NORDFRIESLAND TAGEBLATT
Kreistag stellt Weichen für Windkraft-Testfeld südlich von Husum
Nordfriesland. Die Globalisierung ist eine Herausforderung für den Windstandort Nordfriesland. Der hat nämlich bei der weltweiten Entwicklung der Windbranche seine Vorreiterrolle möglicherweise eingebüßt. Das deutete Thomas Nissen, Fraktionschef der SPD, im gestrigen Kreistag an. Die Entwicklung auffangen könnte das geplante Gelände für Test-Windkraftanlagen, das im Süden von Husum, in der Südermarsch und in Simonsberg nun ausgewiesen wird. Dafür stimmte der Kreistag gestern mit zwei Enthaltungen und gab gleichzeitig der Ergänzung seitens der Sozialdemokraten mit einer Gegenstimme statt. Die SPD-Fraktion hatte für den Kreis ein Mitspracherecht gefordert: "Die zuständige Behörde (derzeit die Landesplanung im Kieler Innenministerium) wird aufgefordert, an der derzeitigen Praxis des Einvernehmensvorbehaltes zugunsten des jeweiligen Kreises für die Einleitung von Zielabweichungsverfahren bei Windenergietestanlagen festzuhalten." Sprich: Die zuständige Behörde muss mit dem Kreis Einvernehmen herstellen, ansonsten sind keine Ausnahmen zum Regionalplan V zulässig. Die SPD will den "Wildwuchs" von kommerziell genutzten Windrädern in der Gemarkung vermeiden. Nissen: "Unsere Zustimmung verbinden wir mit der Forderung, weitere Zielabweichungsverfahren für Testfelder so gut wie möglich auszuschließen." Neue Anlagen sollen nur noch auf ausgewiesenen Flächen gebaut werden. Beantragt ist obendrein ein Test-Gelände bei Karlum und Ladelund.
Der Kreistag beauftragte Landrat Dieter Harrsen, für das "öffentlich beherrschte Windtestfeld Nord" südlich von Husum die Marktlage zu erkunden und einen Geschäftsplan zu schreiben. Dabei werden sich die betreffenden Gemeinden, der Kooperationspartner Fachhochschule Flensburg, das Kompetenzzentrum Windenergie und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft NF mit der Netzwerkagentur "Windcomm" einbringen können. Ob sich der Kreis auch finanziell an der Betreibergesellschaft beteiligen wird, will der Kreistag erst auf der Grundlage des fertigen Konzeptes entscheiden. Die Mittel für Businessplan und Marktanalyse werden dem Haushalt 2012 entnommen. Mit möglichen Gesellschaftern kann der Kreis von nun an erste Gespräche führen.
Tim Hanke, Vorsitzender der CDU-Fraktion, stimmte den SPD-Wünschen "erfreut" zu, warnte aber davor, in die Entwicklungsarbeit einzugreifen: "Wir können den Unternehmen nicht vorschreiben, was sie testen und was nicht."
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