gutschein verzichtet. Manchen war vor unserer Aufklärungskampagne aber gar nicht bewusst, wie wichtig es ist, dass Katzen kastriert werden."

Einige Tierhalter waren unsicher, weil Katzen angeblich erst kastriert werden dürfen, nachdem sie einmal Junge bekommen haben. "Das ist nicht korrekt", betont Dr. Jens. "Es schadet dem Tier kein bisschen, wenn es diesem Routineeingriff gleich beim Eintreten der Geschlechtsreife unterzogen wird."

Die Nummer des Mikrochips, den die Tierärzte den Katzen auf eigene Kosten unter die Haut setzen, lassen sie in eine bundesweite Datenbank eintragen. So können verlorengegangene Katzen ihrem Besitzer wieder zugeordnet werden.

Rein rechnerisch - also wenn jede der im vergangenen Jahr im Rahmen der Gutschein-Aktion kastrierten Katzen 35 Nachkommen gehabt hätte - sind bereits mehr als 18 000 Kätzchen vor einem Leben in Not und Elend bewahrt worden.

Landrat Dieter Harrsen lobt die Aktion und hofft auf eine gute Resonanz. "Nach dem ersten Aufruf im vergangenen Jahr haben mehrere andere Kreise versucht, unser Rezept zu kopieren. Bis jetzt ist es keinem gelungen, weil sie nicht alle erforderlichen Partner unter einen Hut bekommen haben. Aus Gründen des Tierschutzes bedaure ich das sehr und freue mich umso mehr, dass wir in Nordfriesland jetzt schon mit der zweiten Auflage beginnen."

Kastriert werden im Rahmen des Projektes nur weibliche Katzen, keine Kater. "Kater können weit wandern. Je weniger unkastrierte Katzen die von außerhalb kommenden Kater in Nordfriesland treffen, desto besser ist es", betont Kreisveterinär Dr. Schulze.


 

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