NORDFRIESLAND TAGEBLATT

 

Konzert im Leck Hus

Lieder von Sehnsucht und Trauer

06. Februar 2012 | 04:50 Uhr | Von Beate Kneißler

Plattdeutsche Lieder und anglo-amerikanische Songs bot die Folkband in Leck. Foto: bkn

"Dragseth" präsentierte im Leck Huus Kostproben aus einem sehr persönlichen Album / Aus dem Duo ist ein Quartett geworden

Leck. So vollendet die Melodien bis zum letzten Ton ausklangen, so vollendet war der Auftritt der nordfriesischen Folkband "Dragseth" im Leck-Huus, nicht ohne jedoch der Sehnsucht einen emotionalen Nachhall zu verleihen. "Ja, es passt schon", schien der Blick zu sagen, den die Musiker nach jedem Song untereinander austauschten.

"Dragseth" ist nah dran. Nur die Zeit und ein Hauch professioneller Distanz trennte von den eigenen Erfahrungen der Musiker, die in vielen Songs ihres neuen Albums "Stää un Stünn" (Ort und Stunde) zum Ausdruck kommen. Es ist ein sehr persönliches Album geworden mit Liedern von der Sehnsucht nach geliebten Menschen, von Liebe und Glück, von Verlust und Trauer. "Die Lieder sind sehr intim aufgrund von Erfahrungen, die wir in der letzten Zeit gemacht haben", erzählt Kalle Johannsen.

Auf der Bühne zitierte er aus "Shantaram" von Gregory David Roberts: "Wir haben das Meer in uns, in unserem Blut und unserem Schweiß. Und wir weinen das Meer mit unseren Tränen" - ein Ausschnitt aus dem Prolog zum ersten Lied "Dat het de witte Vagel dahn" des neuen Albums. Einen Gegenpol in den "Reflexionen über Gefühlszustände" setzte Manuel Knortz mit dem Titelsong "Stää und Stünn", in dem es um den einen Moment des wahren Glücks, um die Liebe, geht. Und doch verfloss das Timbre im harmonischen Gesang der beiden Musiker, das durch die Stimme von Jens Jesse und dem Posaunen- und Bassklang von Gerd Beliaeff zu einem tadellosen, fein abgestimmtem Ganzen ergänzt wurde.

"Wir sind in die Jahre gekommen und da dachten wir, zu zweit ist es immer ganz schön anstrengend, zu viert ist es immer etwas einfacher", erklärte Knortz selbstironisch die Aufstockung des Duos. "Gerd Beliaeff hat schon mit Gott und der Welt zusammengespielt von den Beatles bis zu Hans Hartz. Es dauerte bis er endlich seine Band gefunden hat", stellte Knortz seinen Kollegen lächelnd vor. "Und Jens Jesse ist unser Dithmarscher, wir haben ihn adoptiert", so der Husumer. In dem Song "Ostermoor" sang Jesse über Kindheitserinnerungen an sein Heimatdorf, das es heute nicht mehr gibt.

Nachdem das Duo Johannsen/Knortz über 25 Jahre zusammen und in verschiedenen Projekten mit anderen Bands und Musikern auftrat, spielen sie seit drei Jahren auf Konzerten im Quartett mit Gerd Beliaeff und Jens Jesse. "Jungs, wir müssen spielen, was ihr am besten könnt", gab Beliaeff bei einer Probe den Anstoß, wieder plattdeutsche Lieder zu singen. Dann sprudelte die Kreativität und die "Jungs" lieferten sich wie im Rausch einen Wettkampf bei der Komposition der Lieder. Herausgekommen ist die erste komplette CD des Quartetts mit elf plattdeutschen Liedern.

Die Texte entstammen zum Teil der eigenen Feder oder dem Hausbuch niederdeutscher Lyrik aus den 1920er Jahren. Alle Songs sind eigene Kompositionen mit Ausnahme des Titels "Ostermoor" mit einer Melodie von James Taylor sowie einer Coverversion des Songs "Day after tomorrow" von Tom Waits und Kathleen Brennan. Als das Publikum beim Konzert im Leck Huus just im Meer der Emotionen zu versinken drohte, setzte Manuel Knortz noch einen oben drauf: "Es geht noch trauriger", löste er schmunzelnd die Atmosphäre. Aber auch Klassiker hatte das Quartett mit im Programm wie anglo-amerikanische Songs von Sting oder Johnny Cash und Lieder nach den Gedichten von Theodor Storm wie "Die Nachtigall", "Hyazinthen" und "Die Stadt".

Nach mehreren Zugaben entließ "Dragseth" das Publikum in die Zeit danach, in der Erfahrungen im unendlichen Meer der Gefühle ihren Ort und ihre Zeit finden: Es passte schon.


 

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